• 28.10.2013, 09:30:52
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Ergebnis der Multiband-Auktion 2013 wurde vom nachhaltig offensiven Verhalten aller drei Bieter getrieben

Durch weniger offensives Verhalten wäre der Auktionserlös wesentlich geringer ausgefallen

Utl.: Durch weniger offensives Verhalten wäre der Auktionserlös
wesentlich geringer ausgefallen =

Wien (OTS) - Die Multiband-Auktion wurde in Form einer
kombinatorischen Clockauktion (CCA) abgewickelt. Dieses Verfahren kam
bereits im Rahmen der Vergabe der 2,6 GHz in Österreich aber auch in
(Multiband-)Auktionen in anderen Ländern, wie etwa in der Schweiz,
den Niederlanden oder in Irland zum Einsatz. Abhängig vom Wettbewerb
endeten diese Auktionen mit sehr unterschiedlich hohen Erlösen.

Unter Einbeziehung eines führenden Beratungsunternehmens wurden in
Österreich einige Anpassungen durchgeführt. Diese waren aufgrund der
Markt- und Nutzungsbedingungen, der neuen gesetzlichen Regelungen zum
Mindestgebot und den spezifischen Umständen nach der Übernahme von
Orange erforderlich. So wurde etwa in einer frühen Phase der Auktion
die Transparenz reduziert, um Kollusion zu erschweren.

Lange Clockphase

In der ersten Phase der Hauptauktion, der Clockphase, konnten die
Bieter zu vorgegebenen Rundenpreisen Paketgebote auf Kombinationen
von Frequenzblöcken aus unterschiedlichen Kategorien abgeben. Wurden
in einer Kategorie mehr Blöcke nachgefragt als im Angebot waren,
stieg der Rundenpreis für diese Pakete. Eine weitere Runde wurde
gestartet.

Die Clockphase erstreckte sich über 72 Runden, in denen die Bieter
insgesamt 216 Gebote abgaben. Bereits diese Phase war sehr
wettbewerbsintensiv. Die Nachfrage (gemessen in Bietpunkten) lag etwa
bei Clockpreisen von 1,4 Mrd. Euro noch bei 130 % des Angebots. Dr.
Georg Serentschy, Geschäftsführer der RTR-GmbH für den Fachbereich
Telekommunikation und Post betont, dass die
Telekom-Control-Kommission (TKK) in der Runde 39 bei Clockpreisen von
ca. 1,5 Mrd. Euro aufgrund des offensichtlichen Nicht-Vorliegens von
Kollusion entschied, die Transparenz zu erhöhen und so den Bietern
die Möglichkeit zu geben, ihren Bedarf rasch zu koordinieren. In
dieser Runde lag die Nachfrage bei 115 % des Angebots. Serentschy:
"Zu unserem großen Erstaunen haben die Bieter jedoch von dieser
Möglichkeit, die auch preisdämpfend gewirkt hätte, keinen Gebrauch
gemacht, sondern ihren offensiven Kurs offensichtlich unbeirrt
fortgesetzt." Die Clockphase endete mit Runde 72 bei Clockpreisen von
knapp über 2 Mrd. Euro. Zu diesem Zeitpunkt lag der effektive
Auktionserlös aufgrund der Second-Price-Regel bei ca. 770 Mio. Euro.

Sehr offensive Gebote in der verdeckten Bietphase

Nach der Clockphase startete die verdeckte Bietphase. In dieser
Phase konnte jeder Bieter bis zu 3.000 Zusatzgebote abgeben. Diese
Zusatzgebote unterlagen Preisbeschränkungen, die sich aus dem
Bietverhalten in der Clockphase ergaben.

Tatsächlich gaben die drei Bieter in Summe über 4.000 Zusatzgebote
ab. Mehr als 65 % dieser Zusatzgebote legten die Bieter für die nach
den Regeln größtmöglichen erlaubten Kombinationen von
Frequenzblöcken, mit einem Anteil von ca. 50 % der verfügbaren
Frequenzen. Hinzu kommt, dass die Bieter für diese großen Pakete die
Preisbeschränkungen, die es in der verdeckten Bietphase gab, nahezu
zu 100 % ausschöpften. Im Gegensatz dazu schöpften sie die
Preisbeschränkungen für kleinere Pakete teilweise nur zu 60-70 % aus.
Diese Zusatzgebote auf große Frequenzmengen hatten einen massiven
Einfluss auf die Preise der Mitbieter. Gleichzeitig haben diese
Gebote in der Regel eine relativ geringe Wahrscheinlichkeit zum Zug
zu kommen. Blieben diese Gebote auf ganz große Frequenzmengen bei der
Gewinner- und Preisermittlung unberücksichtigt, hätte sich ein
Auktionserlös von ca. 1 Mrd. Euro eingestellt. Serentschy: "Der für
uns überraschend hohe Preis von knapp über 2 Mrd. Euro ist aus Sicht
der Regulierungsbehörde auf die nachhaltig offensiven Strategien der
Bieter zurückzuführen. Mit einer defensiveren Strategie hätte sich
diese Entwicklung nicht eingestellt."

Vergleichsweise geringer Erlös in der Zuordnungsphase

In der Zuordnungsphase wurde entschieden, wo die Bieter mit ihren
gewonnenen Blöcken in den einzelnen Frequenzbändern zu liegen kommen.
Dafür konnten sie Gebote für die Position im Band abgeben. Der Erlös
in der Zuordnungsphase belief sich auf ca. 1,5 Mio. Euro.

Auswirkungen auf die Kostenstruktur der Netzbetreiber

Die zusätzlichen Abschreibungen durch den Erwerb der
Frequenzpakete schlagen sich auf der Kostenseite für die Betreiber
mit 40-80 Cent pro Kunde und Monat nieder, womit sich ein
Abschreibungspeak, wie nach jeder großen Auktion, ergibt. Im
Zeitverlauf fallen auch ältere Abschreibungen (GSM) weg.

Sehr hoher Auktionserlös, aber historisch kein "totaler
Ausreißer"

Im Vergleich mit anderen LTE-Auktionen ist der Auktionserlös in
Österreich sehr hoch. Der Durchschnittspreis beläuft sich auf ca. 85
Cent je MHz und Einwohner. Für die 60 MHz der Digitalen Dividende
wurden in Deutschland (inflationsbereinigt) etwa 76 Cent je MHz und
Einwohner bezahlt, in Frankreich 72 Cent und in Portugal 44 Cent. Die
Multiband-Auktion in Irland mit denselben Frequenzbändern wie in
Österreich erlöste - unter Berücksichtigung der Zahlungsmodalitäten -
ca. 60 Cent je MHz und Einwohner. Im Vergleich dazu lag der
inflationsbereinigte Durchschnittspreis bei der UMTS-Versteigerung in
Deutschland im Jahr 2000 bei über 5,- Euro je MHz und Einwohner, in
Österreich bei 88 Cent. Die inflationsbereinigten Durchschnittspreise
der ersten beiden Mobilfunklizenzen im 900-MHz-Band (Mobilkom und
max.mobil) in Österreich lagen bei knapp 3,- Euro, die
1800-MHz-Lizenzen (Connect und tele.ring) bei 50 respektive 60 Cent.

Die aktuelle Auktion ist nicht die "letzte Chance"

Nach der Bescheidzustellung an die Bieter haben diese die
Möglichkeit, z.B. im Zuge der De-Fragmentierungsverhandlungen
Frequenzpakete untereinander abzutauschen sowie Frequenzpakete zu
verkaufen bzw. zu erwerben, beides nach Zustimmung durch die TKK.
Darüber hinaus sind in den kommenden Jahren weitere Frequenzvergaben
in anderen Bändern zu erwarten.

Zusammenfassend hält Serentschy das Ergebnis einer ersten Analyse
des Auktionsverlaufes fest: "Wir gehen davon aus, dass alle Bieter
ausgefeilte Strategien verfolgten und hochprofessionell beraten
waren. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass sie zwei konkrete und
ihnen bekannte Möglichkeiten hatten, ihr Bietverhalten dem
Auktionsverlauf anzupassen bzw. weniger offensiv zu gestalten und
damit mit insgesamt etwa der Hälfte des Gesamterlöses das Auslangen
zu finden. Diese Möglichkeiten während der Clockphase und in der
verdeckten Bietphase haben die Bieter außer Acht gelassen."

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | TCO

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