- 18.10.2013, 18:00:31
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DER STANDARD - Kommentar: "Die Zeitung lebt" von Alexandra Föderl-Schmid
Print und Online müssen voneinander lernen und sich wechselseitig stärken. (Ausgabe vom 19.10.2013)
Utl.: Print und Online müssen voneinander lernen und sich
wechselseitig stärken. (Ausgabe vom 19.10.2013) =
Wien (OTS) - Print oder Online: Dieser Grundsatzkonflikt wird unter
Journalisten häufig verbissen ausgetragen. Kollegen aus dem
elektronischen Bereich oder der Online-Welt bezeichnen die Zeitung
als tot, Printkollegen sehen häufig ihre Arbeit als einzig wahren
Journalismus. Hier Schnelligkeit, da Reflexion. Dabei nutzen immer
mehr Leserinnen und Leser beide Angebote. Was zählt, ist der
journalistische Inhalt und damit die Qualität, nicht der
Verbreitungsweg.
Dass Zeitungen höchst lebendig sind, zeigte sich jüngst in den USA:
Amazon-Gründer Jeff Bezos kaufte die Washington Post, Investor Warren
Buffett investierte seit 2011 rund 344 Millionen Dollar und hat damit
63 Tages- und Wochentitel im Süden der USA, weitere 29 Tageszeitungen
im Rest des Landes gekauft.
Auf das geänderte Nutzungsverhalten muss sich die Medienbranche
einstellen: Online kann schneller reagieren, Print besser
analysieren. Jedes Medium hat seine eigenen Stärken, es gilt
voneinander zu lernen. Für den Journalismus bedeutet dieser
Strukturwandel neue Chancen und Risiken. Es ist nicht überraschend,
dass die von Journalisten beschriebenen Auswirkungen der Finanzkrise
und der Globalisierung sowie die technologischen Umwälzungen auch die
eigene Branche erfasst haben. Ökonomischen Druck hat es immer
gegeben, wie ein Blick in die Standard-Geschichte zeigt. Neu ist aber
die Gleichzeitigkeit von Entwicklungen, deren Auswirkungen noch gar
nicht alle absehbar sind. Die Medien, insbesondere jene im
Qualitätsbereich, stehen vor finanziellen, inhaltlichen und
technologischen Her█ausforderungen - sie müssen sich fit machen für
neue Zeiten.
Im Unterschied zu anderen Firmen stellen Medienunternehmen aber
Produkte her, die für die Demo-kratie unverzichtbar sind. Information
und Aufklärung, Kritik und Kontrolle gehören zu den
demokratiepolitischen Aufgaben der Medien. Diese Aufgaben sind umso
wichtiger in ei█nem Land wie Österreich, in dem die Gewaltentrennung
nicht das Gewicht hat, das sie in einer entwickelten Demokratie haben
sollte, und wo die █Verhaberung regiert. Wie wichtig Auf█deckungs-
und Aufklärungsarbeit ist, zeigen die Korruptionsfälle, die immer
häufiger den Weg von Zeitungsspalten in die Gerichtssäle finden.
Qualitätsjournalismus setzt die Trennung von Anzeige und Redaktion
voraus, redaktionelle Unabhängigkeit im Handeln und Denken, aber auch
gut ausgebildete Journalisten, die Fakten und Aussagen bewerten
können. Kritische Distanz, Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und
Unbeugsamkeit sind journalistische Notwendigkeiten. Ökonomische
Solidität ist eine weitere Voraussetzung, denn guter Journalismus
kostet Geld.
Der Strukturwandel in den Medien führt dazu, dass Erlösmodelle nicht
mehr wie bisher funktionieren. Alle Medienunternehmen suchen nach
Antworten und praktikablen Lösungen. Das Modell, das alle Fragen
beantwortet, gibt es noch nicht.
Es geht auch um die Frage, was eine Gesellschaft bereit ist, für
qualifizierte Informationsleistungen zu zahlen. Und es geht nicht "um
die Subvention einer schwächelnden Branche, sondern eine Investition
in die Infrastruktur der Demokratie", wie es der Medienwissenschafter
Matthias Karmasin formuliert. Das gilt umso mehr für Österreich, wo
die Regierung mit In█seraten - aus Steuergeld finanziert - den
Boulevard außerhalb der nachvollziehbaren Presseförderung füttert.
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