- 16.09.2013, 21:28:32
- /
- OTS0220 OTW0220
TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 17. September 2013 von Peter Nindler - Schulblockade in den eigenen Reihen
INNSBRUCK (OTS) - Utl: Egal, wie man zur gemeinsamen Schule steht:
Marxistisch ist sie sicher nicht, schließlich funktioniert die
Gesamtschule im bürgerlich-konservativen Südtirol ganz gut.
Schulratspräsident Lintner konterkariert wieder einmal Günther
Platter.
Geht es um Bildungspolitik, geht es sofort um Reflexe - vor allem um
ideologische. Auch in Tirol, obwohl sich gerade der
ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter für eine Entfesselung in
Bildungsfragen ausgesprochen hat. Die gemeinsame Schule der Zehn- bis
14-Jährigen wäre nämlich so ein bildungspolitischer Befreiungsschlag,
der seit Jahren intensiv diskutiert wird. Die Sozialpartner haben
sich am Montag bei ihrem alljährlichen Gipfeltreffen in Bad Ischl
erneut für die Gesamtschule ausgesprochen, die schwarz-grüne
Landesregierung will zwei Schulversuche in Tirol starten: im
Zillertal und in Innsbruck. Schließlich zeigt der Vergleich mit
anderen Ländern, dass eine zu frühe Differenzierung und Einordnung in
starre Schulsysteme wie Hauptschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium
nicht mehr zeitgemäß ist. Bei den Bildungstests (PISA) schneiden wir
stets schlechter ab als die nordeuropäischen bzw. asiatischen Staaten
oder Südtirol. Dort heißt der Schulalltag aber längst Gesamtschule.
Einen (Schul-)Versuch wäre die gemeinsame Schule in Österreich
deshalb allemal wert. Also raus aus der ideologischen Bildungsdebatte
und hinein in Reformschritte. Doch dafür benötigt es Lokomotiven,
nicht Blockierer oder Bremser.
Die Botschaften von Landesschulratspräsident Hans Lintner sind
deshalb in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Mit seiner
Einschätzung, dass die Gesamtschule einem marxistischen Denken
entspricht, konterkariert er die Bemühungen von LH Günther Platter.
Aber wie glaubwürdig ist eine schwarz-grüne Landesregierung in der
Bildungspolitik, wenn einer der wichtigsten Partner für Reformen,
nämlich der Landesschulratspräsident, nicht nur ständig querschießt,
sondern jetzt auch noch die Marxismus-Keule schwingt?
Insgesamt, und das sollte nicht vergessen werden, befindet sich
Lintner mit seiner Kritik an der Gesamtschule jedoch in guter
Gesellschaft mit VP-Vizekanzler Michael Spindelegger und
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Was die Zielsetzung der
neuen Tiroler Landesregierung betrifft, sitzen die größten Kritiker
und Bremser deshalb nicht in den Oppositionsparteien, die sich
ebenfalls für eine Gesamtschule starkmachen, sondern in den eigenen
Reihen: in der ÖVP und im Landesschulrat. Um endlich Reformschritte
in der Bildungs-
politik setzen zu können, müssen erst wieder diese Blockaden
überwunden werden.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






