- 18.09.2013, 11:42:58
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Nationalratswahl: Wechselbergers Bilanz und Ausblick zur Gesundheitspolitik (1)
Großprojekte unausgegoren - viele offene Fragen
Utl.: Großprojekte unausgegoren - viele offene Fragen =
Wien (OTS) - Eine kritische Bilanz über die ablaufende
Legislaturperiode zieht der Präsident der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, anlässlich der bevorstehenden
Nationalratswahl. In einem Ausblick markiert er die wesentlichen
gesundheitspolitischen Erfordernisse für die nächsten Jahre.
Die Bewertung des Ärztepräsidenten über die letzten fünf Jahre
Gesundheitspolitik fällt zurückhaltend aus.
Bekanntlich werden mit der Gesundheitsreform neue Begriffe wie Public
Health, Health in all Policies (Gesundheit in allen Politikfeldern),
Primärversorgung im Sinne von Primary Health Care und Behandlung am
Best Point of Service eingeführt. Zudem verspricht sie eine
Forcierung von Gesundheitsförderung und Prävention sowie eine
Orientierung an den Rahmen-Gesundheitszielen. Mit dieser Reform
sollen sowohl die seit Jahren angekündigte integrierte Versorgung
realisiert, als auch interdisziplinäre Versorgungsmodelle umgesetzt
werden. Dass mit all diesen Neuerungen auch Einsparungen von 3,6
Milliarden Euro verbunden sind und die Kostenentwicklung durch eine
Bindung an die Konjunktur gebremst werden soll, entspricht dem
Ausgangspunkt der Reform: dem Sparpaket, das die Republik im Frühjahr
2012 geschnürt hatte.
Unklar blieben laut dem Ärztepräsidenten die Folgen für die
Gesundheitsversorgung: Wo, wie und unter welchen Bedingungen werden
die Patienten künftig tatsächlich behandelt? Zusätzlich seien die vom
Gesundheitsminister gelobten neuen Zusammenarbeitsformen zur
Entlastung der Spitäler viel zu restriktiv, um die erhoffte
Entlastung der Spitäler zu bringen. Wie flexibel die angekündigten
neuen Zusammenarbeitsformen wirklich sein würden, um Akzeptanz bei
den Ärztinnen und Ärzten aber auch anderen Leistungsanbietern zu
finden, sei zurzeit ebenso offen, wie eine Reihe anderer Punkte: Etwa
die Frage nach dem Ressourcenverbrauch der neuen Steuerungsgremien
auf Bundes- und Landesebene. Weiters bleibe abzuwarten, wie effektiv
das "virtuelle Budget" seine sektorenübergreifende
Finanzierungsaufgabe erfüllen werde.
Den Gesundheitsakt ELGA hält der Ärztepräsident für "unausgegoren".
Unter den gegebenen Voraussetzungen sei ELGA für Ärzte nicht zu
administrieren und bleibe als Patienten-ELGA ein privates und
persönliches Nachschlagwerk für Laien. Ganz abgesehen von nach wie
vor bestehenden technischen, organisatorischen und rechtlichen
Bedenken.
Initiativen, die zur Sicherung der ärztlichen Versorgung vordringlich
wären, wie gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung des drohenden
Ärztemangels in Niederlassung und Spital, die Umsetzung des
Hausarztmodells oder attraktive Arbeitsbedingungen in den Spitälern
ließen auf sich warten. Offen sei weiter die Ausbildungsreform für
Allgemeinmedizin mit einer einjährigen, öffentlich finanzierten
Lehrpraxis. Auch reagiere die Politik bisher in keiner Weise auf den
strukturellen Wandel, der zwangsläufig mit der zunehmenden
Feminisierung des Arztberufs einhergehe, resümierte der
Ärztepräsident.
Sträflich vermisst wird auch die öffentliche Unterstützung der
österreichischen Universitäten. Wechselberger: "Den Tendenzen, in
medizinischen Universitäten nur eine Ausbildungsstätte für zukünftige
Ärzte zu sehen, muss ein Riegel vorgeschoben werden. Leistungsfähige
universitäre Forschungseinrichtungen garantieren, dass die
Österreicherinnen und Österreicher eine rasche Versorgung auf
neuestem wissenschaftlichen Stand erhalten." Zudem könnten sie
Ausgangspunkte für die Entwicklung von technologischen Clustern sein,
die praxisbezogene Produkte entwickeln, hochwertige Arbeitsplätze und
Wohlstand schaffen. (MS)
(Forts.)
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