- 13.11.2013, 10:31:39
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Eigene Gattung - eigene Regulierung?
Gemeinsame Tagung von deutschen Medienanstalten und österreichischer RTR-GmbH beleuchtet Zukunft des Radios
Utl.: Gemeinsame Tagung von deutschen Medienanstalten und
österreichischer RTR-GmbH beleuchtet Zukunft des Radios =
Wien/Berlin (OTS) - Als einen "Ort der Begegnung" beschrieb der
Botschafter der Republik Österreich, Dr. Ralph Scheide, die
Österreichische Botschaft in Berlin bei der Veranstaltung "Eigene
Gattung, eigene Regulierung? - Hörfunk vor der Herausforderung
Konvergenz", zu der die österreichische Medienaufsicht der Rundfunk
und Telekom Regulierungs-GmbH mit ihrem Geschäftsführer Dr. Alfred
Grinschgl und der Hörfunkbeauftragte der Direktorenkonferenz der
deutschen Landesmedienanstalten, Dr. Gerd Bauer, am Montag eingeladen
hatten.
Hörfunk-Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz
trafen dort zusammen, um über die weitere Entwicklung des digitalen
Radios und über aktuelle Regulierungsangelegenheiten für den Hörfunk
zu beraten. Zentrale Themen waren dabei die Frage nach einem Termin
für die Abschaltung des analogen UKW-Radios sowie nach dem Bedarf für
einen eigenständigen Hörfunk-Rechtsrahmen auf nationaler und
europäischer Ebene.
Auch mehr als zwei Jahre nach dem Neustart des digitalen Hörfunks
in Deutschland über DAB+ sind noch nicht alle Hörfunkveranstalter von
einem Umstieg auf die digitale Rundfunkübertragung überzeugt. Als
digitale Alternative wird vereinzelt auch die Übertragung via
Internet genannt, die jedoch bei massenhafter Nutzung als
unwirtschaftlich gilt. Eine zeitnahe Abschaltung des analogen
UKW-Hörfunks betrachtet ein Teil der Veranstalter skeptisch.
Anders als in Deutschland und der Schweiz ist in Österreich
digitaler Hörfunk noch nicht verfügbar. Allerdings befindet sich ein
Testbetrieb im Raum Wien in Planung und könnte im ersten Quartal 2014
starten. Voraussetzung für einen Regelbetrieb von digitalem Hörfunk
in Österreich ist nach Ansicht von Dr. Alfred Grinschgl,
Geschäftsführer des Fachbereichs Medien der RTR-GmbH, ein
akkordiertes Vorgehen der Marktteilnehmer: "Ich bin davon überzeugt,
dass das digitale Radio in Österreich nur dann erfolgreich sein kann,
wenn alle Hörfunkveranstalter, also die Privaten sowie der ORF, dies
gemeinsam wollen und vorantreiben", so Grinschgl. "Ein
uneinheitliches Vorgehen wird die Konsumenten verunsichern und
letztlich von ihnen auch nicht akzeptiert werden." Gemeinsam mit der
Geräteindustrie sollte ein attraktives Angebot geschnürt werden, das
auch visuell nutzbare Zusatzdienste und entsprechende Geräte mit
Displays enthalten sollte, um den Mehrwert des digitalen Hörfunks für
die Verbraucher greifbar zu machen, so Grinschgl.
Grundsätzlich zuversichtlich für eine digitale Zukunft des
Hörfunks auch in Österreich zeigte sich Mag. Michael Ogris,
Vorsitzender der Regulierungsbehörde KommAustria: "Die Frage ist aus
meiner Sicht nicht mehr, ob digitaler Hörfunk in Österreich kommt.
Die Frage ist eher die nach dem geeigneten Zeitpunkt, denn ein
kleinerer Markt wie der unsere wird beobachten müssen, wie sich das
digitale Radio in den größeren Nachbarstaaten entwickelt."
Dr. Gerd Bauer, Hörfunkbeauftragter der Direktorenkonferenz der
deutschen Landesmedienanstalten, sieht auch Politik und Regulierung
in der Pflicht: "Die Abkehr von der analogen Terrestrik im
Fernsehbereich wäre ohne die Regelungen der EU zur Interoperabilität
von Fernsehgeräten nicht möglich gewesen. Ich plädiere deshalb seit
langem für eine Übertragung dieses technologiefördernden
Regulierungsansatzes der EU auf den Hörfunk". Darüber hinaus sprach
er sich mit Blick auf eine Stärkung der gesamten Gattung Hörfunk für
den Übergang von einer Lizensierungspflicht für die
Hörfunkveranstalter zum bloßen Anzeigeverfahren sowie für eine klare
Erweiterung der Möglichkeiten von Hörfunkveranstaltern bei Werbung
und Sponsoring aus.
Auch Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz
der Landesmedienanstalten, warnte davor, sich bei der Diskussion über
die Zukunft von Radio lediglich auf eine Diskussion über den
Verbreitungsweg zu beschränken. "Es bedarf einer Gesamtstrategie für
den digitalen Hörfunk, bei deren Entwicklung die Medienanstalten
gerne eine Moderatorenrolle übernehmen werden".
An der hochkarätig besetzten Tagung nahmen als weitere Referenten
ORF-Hörfunkdirektor Mag. Karl Amon, der stellv. Geschäftsführer der
BLM Johannes Kors, TKLM-Mitglied Dr. Tilman Lang, Boris Lochthofen,
stellv. Vorsitzender der APR, Mag. Peter Matzneller, stv.
Geschäftsführer des EMR, Marcel Regnotto, Leiter der Sektion "Medien"
des Schweizer BAKOM, der Geschäftsführer der Digitalradio Deutschland
GmbH Willi Schreiner, Klaus Schunk, Vizepräsident des VPRT,
DeutschlandRadio-Intendant Dr. Willi Steul, Wolfgang Struber,
Vorstandsmitglied des Vereins Digitalradio Österreich, Mag. Michael
Wagenhofer, Geschäftsführer des Sendernetzbetreibers ORS sowie als
Moderator Steffen Grimberg, Redakteur des Medienmagazins ZAPP, NDR,
teil.
Die Redebeiträge von Dr. Scheide, Dr. Grinschgl und Dr. Bauer sind
unter www.lmsaar.de abrufbar.
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