- 19.10.2013, 11:10:01
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GPA-djp-Gotthartsleitner: Handelslehrlinge beklagen unbezahlte Überstunden und fehlende Ausbildung
Umfrage unter 16.500 Lehrlingen bestätigt arbeitsrechtliche Verstöße; Betroffene beklagen fehlende Wissensvermittlung
Utl.: Umfrage unter 16.500 Lehrlingen bestätigt arbeitsrechtliche
Verstöße; Betroffene beklagen fehlende Wissensvermittlung =
Wien (OTS/ÖGB) - Fehlende Bezahlung für geleistete Überstunden sowie
Samstagseinsätze, die zum Teil im Kollektivvertrag gar nicht erlaubt
sind und Angst, bei Erkrankung in den Krankenstand zu gehen - auch
die aktuelle Umfrage 2013 der GPA-djp-Jugend unter den Lehrlingen im
österreichischen Handel bestätigt, dass es viele Ausbildungsbetriebe
mit dem Berufsausbildungsrecht nicht sehr genau nehmen. "Viele
Betriebe nehmen die Flexibilisierung der Arbeitszeit sehr locker,
wenn es um ihre Lehrlinge geht", kritisiert Helmut Gotthartsleitner,
Bundesjugendsekretär in der GPA-djp (Gewerkschaft der
Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier): "Jeder sechste
Handelslehrling der rund 16.500 befragten Lehrlinge hat sich auch
heuer wieder an unserer Umfrage beteiligt, und die größte
Unzufriedenheit herrscht nach wie vor wegen nicht abgegoltener
Überstunden und Arbeitszeitproblemen".
Obwohl Überstunden für Lehrlinge unter 18 Jahren verboten sind,
musste jeder Zweite der Befragten bereits welche leisten. Mit 47,9
Prozent gibt fast jeder Zweite an, diese Überstunden unfreiwillig
geleistet zu haben. 27,5 Prozent haben außerdem zumindest schon
einmal Überstunden geleistet, ohne dafür Geld oder Zeitausgleich
bekommen zu haben. Handlungsbedarf ortet Gotthartsleitner in diesem
Zusammenhang nicht nur bei den Betrieben: "Es ist schon einigermaßen
kurios, dass Überstunden einerseits für unter 16-Jährige verboten
sind, dass es aber andererseits auch Regelungen dafür gibt, wie diese
entlohnt werden."
Auch bezüglich der Wochenendruhe werden offenbar weiterhin Rechte
von Lehrlingen verletzt, erläutert Gotthartsleitner: "Ähnlich wie
schon in den vergangenen Jahren gibt jeder fünfte Lehrling an, an
mehr als nur an zwei Samstagen im Monat nach 13 Uhr arbeiten zu
müssen, für rund sechs Prozent der Lehrlinge gilt das an jedem
Samstag." 64,8 Prozent der Befragten geben an, diese
Wochenendeinsätze unfreiwillig zu leisten.
Sorgen bereitet Gotthartsleitner außerdem, dass jeder Zehnte angibt,
den unmittelbaren Druck der Vorgesetzten zu spüren, nicht in den
Krankenstand zu gehen, und dass viele Lehrlinge offenbar als
Hilfskräfte eingesetzt werden: "Zwar geben 87,2 Prozent der Befragten
an, zufrieden mit ihrer Ausbildung zu sein. Die Aussagen derjenigen,
die nicht zufrieden sind, zeigen aber deutliche Problembereiche auf -
viele Betroffene klagen etwa darüber, dass niemand im Betrieb sie
ausbildet oder dass sie keinen KundInnen-Kontakt haben, weil sie
einen Großteil ihrer Zeit mit Putztätigkeiten oder im Lager
verbringen müssen."
"Für die GPA-djp bekommen die gebetsmühlenartigen Klagen mancher
Arbeitgeber darüber, dass sie schlecht ausgebildete und
uninteressierte Lehrlinge haben, schon eine neue Dimension",
resümiert Gotthartsleitner: "Unsere Umfrage macht ja leider einmal
mehr deutlich, dass es leider auch viele AusbildnerInnen gibt, die
nicht im geringsten daran interessiert sind, die Lehrausbildung so zu
gestalten, wie es vorgeschrieben ist und wie sie junge Leute
motivieren sollten. Nicht nur in diesem Sinne ist es ausgesprochen
unfair, dass Lehrlinge ständig geprüft werden, während die Leistung
der Ausbildungsbetriebe kaum jemanden interessiert. Wir bleiben bei
unserer Forderung nach einem verpflichtenden Check auch für die
Ausbilderbetriebe - daran sollen sich auch die Förderungen
orientieren!".
Hoffnung gebe, dass derzeit mit dem Sozialpartner intensiv an einem
neuen Berufsbild für die Lehrausbildung im Handel gearbeitet werde,
so Gotthartsleitner abschließend: "Hier haben wir die Chance, neue
Kompetenzen im Berufsbild zu verankern und diesen wichtigen Lehrberuf
attraktiver zu gestalten."
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