Simon Wiesenthal Conference 2013 "Mittäterschaft in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg und im Holocaust"

Simon Wiesenthal Conference 2013 "Mittäterschaft in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg und im Holocaust"

Wien (OTS) - Die großen europäischen Nachkriegserzählungen fußten auf dem mutigen und nicht zu verleugnenden Widerstand, der "Resistenza", der "Résistance" oder dem "Odboj" und auf den lokalen Aufständen gegen NS-Okkupation und Faschismus. Komplizenschaft und Kollaboration wurden einfach in Abrede gestellt: Die österreichische "Opferthese" ist dafür nur ein prägnantes, im europäischen Vergleich aber nicht einzigartiges Beispiel. Zaghaft und spät wurden ab den 1980er-Jahren in Westeuropa Fragen einer Mitverantwortung, Kollaboration und vor allem Mittäterschaft an der Judenverfolgung und -vernichtung gestellt. Die Impulse kamen häufig von außen, von Historikern und Forschern, die nicht in nationalen Forschungsseilschaften und -traditionen verstrickt waren, die einen unvoreingenommenen Blick auf die post-faschistischen Gesellschaften Westeuropas werfen konnten.

Allein jenseits des Eisernen Vorhangs gestaltete sich diese Auseinandersetzung noch schwieriger: Zivilbevölkerungen - zum Teil auch Opfer jenes rassistisch motivierten Vernichtungskrieges, der sich in erster Linie gegen die jüdische Bevölkerung richtete - hatten ja hier unter den NS-Besatzungsregimen unvergleichlich mehr zu leiden gehabt als jener in West- und Nordeuropa. Dies rückte nach 1945 zum einen die Erinnerung an den Widerstand, an die Partisanen und Untergrundkämpfer noch mehr als im Westen des Kontinents in den Fokus, zum anderen verhinderte aber eine zensurierte und von den KP-Regimen gesteuerte Geschichtspolitik gezielt jede über den antifaschistischen Mythos hinausgehende Auseinandersetzung mit der Ermordung der Juden, Roma und Sinti.

Auch die Wende um 1990 erleichterte weder den Gesellschaften noch den Historikern Ost- und Ostmitteleuropas eine Klärung der unmittelbaren Vergangenheit, waren sie doch mit jenen Fragen, denen sich die demokratischen Gesellschaften Westeuropas schon spät und zögerlich gestellt hatten, gleich doppelt konfrontiert. In Osteuropa mussten die Narrative bezüglich NS-Okkupation, aber auch Stalinismus (sowie die Frage der Kollaboration mit beiden Systemen) zeitgleich überprüft und umgeschrieben werden.

Die gemeinsam vom Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien (VWI), dem Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) organisierte Simon Wiesenthal Conference 2013 versucht nun, eine Bilanz der neueren Forschungen zu Komplizenschaft und Kollaboration im NS-besetzten Osteuropa zu ziehen - vor dem Hintergrund der westeuropäischen, durchaus widersprüchlichen und kontroversen Erfahrungen.

Weitere Informationen:
www.vwi.ac.at

Simon Wiesenthal Conference 2013 "Mittäterschaft in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg und im Holocaust" freier Eintritt Datum: Donnerstag, 5.12. - Samstag, 7.12.2013, jeweils 10.00 - 18.00 Uhr Ort: Palais Trautson 1070 Wien, Museumstraße 7

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Dr. Béla Rásky oder Dr. Jana Starek
Tel.: +43-1-890 15 14
E-mail: office@vwi.ac.at
www.vwi.ac.at

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