Rücktritt von Direktor Tobias G. Natter ist eine mutige Entscheidung

Republik Österreich ist in der Frage Leopoldmuseum nun gefordert

Wien (OTS) - Die Israelitische Kultusgemeinde bezeichnet den Rücktritt des museologischen Direktors Tobis G. Natter als einen mutigen Schritt und sieht sich in ihrer Kritik an der vor kurzem gegründeten Klimt-Stiftung bestätigt. Wie auch bereits gestern Direktor Klaus Albrecht Schröder gemeint hat, ist die Entscheidung Natters verständlich und zeigt seine Ernsthaftigkeit und Integrität.

Für die Republik Österreich besteht nun die Möglichkeit, ihre moralische Verpflichtung gegenüber den Nachkommen der Opfer des Nationalsozialismus wahrzunehmen und eine dementsprechende Lösung hinsichtlich des Leopoldmuseums herbeizuführen.

1994 brachte die Republik die Leopoldsammlung, die sie gekauft hat, in eine Privatstiftung ein. Dies hat sich insofern als großer Fehler erwiesen, als sich in der Sammlung von den Nazis geraubte Bilder aus jüdischen Sammlungen befinden. Während andere staatliche Museen derartige Raubkunst aufgrund des Kunstrückgabegesetzes an die Erben der früheren Eigentümer restitutieren, verweigert das Leopoldmuseum die Rückgabe mit dem fadenscheinigen Argument, kein staatliches Museum zu sein. Es ist höchste Zeit, dass diese Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus ein Ende hat und sich auch das Leopoldmuseum an das Kunstrückgabegesetz hält.

Strikt abzulehnen wäre daher eine Bestellung von Diethard Leopold als Nachfolger von Tobias G. Natter, da Diethard Leopold die restitutionsfeindliche Politik seines Vaters unverändert fortsetzt. Augenscheinlich hat die "Leopold-Seite" in der Privatstiftung die Aktivitäten Weinhäupls in der neugegründeten Klimtstiftung nur akzeptiert, um gute Stimmung für eine Bestellung Leopolds - womöglich auf Lebenszeit wie sein Vater - zu machen. Unverständlich ist, warum die vom Bund bestellten Mitglieder des Vorstands da mitspielen.

Ganz im Gegenteil sollte die derzeitige Situation zum Anlass genommen werden, die "Amtszeit" von Diethard Leopold und Andreas Nödl auslaufen zu lassen und die angedachte Museumsordnung umzusetzen. Das würde bedeuten, das Leopoldmuseum in seiner jetzigen Form aufzulösen, den Teil der Sammlung mit Bildern von Klimt, Schiele etc. dem Belvedere zu übergeben und die weiteren Teile entsprechenden anderen Museen zu überlassen. Das damit freigewordene Gebäude könnte dann dem MUMOK als "Ausstellungshalle" zur Verfügung stehen und es wäre damit kein weiterer Neubau nötig.

Es besteht die Hoffnung, dass das missglückte Konstrukt Leopoldmuseum nun doch noch einer Lösung zugeführt wird und zumindest die Erben der Opfer zu ihrem Recht kommen.

Erika Jakubovits
Executive Direktor des Präsidiums
Israelitische Kultusgemeinde Wien

Oskar Deutsch
Präsident
Israelitische Kultusgemeinde Wien

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