• 10.12.2013, 10:20:36
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MAK-Schausammlung Teppiche wird neu eröffnet

Weltberühmte Teppichsammlung des MAK neu inszeniert in einem Raumkonzept von Michael Embacher und mit einer künstlerischen Intervention von Füsun Onur

Mamluken-Teppich, Fragment, Mamlukenreich, Ägypten,
Kairo, nach Mitte 15. Jh., 550 x 227 cm, ehemals Kaiserhaus,
übernommen 1922

Utl.: Weltberühmte Teppichsammlung des MAK neu inszeniert in einem
Raumkonzept von Michael Embacher und mit einer künstlerischen
Intervention von Füsun Onur =

Wien (OTS) - Mit einem völlig neuen, ungewöhnlichen
Gestaltungskonzept entführt die MAK-Schausammlung Teppiche ab 8.
April 2014 in die stille Faszination der Teppichkunst. Eine Auswahl
von über dreißig Exponaten gibt einen eindrucksvollen Einblick in die
hochkarätige Teppichsammlung des MAK, die mit einem Schwerpunkt auf
einzigartige persische und mamlukische Teppiche des 16. und 17.
Jahrhunderts zu den berühmtesten und wertvollsten ihrer Art weltweit
zählt. Eine handgefertigte Textilarbeit der türkischen Künstlerin
Füsun Onur korrespondiert in der neuen Schausammlung mit dem
architektonischen Gestaltungskonzept des Wiener Designers Michael
Embacher, der die Exponate gleichsam dem Boden enthebt.

Über einen Einblick in die Entwicklungsgeschichte des Teppichs vom
späten 15. bis zum 18. Jahrhundert hinaus wird die Teppichkunst als
übergreifendes Thema des europäischen Interieurs skizziert.
Klassische safawidische und osmanische Teppiche des 16. und 17.
Jahrhunderts, Glanzleistungen des orientalischen Kunsthandwerks,
bilden die Höhepunkte der Neupräsentation. Zu den wertvollsten
Exponaten zählen der weltberühmte safawidische Jagdteppich
(Zentraliran, Kashan, 1. Hälfte 16. Jahrhundert), ein
Mamluken-Teppich des ausgehenden 15. Jahrhunderts (Ägypten, Kairo)
oder ein figurativer indischer Teppich aus der Zeit Akbars, des
Großen (Nordindien, Lahore, um 1600).

Klassische Teppiche des mittleren Ostens werden durch
Savonnerien, in Frankreich gefertigte Knüpfteppiche des 18.
Jahrhunderts, wie etwa eine französische Savonnerie Kaiser Josefs II.
(Frankreich, Paris, Mitte 18. Jahrhundert), ergänzt. Orientiert an
der Teppichproduktion des östlichen Mittelmeerraums, entwickelte sich
unter König Ludwig XIII. die "Manufacture royale des meubles de la
couronne, des tapis facon de Perse et du Levant", eine der
berühmtesten Teppichmanufakturen Europas. Die in der
MAK-Schausammlung Teppiche ausgestellten Exemplare dokumentieren die
neue Formensprache dieser französischen Produktion. "Die
Miteinbeziehung der Savonnerien in die Präsentation der klassischen
Teppiche des Mittleren Ostens dokumentiert reizvoll sowohl die
Interaktionen der Kulturen als auch unterschiedliche formelle
Entwicklungen", so Barbara Karl, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und
Teppiche.

Etwa dreißig dreidimensionale Objekte der MAK-Sammlung ergänzen
die Präsentation und thematisieren vielseitige Interaktionen mit der
kunsthandwerklichen Produktion. Gestalterische Parallelen finden sich
beispielsweise zwischen Fliesen und Tellern aus Iznik und dem
osmanischen Nischen- und Gebetsteppich aus Istanbul bzw. Bursa (2.
Hälfte 16. Jahrhundert). Ein ausgewähltes Blatt des berühmten
"Hamzanama" illustriert die Verwendung von Teppichen im originalen
Kontext, während barocke Stiche formelle Ähnlichkeiten zu den
französischen Savonnerien aufzeigen.

Raumkonzept und künstlerische Intervention

Inspiriert von der Seide, einem wesentlichen Material exklusiver
Teppichknüpfkunst, erinnert der Wiener Designer Michael Embacher mit
seinem architektonischen Konzept für die Neuaufstellung an das Innere
eines Seidenraupenkokons, in den die Teppiche "verwoben" werden.
Getragen von dünnen Seilen aus Stahl schweben die Exponate gleichsam
über dem Boden und neigen sich in einem jeweils anderen Winkel den
BetrachterInnen zu. Embacher ermöglicht damit völlig neue Blickwinkel
auf die kostbaren Textilien, die üblicherweise liegend oder an der
Wand hängend präsentiert werden.

Eine schwebende Installation symbolhafter Qualität der türkischen
Künstlerin Füsun Onur, die sie eigens für die neue MAK-Schausammlung
Teppiche entwickelt, interagiert subtil mit der Neupräsentation. Das
von der Künstlerin mit einem Motiv eines weiblichen Engels bestickte,
großformatige Textil liest sich als poetische Referenz an das
Spannungsverhältnis zwischen kulturellen und religiösen Vorstellungen
und erzeugt gleichzeitig eine Sensibilität für deren Ambivalenz. Onur
schafft dabei eine Sphäre für subjektive Erfahrung und
Verinnerlichung, losgelöst von ideologischen Weltinterpretationen.

Michael Embacher (*1963, Wien) belegt mit seinem Büro
EMBACHER/WIEN eine interdisziplinäre Kompetenznische zwischen
Architektur, Design, technischer Konstruktion, handwerklicher
Maßarbeit und künstlerischem Anspruch. Nach einem Studium der
Architektur an der Technischen Universität Wien und Mitarbeit bei den
Avantgarde-Architekten Günther Domenig und Sepp Müller machte sich
Embacher 1993 selbstständig. Die Bandbreite seines Büros umfasst eine
Vielzahl von Architekturprojekten ebenso wie Ausstellungskonzepte,
private Bauten und die Entwicklung von Patenten.
Materialfetischismus, perfektes Handwerk und eine markante
Raumsprache sind bezeichnend für Embachers Schaffen. Zu seinen
bekanntesten Arbeiten zählen das mit dem Adolf Loos-Preis in Bronze
ausgezeichnete Gartensalettl im Kronprinzengarten, Schloss Schönbrunn
(2002), die Summerstage am Wiener Donaukanal (1996), das Filmlager
Laxenburg für das Filmarchiv Austria (2004), die Gestaltung des
Österreichauftritts anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft (2006), das
Geschäftslokal der Wiener Silbermanufaktur (2009) oder die
Neugestaltung der MAK-Schausammlung Wien 1900 (2013).
(embacher.co.at)

Füsun Onur (* 1938, Istanbul), die neben Zeichnungen und Textilien
Skulpturen, Installationen, räumliche Studien und Soundarbeiten
schafft, studierte von 1956 bis 1960 Bildhauerei an der Akademie der
schönen Künste in Istanbul (Güzel Sanatlar Akademisi, heute Mimar
Sinan Üniversitesi) bei Ali Hadi Bara. Nach einem Aufent-halt an der
American University in Washington, D.C. (Fulbright-Stipendium, 1960)
und am Maryland Institute College of Art in Baltimore, Maryland
kehrte Onur 1967 nach Istanbul zurück. Als Vertreterin der
feministischen Avantgarde nimmt sie Ende der 1960er Jahre eine
bedeutende Rolle in der türkischen Gegenwartskunst ein. Ihre Arbeit
wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert,
unter anderem im Art and Sculpture Museum, Istanbul (1990), auf der
vierten, sechsten und zwölften International Istanbul Biennial
(1995/1999/2011) sowie im Van Abbemuseum, Eindhoven (2005) oder im
MAK Wien (2013). Nicht zuletzt seit ihrer Teilnahme an der dOCUMENTA
(13) in Kassel erfährt Füsun Onur auf internationaler Ebene
Anerkennung für ihr Lebenswerk.

Die Neuaufstellung der MAK-Schausammlung Teppiche ist nach der
Neukonzeption der MAK-Schausammlungen Wien 1900 und Asien die dritte
Neupräsentation unter MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein.

Presseunterlagen und Pressebilder stehen unter MAK.at/presse zum
Download bereit.

PRESSEDATEN:

Pressekonferenz: Dienstag, 8. April 2014, 10:30 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 8. April 2014, 19:00 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Schausammlung Teppiche, MAK, Stubenring 5, 1010
Wien
Ausstellungsdauer: permanent
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr; Jeden
Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
Kuratorin: Barbara Karl, Kustodin MAK-Sammlung Teppiche
Künstlerische Intervention: Füsun Onur; Kuratorin: Bärbel Vischer,
Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst
Gestaltung: Michael Embacher
MAK-Eintritt: Euro 7,90 / ermäßigt Euro 5,50 / Familienkarte Euro 11
/ Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

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