• 23.09.2013, 16:17:43
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Kärnten: Polnische Verdienstorden für Peter Gstettner und Jerzy Konarzewski

LH Kaiser gratulierte bei Verleihung durch den polnischen Botschafter Lorkowski im Spiegelsaal der Landesregierung

Utl.: LH Kaiser gratulierte bei Verleihung durch den polnischen
Botschafter Lorkowski im Spiegelsaal der Landesregierung =

Klagenfurt (OTS/LPD) - Im voll besetzten Spiegelsaal der
Landesregierung in Klagenfurt erfolgten heute, Montag, zwei
außergewöhnliche und sehr hohe Ehrungen. Im Beisein von
Landeshauptmann Peter Kaiser verlieh der polnische Botschafter Artur
Lorkowski das Kavalierkreuz des Verdienstordens der Republik Polen an
den Gründer des "Mauthausen Komitees Kärnten/Koroska" und des Vereins
"Memorial Kärnten/Koroska", Peter Gstettner, und den Obmann des
polnischen-österreichischen Kulturvereins für Kärnten "Klub
Sobiesksi", Jerzy Konarzewski.

Für den Landeshauptmann beeinflussen die beiden Geehrten Ruf und
Atmosphäre des Landes positiv. Konarzewski lebe hier, gebe aber seine
Wurzeln, seine Identität und Verbindung zu Polen nicht auf. Er sei
vielmehr Kulturvermittler zwischen beiden Ländern und habe mit dem
"Klub Sobiesksi" eine wichtige Brückenfunktion inne. Gstettner habe
große Verdienste um die Erinnerung an die Kärntner
Mauthausen-Außenstellen am Loibl und in Klagenfurt-Lendorf erbracht.
Kaiser erinnerte daran, dass er dafür erst kürzlich das "Große
Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" erhalten hat.
Der Landeshauptmann würdigte zudem Gstettners Einsatz für das
zweisprachige Schulwesen in Kärnten und merkte an, dass er nicht
immer geliebt worden sei. "Mein Fazit: Kärnten braucht mehr solche
kritische Geister wie Peter Gstettner", betonte Kaiser.

Botschafter Lorkowski dankte Gstettner für sein Engagement und
merkte an, dass dieser zwei Lehrstühle gehabt habe: an der Uni
Klagenfurt und am Loiblpass. An Konarzewski würdigte er die Energie
und den Willen, etwas zu machen. Der Obmann des "Klub Sobiesksi" sei
ein wichtiger Botschafter Polens.

Die Laudatio für Gstettner hielt der Komponist und Pianist Paul
Gulda, der selbst im Burgenland im Verein "RE.F.U.G.I.U.S." im Sinne
der Erinnerung an NS-Opfer tätig ist. Für Gulda wäre die Existenz der
beiden Kärntner Mauthausen-Außenstellen ohne Gstettner kaum bekannt:
"Durch ihn wurden sie fest in die Zeitgeschichte eingeschrieben."
Durch Gstettner und dessen Verein würde man die Namen der Opfer
kennen und hätte den Opfern ein Gesicht gegeben.

Gstettner zeigte sich von der hohen Auszeichnung sehr bewegt. Er
verwies auf die historische Verbindung Kärntens und Polens, die
jedoch durch die Schicksale der polnischen NS-Opfer leidvoll,
schmerzlich und belastet sei. Mit über 450 Deportierten seien die
Polen am Loibl die zweitgrößte Häftlingsgruppe nach den Franzosen
gewesen. Zwölf polnische Häftlinge seien direkt am Loibl ermordet
worden, ihre Namen seien nunmehr bekannt. Gstettner berichtete von
der Anbringung einer Gedenk- und Namenstafel am Loibl, die 2005 durch
die Republik Polen angefertigt wurde. "Die Naziverbrechen sind auch
unsere Geschichte, unsere dunkle Vergangenheit", mahnte Gstettner,
der die Orte des Leidens und Sterbens der KZ-Opfer würdig gestalten
und ins Bewusstsein des Landes bringen wolle. Diese Erinnerungs- und
Trauerarbeit würde auch dem Ruf des Landes guttun.

Die Laudatio für den 80-jährigen Konarzewski, der 1972 nach
Österreich kam, hielt Andrzej Lech. Konarzewski habe in Klagenfurt
für Porsche und eine Versicherung gearbeitet und auch eine Tankstelle
als Pächter betrieben. Diese "polnische Tankstelle" sei Anlaufstelle
für Polen gewesen, die nach Österreich gekommen seien. Dort hätten
sie moralische und finanzielle Unterstützung bekommen, Konarzewski
habe auch bei Amtswegen als Dolmetscher fungiert. Der Geehrte habe
dann den "Klub Sobiesksi" gegründet. Lech verwies auf die
Organisation von Polentreffen in Österreich oder von Auftritten
polnischer Künstler in Klagenfurt. Der Verein betreue zudem Gräber
polnischer Kriegsopfer, die Gedenkstätte am Loibl oder das
legendenumwobene Grabmal des Polenkönigs Boleslaus im Stift Ossiach.

Konarzewski dankte für die Auszeichnung. Seine erste Reaktion sei
gewesen: "Warum ich?" Es gebe so viele andere, die diese Ehre
verdienen würden, er nehme sie auch in deren Namen an.

Der Landeshauptmann überreichte Blumen an die Ehefrauen der
Geehrten, Irmgard Gstettner und Magdalena Konarzewski. Bei der
Feierstunde konnte er unter anderem seine Regierungskollegen LR
Wolfgang Waldner und LR Rolf Holub, die Landtagspräsidenten Reinhart
Rohr und Rudolf Schober, Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider
und Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz, Sylvia Gstättner
von der Wirtschaftskammer, Militärkommandant Brigadier Walter
Gitschthaler oder Sloweniens Generalkonsulin Dragica Urtelj begrüßen.
Für die musikalische Umrahmung sorgte Carmen Gaggl am Hackbrett. Sie
spielte Werke von Maria Constantina Voglerin und Johann Sebastian
Bach.

Vor der Verleihungsfeier führten der Landeshauptmann, Botschafter
Lorkowski und Honorarkonsul Albert Sammer ein kurzes Arbeitsgespräch.
Bei diesem waren auch Landtagspräsident Rohr und die Leiterin des
Kärntner Verbindungsbüros in Brüssel, Martina Rattinger, anwesend.
Kaiser war es wichtig, die Zusammenarbeit im Rahmen der
Baltisch-Adriatischen Achse und im Rahmen der EU anzusprechen.
Thematisiert wurden auch Wirtschaftsbeziehungen, Energie, Umwelt und
Sprachprojekte. In Kärnten leben laut dem Botschafter über 600 Polen.
Er möchte auch die kulturelle Zusammenarbeit verstärken, etwa im
nächsten Jahr, in dem sich Polen anlässlich der zehnjährigen EU- und
15-jährigen NATO-Mitgliedschaft präsentieren wolle. "Wir wollen die
neueste Geschichte Polen erzählen", so Lorkowski.
(Schluss)

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