Oesterreichs Energie Trendforum startet Zukunftsdialog

Vier Szenarien thematisieren Entwicklung der Stromversorgung bis 2030

Wien (OTS) - Erhaltung und Ausbau einer zukunftssicheren und funktionierenden österreichischen Elektrizitätsversorgung ist ein zentrales Anliegen der Interessenvertretung der E-Wirtschaft. Wie die Elektrizitätswirtschaft sich bis 2030 entwickeln könnte, das demonstrieren vier Szenarien für die Zukunft, die Oesterreichs Energie am Montag, 25.11.2013 präsentierte. Damit startet Oesterreichs Energie einen Zukunftsdialog, der sowohl branchenintern als auch mit Experten und Interessenvertretern der Bürgergesellschaft geführt werden soll.

Die vier Szenarien, die im Laufe des Jahres 2013 erstellt wurden, sind Ausgangspunkt einer breit angelegten Zukunftsdiskussion der Branche, erklärte EVN-Vorstandssprecher Peter Layr, Präsident von Oesterreichs Energie. Die E-Wirtschaft stelle sich ihren Aufgaben, aber auch die Gesellschaft müsse die Zukunftsziele mittragen. Layr:
"Die E-Wirtschaft hat große Verantwortung für das Funktionieren unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft. Wir unterstützen die Bemühungen zum Aufbau einer umweltfreundlichen Stromversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien. Damit wir unsere Verantwortung auch zukunftssicher tragen können, brauchen wir aber passende Rahmenbedingungen. Alleingelassen werden wir die Last nicht mehr lange schultern können."
Prinzipiell erwartet Oesterreichs Energie, so Layr, dass der Weg zu erneuerbaren, dezentralen Energien weiter gehen wird. Layr: "Drei der vier Szenarien zeigen denkbare Entwicklungen auf, die von dieser Annahme ausgehen." Österreichs E-Wirtschaft leistet schon heute hervorragende Arbeit und bietet eine der umweltfreundlichsten und sichersten Stromversorgungen Europas. Layr: "Österreichs E-Wirtschaft investiert zudem intensiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien, in Speicher und in Netze und bietet ihren Kunden faire Preise."

Umfassender Strukturwandel der Stromversorgung
Das System der Stromversorgung befindet sich im Umbruch. Der Siegeszug der erneuerbaren Energien ist nicht mehr aufzuhalten -bereits 2018 werden sie jüngsten Prognosen zufolge mehr als ein Viertel zum weltweiten Energiemix beitragen. Wie jede Revolution birgt aber auch dieser Umbau des Energiesystems seine Risiken, von denen die E-Wirtschaft in besonderem Maße betroffen ist. Das zeigten auch die Diskussionen im Zuge der Szenarienerstellung.
Massive Verwerfungen, die nach einer Lösung verlangen, sind bereits heute spürbar: So stehen etwa die Stromnetze durch die ungebremste Einspeisung aus erneuerbaren Quellen knapp an ihrer Belastungsgrenze und müssen dringend ausgebaut werden. Die überdimensionale Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland hat zudem zu Marktverzerrungen an den europäischen Strombörsen geführt. Konventionelle Kraftwerke als Basis für die Systemsicherheit können oft nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Als Folge müssen dringend benötigte Investitionen zurückgestellt werden, was wiederum die Versorgungssicherheit gefährdet.

Antworten auf Zukunftsfragen gesucht
Wird es gelingen, ein neues, einheitliches europaweites Marktdesign zu schaffen, wie es EU-Kommissar Günther Oettinger vorschwebt? Wird es gelingen, die aktuellen Verwerfungen auf den Strommärkten zu beseitigen und damit ein stabiles Versorgungssystem zu schaffen? Wie könnten die entsprechenden Maßnahmen aussehen? Und zuletzt: Mit welchen Herausforderungen muss die E-Wirtschaft dabei rechnen? Diese Fragen standen im Zentrum des dritten Trendforums 2013 im Ares Tower in Wien, das den Titel "Strom-Szenarien der Zukunft - Ausblick 2030" trug. Die Zukunftsbilder sind aber erst das Zwischenergebnis des Szenarienprozesses, den Oesterreichs Energie gestartet hat, um Klarheit über künftige Entwicklungen zu gewinnen, für die in weiterer Folge entsprechende Strategien ausgearbeitet werden können.

Massive Herausforderung durch politische Vorgaben
Die politischen Vorgaben in Richtung einer Ökologisierung der Energieversorgung stellen insbesondere für die E-Wirtschaft eine massive Herausforderung dar. Sechs Jahre vor dem Zieldatum 2020 sind die Entwicklung neuer Strategien und die Neuausrichtung der Rahmenbedingungen notwendig. Im Rahmen des Szenarienprozesses wurden 55 Faktoren diskutiert und vier Szenarien erarbeitet, die jeweils ein denkbares Branchenbild des Jahres 2030 darstellen. Wie in der Szenarienerstellung üblich, wurden bildhafte Vergleiche gesucht und dafür verschiedene "Gärten" gewählt.

Szenario Hightech-Garten - Game change durch Innovation
Das erste Szenario, der "Hightech-Garten" unterscheidet sich von den drei anderen vor allem dadurch, dass darin - als Absicherung gegenüber unerwarteten Trendbrüchen - eine Abkehr vom Vorrang des Ausbaus der erneuerbaren Energien angenommen wurde. Das Auftauchen einer neuen innovativen Technologie oder eine völlige Veränderung des politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Kontexts haben dabei zu einem völligen Paradigmenwechsel in Fragen der Energieversorgung geführt. Eine sichere Stromversorgung mit günstigen Preisen ist zwar gewährleistet, die plötzlichen Veränderungen haben allerdings neue Machtstrukturen und womöglich neue gesellschaftliche Konflikte zur Folge.

Szenario Dschungel - Business as usual
Die anderen drei Szenarien bauen alle auf der Grundannahme auf, dass der Trend zu mehr erneuerbaren Energien unumkehrbar ist. Im zweiten Szenario, das als "Der Dschungel" betitelt wurde, gehen die Experten von einem " Sich-Weiter-Durchwursteln" aus. Die Welt der E-Wirtschaft präsentiert sich im Jahre 2030 als unübersichtlich, ohne einheitlichen Rahmen für den Transformationsprozess in Richtung einer nachhaltigen Energiewirtschaft, mit dominierenden nationalen Einzelinteressen, regionalen Fördersystemen und einer Überregulierung, die den Wettbewerb verzerrt. Der E-Wirtschaft fällt es immer schwerer, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Szenario Barockgarten - Nationale Alleingänge
Das dritte Szenario, das den symbolischen Titel "Barockgarten" trägt, skizziert eine Zukunft, in der die Energiepolitik vor allem von nationalen Alleingängen geprägt ist. Der Strom-Binnenmarkt wurde ausgehebelt, es dominieren Abschottung, einzelstaatliche Ökostromregelungen, Bremsen für grenzüberschreitende Stromgeschäfte wurden eingebaut. Im Gegensatz zu dem Szenario "Der Dschungel" gelingt es dabei der E-Wirtschaft, jederzeit Strom in ausreichender Menge und Qualität zu liefern, wie es moderne Industriestaaten benötigen.

Szenario Landschaftsgarten - Weiterentwicklung des europäischen Binnenmarktes
Im vierten Szenario, wofür die Strategieberater das Symbolbild des "Landschaftsgartens" gewählt haben, ist es der EU gelungen, die nationalen Alleingänge einzuschränken und den Energiemarkt europaweit zu koordinieren. Die Unsicherheiten der ersten beiden Szenarien werden dadurch verringert, die Zukunft wird für die E-Wirtschaft planbarer. Der Umbau der Stromversorgung führt zwar zu Belastungen, dafür wird aber die Versorgungssicherheit gewährleistet. Allerdings besteht hier die Gefahr einer Zwei-Klassen-Stromversorgung, bei der es unterschiedliche Stufen der Versorgungssicherheit zu unterschiedlichen Preisen gibt.

"Diese Szenarien sind ein erstes Ergebnis des von uns initiierten, umfangreichen Strategieprozesses, der der E-Wirtschaft ein Werkzeug in die Hand geben soll, um auf die Herausforderungen der Zukunft besser reagieren zu können", erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. "Sie sind als Diskussionsgrundlage gedacht, um gemeinsam Zukunftsstrategien entwickeln zu können, um auf die großen Herausforderungen entsprechend zu reagieren. In diesem Zusammenhang sei es wichtig zu betonen, so Schmidt, "dass es sich dabei weder um Prognosen noch Präferenzen oder Sichtweisen handelt, die wir uns wünschen würden. Im Gegenteil: Diese Szenarien wurden wertneutral auf Basis bestehender Fakten und Zusammenhänge entwickelt, um Entscheidungsträger darauf vorzubereiten, Unsicherheiten, Trendbrüche und allenfalls Extremereignisse rechtzeitig zu antizipieren."

Informationen und Grafiken zu den Szenarien finden Sie unter www.oesterreichsenergie.at.
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