- 22.11.2013, 09:26:43
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Heinisch-Hosek: Anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 einen Schwerpunkt auf die Schicksale von Frauen legen
Lesung mit Elisabeth Orth anlässlich 75 Jahre Novemberpogrom
Utl.: Lesung mit Elisabeth Orth anlässlich 75 Jahre Novemberpogrom =
Wien (OTS) - "Als Frauenministerin ist es mir ein besonderes
Anliegen, anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 einen
Schwerpunkt auf die Schicksale von Frauen zu legen. Darum ist es mir
eine Ehre, dass mit Elisabeth Orth eine große Schauspielerin für
diese Lesung zur Verfügung steht", sagte Frauenministerin Gabriele
Heinisch-Hosek gestern, Donnerstagabend, in ihrer Begrüßung bei der
Veranstaltung "Lesung mit Elisabeth Orth anlässlich 75 Jahre
Novemberpogrom" in Wien. "Nach einer großartigen Idee von
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Ereignisse zum Gedenken an
die Novemberpogrome zu bündeln, ist ein umfangreiches, sehr
würdevolles Programm entstanden. Diese Veranstaltung ist ein
wesentlicher Teil davon."
Anstelle eines Rückblicks auf die Geschehnisse der Novemberpogrome
brachte Heinisch-Hosek das Schicksal einer Frau näher. Käthe Leichter
war promovierte Doktorin der Philosophie an der Universität
Heidelberg. Dieser Titel wurde ihr 1939 vom Nazi-Regime aberkannt,
weil sie versucht hatte, sich gefälschte Ausweispapiere zu
beschaffen, um durch eine Flucht ins Ausland ihr Leben zu retten. Das
Gericht verurteilte sie zu einer siebenmonatigen Haftstrafe, aus der
sie nicht mehr entlassen wurde. Nach ihrer Gefangenschaft im KZ
Ravensbrück wurde Käthe Leichter 1942 in Bernburg ermordet.
Käthe Leichters Sohn Franz schrieb an die Universität und erhielt
folgende Antwort, aus der die Ministerin rezitierte: "Wir erachten es
für notwendig, aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Akten den
Fall Ihrer Mutter, die verfolgt, gedemütigt, entehrt und durch das
Nazi-Regime ihres Lebens beraubt wurde, genau zu prüfen. [...] Nach
den damaligen 'gesetzlichen' Bestimmungen war mit jeglicher
strafgerichtlichen Verurteilung der automatische Verlust der
Doktorwürde verbunden. In einem Schreiben vom 31. Oktober 1939 mit
Übersendung des Urteils wies das Landesgericht Wien die Universität
Heidelberg hierauf hin. Wir können nur mit Entsetzen und
tiefempfundener Scham zur Kenntnis nehmen, dass der damalige Rektor
der Universität Frau Dr. Leichter - den 'gesetzlich' genannten
Bestimmungen folgend - mit einem in die Haftanstalt gesandten Brief
vom 7. Dezember 1939 aufforderte, sich künftig 'der Führung der
Doktorwürde zu enthalten'. [...] Die strafgerichtliche Verurteilung
und damit auch der daraus resultierende Verlust der Doktorwürde Ihrer
Mutter ist auf der Grundlage einer 'gesetzlichen' Regelung erfolgt,
die im höchsten Maß menschenrechtswidrig und daher ungültig ist. Ihre
Mutter gilt aus der Sicht unserer Universität selbstverständlich als
promovierte Wissenschaftlerin, die den Heidelberger Doktortitel zu
Recht führte und deren Namen mit dem Heidelberger Doktortitel
verbunden ist und verbunden bleibt." Die Entziehung der Doktorwürde
von Käthe Leichter wurde annulliert.
"Der Rest des Briefes erfolgte in ähnlich würdevoller und
wertschätzender Art und ist späte Genugtuung für Käthe Leichters Sohn
und auch für die Reputation dieser großartigen Frau", so
Heinisch-Hosek abschließend.
Elisabeth Orth, österreichische Schauspielerin, Kammerschauspielerin
und Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, las unter anderem Texte
von Rosa Jochmann und Selma Meerbaum-Eisinger. Für die musikalische
Umrahmung sorgte das Original Wiener Salonensemble.
Fotos zu dieser Veranstaltung sind über das Fotoservice des
Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at,
kostenfrei abrufbar.
Weitere Gedenkveranstaltungen zu "75 Jahre Novemberpogrom" finden Sie
unter: http://www.parlament.gv.at/SERV/VER/NOVPOGR/
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