- 10.09.2013, 09:00:49
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Konjunkturwende in Österreich, Dynamik noch schwach
Wien (OTS/WIFO) - Während sich die Wirtschaft außerhalb Europas recht
unterschiedlich entwickelt, zeigen sich in der EU vermehrt Anzeichen
für ein Ende der Rezession. In Österreich deuten die
Unternehmensumfragen und der WIFO-Frühindikator ebenfalls auf eine
Verbesserung der Wirtschaftslage in naher Zukunft hin; bislang sind
die Wachstumsimpulse jedoch noch verhalten.
Die aktuellen Unternehmensumfragen des WIFO im Auftrag der
Europäischen Kommission zeigen eine Verbesserung der Erwartungen zur
künftigen Geschäftslage. Auch die aktuelle Entwicklung wird günstiger
beurteilt als zuletzt. Nach fünf Monaten der Stagnation stieg der
WIFO-Frühindikator im August deutlich; der Großteil der
Teilkomponenten erhöhte sich gegenüber den Vormonaten merklich.
Ein ähnliches Bild zeigen die Umfragen für Deutschland: Der
ifo-Geschäftsklimaindex hatte in den letzten Monaten weiter steigende
Tendenz, die Unternehmen beurteilen sowohl ihre Geschäftslage als
auch die Erwartungen für die Zukunft günstiger als zuletzt.
Die Wirtschaft der Schwellenländer, die bis vor kurzem die
Expansion der Weltwirtschaft getragen hatte, verlor hingegen deutlich
an Dynamik. In China verlangsamte sich das Wachstum seit 2010
erheblich, ähnlich in Indien, Brasilien und Russland. Dagegen ist die
Konjunktur in den USA anhaltend robust und zog in Japan dank
umfangreicher wirtschaftspolitischer Stimuli an.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website ( http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen )
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen )
Auch in Europa scheint der untere Konjunkturwendepunkt erreicht zu
sein. Im II. Quartal war im Euro-Raum erstmals seit fast zwei Jahren
wieder ein Wachstum zu verzeichnen (+0,3% gegenüber dem Vorquartal).
Es war vor allem auf die Entwicklung in Deutschland (+0,7%) und
Frankreich (+0,5%) zurückzuführen, während sich der Rückgang in
Spanien und Italien merklich verlangsamte. Außerordentlich kräftig
wuchs die portugiesische Wirtschaft nach einer lang andauernden
Rezession (+1,1%).
Im August stieg der Economic Sentiment Indicator der EU deutlich
um 2,7 Punkte auf einen Stand von 95,2 für den Euro-Raum bzw. um 3,1
Punkte auf 98,1 für die EU insgesamt. Er blieb damit nur wenig unter
der Schwelle von 100 Punkten, die dem langjährigen Durchschnitt
entspricht. Die Verbesserung beruhte auf breiter Basis - die größten
Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien
verzeichneten einen kräftigen Anstieg. Die Finanzmarktkrise ist in
der EU aber noch nicht überwunden: Viele Banken befinden sich
weiterhin in einer schwierigen Lage, und in einigen Ländern belasten
Strukturprobleme die Wirtschaft anhaltend. Die Aufwertung des Euro
gegenüber vielen wichtigen Währungen könnte zudem in weiterer Folge
den Export dämpfen.
Auch die österreichische Wirtschaft scheint den unteren
Konjunkturwendepunkt durchschritten zu haben, das BIP stieg im II.
Quartal gegenüber der Vorperiode neuerlich um 0,1%. Zwar sind die
Auftriebskräfte noch gering, doch sehen die Unternehmen die weitere
Entwicklung in den Umfragen optimistischer als zuvor.
Die bislang schleppende Wirtschaftsentwicklung belastet nach wie
vor den heimischen Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung wächst zwar, aber
anhaltend schwach (August +0,1% gegenüber dem Vormonat), und die
Arbeitslosigkeit steigt weiter. Zuletzt erhöhte sich die Zahl der
gemeldeten Arbeitslosen auf 263.100 (+4.100 gegenüber dem Vormonat
bzw. +30.400 gegenüber August 2012). Die saisonbereinigte
Arbeitslosenquote stieg damit auf 7,8%.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Definition der Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
9/2013!
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