• 10.12.2013, 21:10:15
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 11. Dezember 2013 von Alois Vahrner "Schatten über dem Weihnachtsglitzer"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Süßer die Kassen nie klingeln als zur
Weihnachtszeit - leider auch sehr oft mit Produkten, die von den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Billiglohnländern unter
widrigsten Bedingungen hergestellt wurden.

Die Wochen vor Weihnachten sind für viele wohl nicht die stillste,
sondern die hektischste Zeit des Jahres. Begleitet von pausenlos über
die Lautsprecher der Geschäfte laufenden Weihnachtssongs, läuft das
Weihnachtsgeschäft seit Wochen auf Hochtouren. Das vielapostrophierte
Fest der Liebe ist vor allem auch eines der Geschenke: Insgesamt 2,7
Milliarden Euro werden laut einer gestern vorgestellten neuen Studie
heuer für Präsente rollen.
Einmal abgesehen davon, welche der fast schon inflationär
erscheinenden Studien und Umfragen zum Weihnachtsgeschäft tatsächlich
halbwegs stimmen: Was im vorweihnachtlichen Kaufrausch (aber auch das
restliche Jahr) bei Händlern und Konsumenten kaum eine Rolle spielt,
ist die Frage, unter welchen Umständen viele Produkte hergestellt
wurden. Gestern machte die entwicklungspolitische Organisation
Südwind wieder auf teils skandalöse Bedingungen für die Beschäftigten
etwa in der chinesischen Spielzeugindustrie aufmerksam. Was unter dem
Christbaum für glänzende Kinderaugen sorgt, ist zuvor in
Zulieferfabriken nicht selten unter miserablen Arbeitsbedingungen
hergestellt worden.
Was bei Geschenken für Kinder vielleicht noch mehr sensibilisiert,
passiert aber auch in vielen anderen Bereichen. Die verheerenden
Zustände in vielen der Tausenden Textilfabriken in Bangladesch haben
zuletzt nach Bränden mit unzähligen Todesopfern mehrfach
aufgerüttelt. Was hierzulande gottlob nur noch in den
Geschichtsbüchern zu finden ist, das ist in Bangladesch wie in
anderen Billiglohnländern leider heute gang und gäbe: In der Praxis
sind 14- bis 16-Stunden-Tage an sieben Tagen die Woche oft die Regel,
und das mit Löhnen weit unter der Armutsgrenze und ohne jegliche
soziale Rechte.
Dass viele der Textilien, Sportartikel, Spielwaren, Technik- oder
anderen Produkte im Westen unter klingenden Markennamen mit stolzen
Preisen (und damit entsprechend großen Gewinnspannen) verkauft
werden, ist ein hässliches Ergebnis dieses Systems. Durchbrochen
werden kann dies nur mit entsprechendem Druck, und zwar auf die
Politik und vor allem die großen Konzerne. Die größte Macht liegt
aber - zumindest theoretisch - bei den Konsumenten. Geiz ist nämlich
ganz und gar nicht geil, sondern leider fatal für Millionen
Betroffene. Um aber bewusst kaufen oder eben andere Produkte gezielt
boykottieren zu können, braucht es lückenlose Informationen über die
Produktionsmethoden. Zu diesen müssen die Unternehmen gezwungen
werden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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