Skandalöse Stimmungsmache gegen kranke Arbeitnehmer

Sozialmissbrauchsfall der Wirtschaftskammer löst sich in Luft auf

Linz (OTS) - Knalleffekt im jüngsten angeblichen Sozialmissbrauchsfall der Wirtschaftskammer: Jener Arbeitnehmer, der während seines Krankenstandes mit der Familie in Italien war, hat sich völlig korrekt verhalten, wie die Stellungnahme der Gebietskrankenkasse (siehe Anhang) belegt! AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist empört: "Mit einem Fall, der keiner ist, verunglimpft die Wirtschaftskammer pauschal die Arbeitnehmer und macht Stimmung gegen Kranke."

Der Auslandsaufenthalt des betroffenen Arbeitnehmers erfolgte mit Bewilligung des behandelnden Facharztes und des Chefarztes der Gebietskrankenkasse. Deshalb wurde er nach seiner Rückkehr aus Italien auch keineswegs "zum Chefarzt zitiert", wie die Wirtschaftskammer behauptet hat. Vielmehr hat sich der Kranke selbst bei der Gebietskrankenkasse retour gemeldet.

Unschuldiger wurde als Sozialschmarotzer gebrandmarkt

Durch die reißerisch aufbereiteten Falschinformationen der Wirtschaftskammer wurde der betroffene Arbeitnehmer, obwohl völlig schuldlos, als Sozialschmarotzer gebrandmarkt und durch die Medien gezerrt. "Dem Kollegen wurde grobes Unrecht zugefügt", betont Kalliauer. "Da wir aus Datenschutzgründen keine personenbezogenen Daten erhalten, bitten wir ihn, sich bei uns zu melden - er hat selbstverständlich die uneingeschränkte Unterstützung der Arbeiterkammer!"

Wirtschaftskammer verbeißt sich in Null-Thema

Der angeprangerte Sozialmissbrauchsfall löst sich bei etwas näherer Betrachtung also in Luft auf. Tatsächlich ist die Debatte, die die Wirtschaftskammer immer wieder künstlich hochzieht, völlig überflüssig. Von den rund 833.000 Krankenstandsfällen in Jahr 2012 musste die Krankenkasse in nur 3600 Fällen - also rund 0,4 Prozent -kontrollieren, ob eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. In gar nur 0,09 Prozent aller Krankenstandsfälle kam es zu einer Verwarnung. "Das ist verschwindend wenig und die Kontrollen der Krankenkasse funktionieren. Da braucht es keine Zurufe der Wirtschaftskammer", stellt der AK-Präsident fest.

Während sich die Wirtschaftskammer hier in ein Null-Thema verbeißt, bleibt sie bei anderen Themen verdächtig ruhig. Da wären zum Beispiel die Leasingfirmen, die in Oberösterreich der Versichertengemeinschaft jährlich geschätzte 2,8 Millionen Euro aufbürden, indem sie kranke Mitarbeiter ab- und nach der Genesung wieder anmelden. Das Krankengeld muss die GKK zahlen, die Betriebe entledigen sich der Pflicht zur Lohnfortzahlung."

Sozialpartnerschaft gefährdet

Abschließend merkt der AK-Präsident an, dass die Wirtschaftskammer die Sozialpartnerschaft gefährdet, wenn sie so weitermacht. "Ich erwarte mir von Präsident Trauner eine Klarstellung und eine Aufklärung, warum Arbeitnehmer wider besseren Wissens immer wieder skandalisiert werden", sagt Kalliauer. "Wir müssen uns von der Wirtschaftskammer sagen lassen, dass wir mit dem 'Schwarzbuch' den Wirtschaftsstandort in ein schiefes Licht rücken würden. Im Gegensatz zur Wirtschaftskammer sind bei uns aber alle Fälle und Angaben bestens dokumentiert."

Stellungnahme der Gebietskrankenkasse:
"Der vorliegende Verdachtsfall wurde der OÖGKK gemeldet. Wir haben den Fall sofort geprüft. Der Krankenstand erwies sich dabei als berechtigt. Zudem hat sich der Versicherte an die Krankenordnung gehalten: Aufgrund des Krankheitsbildes war ein Ortswechsel im Krankenstand zulässig - das Ansuchen wurde daher vom behandelnden Facharzt des Patienten und auch vom Chefarzt der OÖGKK bewilligt. Ebenso hat sich der Versicherte ordnungsgemäß nach seinem Ortswechsel wieder zurück gemeldet. Generell gilt: Abhängig vom diagnostizierten Krankheitsbild bedeutet ein Krankenstand nicht automatisch Bettruhe. So dürfte - zum Beispiel - ein Opernsänger mit Stimmbandentzündung im Krankenstand durchaus wandern gehen. Allerdings müsste er sämtliche Tätigkeiten unterlassen, die eine Heilung seiner Krankheit, wegen der er arbeitsunfähig ist, behindern. Er dürfte also nicht laut schreien oder singen.Ähnlich differenziert ist z.B. auch bei den Krankheitsbildern Bandscheibenvorfall, Krebs oder Depression vorzugehen."

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