• 30.10.2013, 11:29:07
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Auswirkungen neuer Regularien auf österreichische Banken: knapp 7 Milliarden Euro Mehrkosten

WKÖ-Rudorfer: "Zusatzbelastung für österreichische Banken ist Hemmschuh für Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Österreich"

Utl.: WKÖ-Rudorfer: "Zusatzbelastung für österreichische Banken ist
Hemmschuh für Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes
Österreich" =

Wien (OTS/PWK756) - Die österreichischen Banken werden durch
verschiedene Regulierungsmaßnahmen mit jährlich 6,7 Milliarden Euro
zusätzlich belastet, so eine aktuelle Untersuchung der
Wirtschaftskammer Österreich und der internationalen
Managementberatung Oliver Wyman. Diese wurde heute, Mittwoch, von
Finja Carolin Kütz, Geschäftsführerin von Oliver Wyman, und Franz
Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), im Haus der österreichischen
Wirtschaft in Wien präsentiert.

Im internationalen Vergleich treffen die Regularien die
österreichischen Banken besonders hart: So führt die
Bankenregulierung in der EU zwar zu einer deutlichen Erhöhung der
Kapital- und Liquiditätskosten für Banken in allen Mitgliedsstaaten,
zusätzliche spezifische Anforderungen belasten österreichische
Institute jedoch stärker als Banken in anderen europäischen Ländern.
Die Belastungen resultieren vor allem aus der Bankenabgabe in
Österreich und osteuropäischen Ländern sowie den kurzen
Aufbauperioden für die Einrichtung von Einlagensicherungs- und
Abwicklungsfonds. Auch der hohe Kapitalaufschlag für österreichische
Banken (im Rahmen des sogenannten "Austrian Finish") und eine
vergleichsweise starke Belastung durch überdurchschnittlich hohe
Bankenabgaben tragen dazu ebenfalls bei. "Im Ergebnis", so Kütz,
"zeigt sich, dass etwa die Kosten der britischen Regulierung circa 10
Prozent niedriger sind und die deutsche Regulierung sogar circa 20
Prozent weniger belastend ist als die österreichische."

"Das heißt, die österreichischen Banken haben unterm Strich
zusätzlich zu den europäischen Anforderungen noch schwerere Gewichte
zu stemmen als europäische Mitbewerber. Dass das Auswirkungen auf die
Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Finanzplatzes haben muss,
liegt auf der Hand", hielt Rudorfer fest. "Niemand kann ernsthaft
wollen, dass wir die Banken als Financiers der rot-weiß-roten
Wirtschaft schlechter stellen als solche aus anderen
Mitgliedsstaaten. Ein wettbewerbsfähiger Finanzmarkt ist schließlich
die Basis für Investitionen, Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand",
so Rudorfer.

Die repräsentative Erhebung samt Analyse sieht vier Ansatzpunkte,
um auf den Kostendruck zu reagieren, der sich aus den regulatorischen
Maßnahmen in Österreich ergibt. "Zwei der Maßnahmen - nämlich die
Rendite der Investoren zu senken sowie die Verbesserung der
operativen Effizienz - haben die Banken bereits in der Vergangenheit
angewendet bzw. sind weitgehend ausgereizt", hob Rudorfer hervor.

Damit bleiben den Banken zwei weitere Hebel: Wollte man die Kosten
der Regularien ausschließlich über eine Anpassung der Kreditzinsen
abfedern, müssten die Institute die Kreditzinsen um 1 Prozentpunkt
erhöhen. Zwar sind die Unternehmenskreditzinsen in Österreich
deutlich günstiger als in Deutschland, dennoch hätte eine derartige
Maßnahme Auswirkungen auf die Konjunktur.

Eine weitere Handlungsoption läge für die Studienautoren im
Rückzug aus bestimmten Märkten, Produkten und Kundengruppen. "Das
Kreditvolumen in Österreich ist nachweislich auch während der
Finanzkrise stabil geblieben, die Banken haben sich darauf
konzentriert, die Realwirtschaft bestmöglich zu unterstützen - und
wollen das auch weiter tun", unterstrich Bundesspartengeschäftsführer
Rudorfer.

Um die Kosten der Regularien alleine durch diese Handlungsoption
zu kompensieren, sieht die Analyse eine Reduktion der
risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets - RWA) als notwendig
an, um die Kapitalanforderungen zu verringern. Demnach wäre eine
Halbierung der RWA von 650 Milliarden auf 315 Milliarden Euro
erforderlich. Doch damit wäre den Bankkunden in unserem Land kaum
gedient. "Die österreichischen Banken werden daher alles daran
setzen, um auch diesen Hebel zu vermeiden", unterstrich Rudorfer.

Die Studie von WKÖ und Oliver Wyman zeigt weiters auf, dass die
österreichischen Banken auch in schwierigen Zeiten verlässlicher
Partner der Wirtschaft waren und nach wie vor sind: "Konstante
Wachstumsraten des Finanzierungsvolumens zu im europäischen Vergleich
besonders günstigen Preisen bestätigen die vitale Funktion der
österreichischen Banken im Blutkreislauf der Wirtschaft", so
Rudorfer.

"Um diese verantwortungsvolle Aufgabe auch weiterhin bestmöglich
wahrnehmen zu können, braucht es verlässliche und planbare
Rahmenbedingungen für die Finanzwirtschaft, eine 'regulatorische
Atempause' sowie ein Überdenken der Bankenabgabe", appellierte
Rudorfer. (JR)

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