- 24.10.2013, 09:35:31
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Lithium im Trinkwasser senkt Suizidrate - möglicherweise auch durch Arzneimittel-Rückstände
Kongress der World Psychiatric Association von 27.-30.10. in Wien
Utl.: Kongress der World Psychiatric Association von 27.-30.10. in
Wien =
Wien (OTS) - Eine bereits im Juni 2011 an der MedUni Wien
durchgeführte Studie hat gezeigt, dass im Trinkwasser enthaltenes
Lithium die Suizidrate senken könnte. Bisher waren die ForscherInnen
davon ausgegangen, dass es sich zum überwiegenden Teil um natürlich
enthaltenes, aus Gestein herausgewaschenes Lithium handelt. Neue
Daten legen nahe, so Nestor Kapusta von der Universitätsklinik für
Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien, dass sich auch
Rückstände von Lithiumverschreibungen im Grundwasser befinden.
Kapusta: "Das Leichtmetall Lithium wird seit 60 Jahren in der
Psychiatrie als Stimmungsstabilisierer und zur Depressionsprophylaxe
eingesetzt. Es gelangt damit auch über Ausscheidungen ins Grundwasser
bzw. wird es in den Kläranlagen nicht herausgefiltert." Der
Psychiater geht davon aus, dass es in Regionen mit hohen
Lithiumverschreibungszahlen eine Art "Kohortenschutz" geben kann:
"Eine hohe Psychiater-Dichte und hoher Verabreichungsgrad könnten für
mehr Lithium im Trinkwasser sorgen, was sich auch bei unbehandelten
Personen positiv auswirken könnte." Jakob Klein aus der Suicide
Research Group an der MedUni Wien arbeitet gerade an dieser Studie.
Hohe Lithiumwerte im Trinkwasser bedeuten niedrigere Suizidrate
Schon in der Studie vor zwei Jahren war anhand von 6.460
Trinkwasserproben in 99 österreichischen Bezirken festgestellt
worden, dass hohe Lithiumwerte im Trinkwasser mit einer tendenziell
niedrigeren Suizidrate in der Region einhergehen. Dies deutet darauf
hin, dass Lithium bereits als Spurenelement messbare Effekte hat.
Kapusta: "Manche Forscher behaupten mittlerweile, dass Lithium
essenziell für den Menschen sein könnte."
Dass die Anreicherung von Medikamenten im Trinkwasser zunehmend ernst
zu nehmen ist, zeigt auch eine aktuelle Studie aus den USA, in der
die Verunreinigung des Grundwassers und des Trinkwasser aus der
Leitung durch zahlreiche Medikamentenrückstände nachgewiesen wurde.
Kapusta: "Im Fall von Lithium wäre es ja ein potenziell positiver
Effekt. Dennoch wäre es verfrüht, zu fordern, dass man dem
Trinkwasser Lithium beigeben sollte. Dazu ist dringend weitere
Forschung nötig." Obschon bei derartig niedrigen Lithiumwerten im
Trinkwasser keine Nebenwirkungen im Vergleich zu therapeutischen
Dosen (u.a. Nieren- und Schilddrüsenbeschwerden) zu erwarten sind,
fehlen diesbezügliche Studien.
Kapusta: "Lithium ist zunächst kein Wundermittel, auch wenn manche
Berichte es so darstellen." So wurde festgestellt, dass das
Leichtmetall zwar anregend auf das Wachstum neuer Gehirnzellen wirkt,
nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bereits bei Embryos. Es ist
jedoch noch unklar, wie sich eine systematische Exposition gegenüber
dem Spurenelement bei Schwangeren und Kindern auswirkt. Da wäre
dringend weitere Basisforschung nötig und von einer Supplementation
vorerst abzuraten, so der MedUni Wien-Experte.
Auch in der Behandlung von Alzheimer bzw. Demenz könnte Lithium eine
Bedeutung erlangen: Das Element scheint sich in der Gehirnsubstanz
einzulagern, nämlich stärker in der weißen als in der grauen
Gehirnsubstanz. Umgekehrt ist bekannt, dass Menschen die eine
Lithiumtherapie erhalten, mehr graue Substanz erzeugen. "Die
Alzheimer-Erkrankung ist unter anderem mit einem Abbau und
Veränderungen der weißen Substanz assoziiert, denen Lithium entgegen
wirken könnte", sagt der MedUni Wien-Forscher.
Service: Kongress der World Psychiatric Association (WPA) in Wien
Von 27. bis 30. Oktober 2013 findet im Austria Center Vienna der
WPA-Kongress statt. Nestor Kapusta ist einer der MedUni
Wien-ForscherInnen, die dort referieren werden. Detaillierte Infos
und Programm: www.wpaic2013.org.
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