Molkereivertreter fordern faire Preise für Milchprodukte

Petschar: Mehrwert durch hohe Qualität und gentechnikfreie Produktion abgelten

Graz (OTS) - "Österreichische Milch und Milchprodukte sind sehr wertvolle natürliche Lebensmittel. Im Rahmen des AMA-Gütesiegels werden diese zusätzlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus auf Qualität geprüft. Tatsache ist auch, dass die gesamte heimische Milchwirtschaft gentechnikfrei produziert. Es muss uns aber bewusst sein, dass diese Molkereiprodukte nur dann nachhaltig auf diesem hohen Standard erzeugt werden können, wenn dieser Mehrwert auch zu einem entsprechenden Preis führt. Hier sind Handel und Konsumenten gefordert, unsere vorbildlichen Standards in der Herstellung durch eine entsprechende Abgeltung auch abzusichern." Dies erklärt heute der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, anlässlich des diesjährigen AMA-Milchforums in Graz.

"Österreichische Milchprodukte enthalten viele essenzielle Vitamine, Mineralien und hochwertiges Eiweiß. Ihre Natürlichkeit und Ausgewogenheit in der Zusammensetzung sowie die hohe biologische Verfügbarkeit sind der Schlüssel dafür, dass Milch für Nahrungszwecke mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Molkereiprodukte im Rahmen einer ausgewogenen Diät zu sich genommen, gewährleisten die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen in höchster Qualität", stellte Petschar fest.

"Milch wird in Österreich mit höchster Sorgfalt und Verantwortung produziert und zu hochwertigen Erzeugnissen verarbeitet, sodass deren voller Nährwert ungeschmälert zu den Verbrauchern gelangt. Kleinteilige Produktion, strenge Tierschutz- und Umweltauflagen sowie besondere Hygienestandards gewährleisten die hohe Qualität. Mit dem Kauf von heimischer Milch wird die Pflege der Landschaft gesichert, immerhin stammen 75% der Rohmilch aus Berg- und benachteiligten Gebieten, auch das ist ein wichtiger Grund für den Konsum heimischer Produkte", unterstrich der VÖM-Präsident.

Schließlich stünden heimische Milchprodukte auch für sehr hohe Ansprüche bei der Verarbeitung und Innovation. "Als Beispiele für den hohen Innovationsgrad unserer Milch gelten der international hohe Anteil an Biomilch, die Tatsache, dass die gesamte heimische Milchwirtschaft gentechnikfrei produziert, sowie laufend neue Innovationen, wie etwa die Heumilch- und Bio-Wiesenmilchproduktgruppe, und die vielen internationalen Auszeichnungen", so Petschar.

2013: Stabile Entwicklung am Milchmarkt

Die stabile Entwicklung am Weltmilchmarkt hat in der Zwischenzeit den europäischen und österreichischen Milchmarkt nach oben getrieben, auch wenn die Preisanpassungen in Österreich vergleichsweise spät oder geringer erfolgten, so Petschar. "Diese feste Marktentwicklung stammt von einer Verknappung in wichtigen Produktionsgebieten zu Beginn des heurigen Jahres und gleichzeitig von einer regen Nachfrage am Weltmarkt. Die österreichischen Bauern und Verarbeiter konnten an der internationalen Marktentwicklung aufgrund der restriktiven Politik des heimischen Lebensmittelhandels nicht im entsprechenden Ausmaß profitieren - und dies trotz der objektiv höheren Produktionsstandards. Diese Entwicklung ist für unsere Milchbauern und -verarbeiter nicht akzeptabel und kann in weiterer Folge zu entsprechenden Umdisponierungen von Milchmengen führen", warnte der Molkereichef.

Für die österreichischen Bauern sei eine entsprechende Entwicklung der Milchgelder essenziell, es gehe um die Absicherung der heimischen Höfe sowie die Abgeltung höherer Kosten im Futterbereich und bei Betriebsmitteln. Auch sei es nicht zu vertreten, dass für höhere Qualität nicht die entsprechenden Preisanpassungen gewährt werden, wie dies auch für Standardqualitäten am Weltmarkt geschehe. "Im Sinne der viel gepriesenen Regionalität, die zuletzt auch von heimischen Handelsketten stark beworben wurde, wird hier eine verantwortungsvollere Vorgangsweise eingemahnt", unterstrich Petschar.

Österreichs Milchpreise steigen im internationalen Trend

Die Erzeugermilchpreise sind im Laufe des heurigen Jahres auch in Österreich dem internationalen Trend folgend gestiegen - sie erreichten mit September dieses Jahres im Durchschnitt 38,86 Cent netto beziehungsweise 43,52 Cent brutto je kg und lagen damit um 12% über den Vergleichswerten des Vorjahres, vor allem durch verbesserte Erlöse im Export. Dennoch ist es, so der VÖM-Präsident, bis dato nicht gelungen, die Dynamik des Weltmarktes auch in Österreich entsprechend umzusetzen.

Milchprodukte immer noch sehr günstig

"Österreichische Milchverarbeiter können nur die Molkereiabgabepreise beeinflussen, die Endverbraucherpreise werden von den dominierenden Handelsketten festgelegt, deren Entwicklung nicht unbedingt ident ist. Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass Milchprodukte in Österreich immer noch sehr günstig sind. Im Preiseinstiegs-Segment sind sie heute billiger als vor 20 Jahren, Butter kostet um 7,2%, Emmentaler um 19,4% weniger, obwohl im gleichen Zeitraum die Inflation bei 47,8% lag und die Durchschnittslöhne um 65,2% gestiegen sind", gab Petschar zu bedenken. Moderate Preisanpassungen für Milchprodukte würden überdies nur zu sehr überschaubaren Mehrkosten für die Konsumenten führen. 10 Cent mehr je l Trinkmilch würden EUR 8,- pro Jahr oder 66 Cent je Monat zusätzlich bedeuten und ein Preisanstieg von EUR 1,- je kg Butter und Käse hätte für die Konsumenten einen Mehraufwand von zirka EUR 25,- pro Jahr oder EUR 2,- im Monat zur Folge.

"Gentechnikfreiheit, die Produktion in Berggebieten und höhere Standards bewirken eine bessere Qualität, aber auch steigende Kosten, die abgegolten werden müssen, ansonsten wird dieser Mehrwert gefährdet. Daher ist die besondere Verantwortung des österreichischen Lebensmittelhandels gefragt. Für unsere Milchbauern ist eine Abgeltung ihrer Kosten wichtig, denn sonst können die hohen Standards dauerhaft nicht gehalten werden", warnte Petschar.
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Mag. DI Johann Költringer
VÖM - Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter
Friedrich-Wilhelm-Raiffeisenplatz 1, 1020 Wien
Tel.: +43/1/211 36-2558, E-Mail: voem@netway.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ0002