- 05.12.2013, 09:01:08
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Erwerbsaustritts- und Pensionsantrittsdynamik im Bausektor
Wien (OTS/WIFO) - Das Pensionsantrittsalter steht im Mittelpunkt der
Pensionsdiskussion. Für viele Versicherte ist das
Pensionsantrittsalter aber nicht gleichzeitig auch das
Erwerbsaustrittsalter. Wie die Analyse der Pensionsneuzuerkennungen
2008/2010 in der Saisonbranche Bauwirtschaft zeigt, weisen
Bauarbeiter mit vorzeitiger Alterspension die kürzeste und jene mit
regulärer Alterspension die längste Lücke zwischen der Beendigung der
letzten Beschäftigung und dem Pensionsantritt auf.
Die Ursachen sind nicht zuletzt in den spezifischen
Arbeitsmarktbedingungen des Sektors zu finden: Der
Beschäftigungsstand schwankt wetterbedingt im Jahresverlauf stark,
sodass viele Arbeitskräfte saisonabhängig temporär gekündigt werden
und Arbeitslosigkeitsepisoden aufweisen. Werden sie nicht vom selben
Arbeitgeber wiederbeschäftigt, müssen sie einen neuen Arbeitsplatz
suchen. Diese spezifischen Arbeitsmarktbedingungen beeinflussen
maßgeblich die Art und den Zeitpunkt des Pensionsübertrittes in der
Baubranche.
Die Pensionszugangskanäle der zuletzt im Bauwesen unselbständig
beschäftigten Männer unterscheiden sich vom gesamtwirtschaftlichen
Durchschnitt der Männer durch einen um 15 Prozentpunkte höheren
Anteil krankheitsbedingter Pensionierungen (Bauwirtschaft 56%,
Gesamtwirtschaft 41%) und einen um 2 Prozentpunkte niedrigeren Anteil
regulärer Alterspensionen (Bauwirtschaft 5%, Gesamtwirtschaft 7%).
Baubeschäftigte erreichen aufgrund der hohen Saisonschwankungen
weniger oft die für eine vorzeitige Alterspension notwendigen
Versicherungszeiten (45 Beitragsjahre); von den vorzeitigen
Pensionsneuzuerkennungen der Männer erfolgen in der Baubranche 39%
vorzeitig, in der Gesamtwirtschaft sind es 52%. Der Pensionsübertritt
der in der Bauwirtschaft beschäftigten Frauen ähnelt hingegen den
Übergangswegen der Frauen in der Gesamtwirtschaft. In der
Gesamtwirtschaft treten Frauen häufiger als Männer zum gesetzlichen
Antrittsalter von 60 Jahren in den Ruhestand (Frauen: 42%, Männer:
Antritt zum Regelpensionsalter von 65 Jahren 19%). 37% der neu
zuerkannten Direktpensionen an Frauen sind vorzeitige Alterspensionen
(Männer 43%) und 22% krankheitsbedingte Pensionen (Männer 38%).
Rund zwei Drittel der Männer, die zuletzt in der Bauwirtschaft
beschäftigt waren, treten unmittelbar aus einer aktiven Beschäftigung
in eine vorzeitige Alterspension über; im Bereich der
krankheitsbedingten Pensionen und auch der regulären Alterspensionen
erreicht dieser Anteil nur ein Drittel. Die Lücke zwischen
Beschäftigungsbeendigung und Pensionsbeginn beträgt für rund ein
Fünftel der krankheitsbedingten Pensionierungen und für mehr als die
Hälfte der regulären Alterspensionen zwei oder mehr Jahre (Übersicht
1).
Im Durchschnitt beenden Bauarbeiter, die in eine vorzeitige
Alterspension übertreten, rund 1,4 Jahre vor der Pensionierung die
aktive Beschäftigung; dieser lange Übergang wird allerdings von
überdurchschnittlich großen Lücken weniger Personen verursacht. Ohne
diese Ausreißer beenden Bauarbeiter 0,6 Jahre vor der Pensionierung
ihre aktive Beschäftigung. Der Vergleichswert für männliche
Angestellte liegt bei 0,5 Jahren. Für Männer, die krankheitsbedingt
in den Ruhestand treten, beträgt die Zeitspanne zwischen
Erwerbsaustritt und Pensionszugang 1,5 Jahre (Arbeiter in der
Bauwirtschaft), in der Gesamtwirtschaft liegt diese Lücke bei 1,7
Jahren. Die Erwerbslücke der Bauarbeiter, die in die reguläre
Alterspension wechseln, beträgt dagegen 7,7 Jahre, jene der
angestellten Männer 2,2 Jahre. Auch in der Gesamtwirtschaft ist hier
die Lücken mit 6 Jahren (Arbeiter) bzw. 2,9 Jahren (Angestellte) am
höchsten (Übersicht 2).
In der Gesamtwirtschaft dauert die Erwerbslücke der Frauen vor dem
Übertritt in eine krankheitsbedingte Pension um rund 0,5 Jahre länger
als die der Männer, vor dem Übertritt in eine vorzeitige
Alterspension sind die Lücken etwa gleich lang. Frauen, die zum
Regelpensionsalter pensioniert werden, beenden im Durchschnitt 3,5
Jahre davor ihre letzte reguläre Beschäftigung.
Reformmaßnahmen, die ausschließlich auf die Anhebung des
effektiven oder gesetzlichen Pensionsantrittsalters abzielen, blenden
diese große Erwerbslücke zwischen Beschäftigungsbeendigung und
Pensionsantritt aus. Vor allem im Bereich der krankheitsbedingten
Pensionen, aber auch der Regelpensionen sind verstärkt Maßnahmen zur
Beschäftigungsförderung erforderlich, um diese Lücke zu schließen.
Eine Anhebung des Erwerbsaustrittsalters und des
Pensionsantrittsalters bedeutet eine doppelte Dividende: höhere
individuelle Pensionen durch eine Verlängerung der Erwerbsphase und
höhere Beitragseinnahmen der Pensionsversicherung durch eine höhere
Beschäftigungsquote der älteren Erwerbstätigen.
Übersicht 1: Dauer des Pensionsüberganges der Männer - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47062)
Übersicht 2: Durchschnittliches Pensionsantrittsalter und
Erwerbsaustrittsalter der Männer nach sozialrechtlichem Status - auf
der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47062)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
11/2013 (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47035) und der folgenden
WIFO-Studie: Ulrike Huemer, Christine Mayrhuber,
Arbeitsmarktsituation und Pensionsübertritt am Beispiel der
Bauwirtschaft (November 2013, 57 Seiten, 40 Euro, Download 32 Euro:
http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47002)
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