• 01.10.2013, 18:52:36
  • /
  • OTS0226 OTW0226

DER STANDARD-Kommentar "Nachspucken, nichts zugeben"

von Gerald John

Utl.: von Gerald John =

Wien (OTS) - So sieht sie also aus, die "Koalition neuen Typs": nur
keine eigenen Fehler zugeben, dafür dem Partner das Hackl ins Kreuz
hauen. Stilprägend ist einmal mehr Niederösterreichs Landeshauptmann
Erwin Pröll, der im Ö1-Interview genau das vorexerzierte, was er der
Bundesregierung vorwirft: aus vordergründigem Populismus Streit
schüren. Lustvoll spuckte Pröll der scheidenden Bildungsministerin
Claudia Schmied nach. Ihren Abgang begrüßte er als "deutliches
Einbekenntnis der Schuld".
Sicher hat Schmied Fehler gemacht, doch ihr allein die Verantwortung
für vermisste Schulreformen in die Schuhe zu schieben grenzt aus
schwarzem Mund an Realitätsverweigerung. Gründe für Blockaden sollte
Pröll lieber im eigenen Lager suchen. Zur Auswahl stünde etwa die
Lehrergewerkschaft, gegen die sich die ÖVP-Hälfte der Koalition kaum
aufzumucken traut; die standesdünkelhafte Verteidigung des
Gymnasiums, obwohl selbst schwarze Landeshauptleute aus dem Westen
den Unsinn sozialer Barrieren im Schulsystem erkennen; oder die
dümmliche Propaganda gegen die "Zwangstagsschule", die an der
Lebensrealität urbaner Familien vorbeigeht.
Gerade eine in den Städten erodierende Partei sollte nach einer
Niederlage all diese Positionen hinterfragen. Bedeutet die von Pröll
geforderte "schwarze Handschrift" jedoch "more of the same", nur eben
noch sturer, dann lässt sich erahnen, wie viel bei der Schulreform
gelingen wird: nichts.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PST

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel