• 29.10.2013, 11:45:23
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Rücktritt von Direktor Tobias G. Natter ist eine mutige Entscheidung

Republik Österreich ist in der Frage Leopoldmuseum nun gefordert

Utl.: Republik Österreich ist in der Frage Leopoldmuseum nun
gefordert =

Wien (OTS) - Die Israelitische Kultusgemeinde bezeichnet den
Rücktritt des museologischen Direktors Tobis G. Natter als einen
mutigen Schritt und sieht sich in ihrer Kritik an der vor kurzem
gegründeten Klimt-Stiftung bestätigt. Wie auch bereits gestern
Direktor Klaus Albrecht Schröder gemeint hat, ist die Entscheidung
Natters verständlich und zeigt seine Ernsthaftigkeit und Integrität.

Für die Republik Österreich besteht nun die Möglichkeit, ihre
moralische Verpflichtung gegenüber den Nachkommen der Opfer des
Nationalsozialismus wahrzunehmen und eine dementsprechende Lösung
hinsichtlich des Leopoldmuseums herbeizuführen.

1994 brachte die Republik die Leopoldsammlung, die sie gekauft hat,
in eine Privatstiftung ein. Dies hat sich insofern als großer Fehler
erwiesen, als sich in der Sammlung von den Nazis geraubte Bilder aus
jüdischen Sammlungen befinden. Während andere staatliche Museen
derartige Raubkunst aufgrund des Kunstrückgabegesetzes an die Erben
der früheren Eigentümer restitutieren, verweigert das Leopoldmuseum
die Rückgabe mit dem fadenscheinigen Argument, kein staatliches
Museum zu sein. Es ist höchste Zeit, dass diese Verhöhnung der Opfer
des Nationalsozialismus ein Ende hat und sich auch das Leopoldmuseum
an das Kunstrückgabegesetz hält.

Strikt abzulehnen wäre daher eine Bestellung von Diethard Leopold als
Nachfolger von Tobias G. Natter, da Diethard Leopold die
restitutionsfeindliche Politik seines Vaters unverändert fortsetzt.
Augenscheinlich hat die "Leopold-Seite" in der Privatstiftung die
Aktivitäten Weinhäupls in der neugegründeten Klimtstiftung nur
akzeptiert, um gute Stimmung für eine Bestellung Leopolds - womöglich
auf Lebenszeit wie sein Vater - zu machen. Unverständlich ist, warum
die vom Bund bestellten Mitglieder des Vorstands da mitspielen.

Ganz im Gegenteil sollte die derzeitige Situation zum Anlass genommen
werden, die "Amtszeit" von Diethard Leopold und Andreas Nödl
auslaufen zu lassen und die angedachte Museumsordnung umzusetzen. Das
würde bedeuten, das Leopoldmuseum in seiner jetzigen Form aufzulösen,
den Teil der Sammlung mit Bildern von Klimt, Schiele etc. dem
Belvedere zu übergeben und die weiteren Teile entsprechenden anderen
Museen zu überlassen. Das damit freigewordene Gebäude könnte dann dem
MUMOK als "Ausstellungshalle" zur Verfügung stehen und es wäre damit
kein weiterer Neubau nötig.

Es besteht die Hoffnung, dass das missglückte Konstrukt Leopoldmuseum
nun doch noch einer Lösung zugeführt wird und zumindest die Erben der
Opfer zu ihrem Recht kommen.

Erika Jakubovits
Executive Direktor des Präsidiums
Israelitische Kultusgemeinde Wien

Oskar Deutsch
Präsident
Israelitische Kultusgemeinde Wien

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