- 16.10.2013, 09:16:31
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Armutskonferenz zum Tag gegen Armut: Soziale Schere schadet der ganzen Gesellschaft
Armut ist kein Naturereignis. Soziale Investitionen zahlen sich aus: Bildung, Pflege, Wohnen, Gesundheit, Mitbestimmung
Utl.: Armut ist kein Naturereignis. Soziale Investitionen zahlen
sich aus: Bildung, Pflege, Wohnen, Gesundheit, Mitbestimmung =
Wien (OTS) - "Geht die Schere zwischen arm und reich auf, heißt das
mehr Krankheiten und geringere Lebenserwartung, mehr
Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen,
mehr Schulabbrecher, vollere Gefängnisse, mehr Gewalt und mehr
soziale Ghettos", weist die Armutskonferenz zum UN-Tag gegen Armut
darauf hin, dass "die soziale Schere für viel zu viele Menschen
Zukunft abschneidet" Die soziale Schere zwischen Arm und Reich
schadet der ganzen Gesellschaft.
Auch der Internationale Währungsfonds, die Weltbank oder die OECD
weisen auf den Preis sozialer Polarisierung hin: "Zunehmende
Ungleichheit schwächt die Wirtschaftskraft eines Landes, sie
gefährdet den sozialen Zusammenhalt und schafft politische
Instabilität -- aber sie ist nicht unausweichlich" (OECD)
Soziale Investitionen zahlen sich aus: Bildung, Pflege, Wohnen,
Gesundheit
"Niemand ist offiziell für Armut. Aber Armut wird mittlerweile
einfach in Kauf genommen", kritisiert die Armutskonferenz. "Doch wir
könnten viel tun. Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder
frischen Statistik neu zu bestaunen gilt. Es gibt genügend
Instrumente und Möglichkeiten in der Schule, beim Wohnen und mit
sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern" Grundsätzlich helfen
Einkommensarmen Investitionen in Dienstleistungen, die sie im Alltag
unterstützen: von der Kinderbetreuung, der Frühförderung,
Beratungsangebote für Menschen in sozialen Notlagen, oder auch
Wohnangebote für Jugendliche, die es im Leben schwerer haben,
Schuldenberatung bis hin zu Pflegehilfen. Hier entstehen
Win-win-Situationen zwischen Einkommen, Arbeitsplätzen, Frühförderung
von Kindern und Pflegeentlastung Angehöriger. Auch ein
Bildungssystem, das den sozialen Aufstieg fördert und nicht sozial
selektiert, wirkt. Auf die neuen sozialen Risken wie prekäre Jobs
oder psychischen Erkrankungen muss angemessen sozialpolitisch
reagiert werden. Und nicht zuletzt helfen Jobs, von denen man leben
kann", so die Armutskonferenz.
Und im Gesundheitsbereich gibt es eine Reihe von Baustellen: Die
bessere Versorgung mit psycho-sozialen Notdiensten - gerade im
ländlichen Bereich; leistbare Psychotherapie-Angebote;
uneingeschränkter Zugang zu Gesundheits- und Rehabilitationsmaßnahmen
für Menschen mit multiplen Beeinträchtigungen und die Schließung der
Krankenversicherungslücke.
Verwaltungs- und Demokratiepaket für und mit Armutsbetroffenen
Bei Verwaltungsreform und Demokratiepaket dürfen diejenigen nicht
vergessen werden, die eine gute Verwaltung und gleichen Zugang zum
Recht - egal ob arm oder reich- am meisten brauchen. Ein
bürgerfreundliches und grundrechtsorientiertes unteres soziales Netz
verbessert den Zugang. Barrieren auf den Ämtern verlängern die
Notsituation. Gerade bei AMS oder Sozialamt sind verbesserte
Rechtschutzangebote dringend erforderlich. Sozialanwaltschaften
analog zu den Patientenanwaltschaften können zum Beispiel Ombudstelle
und Rechtschutz für Betroffene sein.
Bürgerräte (wie zur Zeit in Vorarlberg erprobt) können Einblicke
und Lösungen erbringen, an die vorher nicht gedacht wurde. Sie
beteiligen BürgerInnen aller Schichten, Einkommen und Herkunft an
entscheidenden Fragen des Gemeinwesens. Die Unterstützung von
Selbstorganisation und der Bildung von Selbsthilfegruppen ist hier
zentrale Voraussetzung für Partizipation und Mitbestimmung, so die
Armutskonferenz abschließend.
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