Der Schuleröffnungs-Gottesdienst: Ausgrenzung und Unterdrückung mit staatlicher Unterstützung

Wien (OTS) - Kommenden Montag in Wien, Burgenland und Niederösterreich, eine Woche danach im Rest Österreichs: das neue Schuljahr beginnt. Erst richtig ERÖFFNET werden wird es jedoch vielerorts erst im Rahmen eines Eröffnungsgottesdienstes. Alljährlich füllen sich Kirchen trotz Gläubigerschwund, Austritten und Pfarrzusammenlegungen. Der öffentlichen Schule und einer mangelnden Gesetzgebung sei Dank.

Harmlos ist die heutzutage noch weitverbreitete Tradition keineswegs. Gesetzliche und soziale Faktoren sorgen gemeinsam dafür, dass, trotz theoretischer Abmeldungsmöglichkeit, anders- oder nichtgläubige Eltern unmittelbar nach Schulbeginn de facto gezwungen werden, am Gottesdienst mit ihren Kindern teilzunehmen. Denn niemand will ausgegrenzt werden und schon gar nicht sein Kind der Ausgrenzung aussetzen. Verschärft wird die Lage durch einen mangelhaften gesetzlichen Rahmen: Aufgrund der sachlich nicht begründbaren Ausnahme des Schulgottesdienstes von dem Anwendungsbereich der Schulveranstaltungsverordnung (SchVV) ist eine Schule nicht verpflichtet Kinder, die am Eröffnungsgottesdienst nicht teilnehmen, zu betreuen. Folglich werden Eltern gemäß §9 des Schulpflichtgesetzes gezwungen, ihre Kinder pünktlich VOR dem Gottesdienst in die Schule zu bringen nur um sich anschließend der Mehrheit zu fügen oder, als Outsider, in der leeren Schule das Ende des Gottesdienstes abzuwarten.

Aufgrund der gravierenden weltanschaulichen Diskriminierung, die mit dem Eröffnungsgottesdienst überwiegend in ländlichen öffentlichen Schulen oft einhergeht, fordern die "Initiative Religion ist Privatsache" und die SPÖ-nahe Schülervertretung "Aktion Kritischer Schüler_innen" (AKS) eine sofortige und lückenlose gesetzliche Regelung zum Schutz aller Eltern und Kinder und zur Wahrung ihrer Rechte. Für Initiative-Sprecher Eytan Reif haben Gottesdienste "in einer öffentlichen Schule während der regulären Schulzeit ohnehin nichts verloren und erst recht nicht, wenn sie dazu geeignet sind, nicht- bzw. andersgläubige Eltern oder Kinder zu verstören". Eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Eröffnungsgottesdienst ist für Reif zudem "nur eine Frage der Zeit". Laut Reif liegen der Meldestelle der "Initiative Religion ist Privatsache" bereits Beschwerden vor, die den "aufdringlichen Charakter des Schulgottesdienstes" in öffentlichen Schulen zum Gegenstand haben. Für AKS-Bundesvorsitzende Claudia Satler darf zudem die öffentliche Schule "nicht zum Ort der weltanschaulichen Ausgrenzung werden und religiöse Übungen, die die gesamte Schule umfassen, haben ausnahmslos vor oder nach der regulären Schulzeit stattzufinden".

Unterstützung erhält die Forderung nach einer Lösung des Schulgottesdienst-Problems seitens der Grünen Verfassungs- und Familiensprecherin NR Daniela Musiol. "Es gibt aus meiner Sicht überhaupt keinen Grund, warum der Schulgottesdienst nicht einfach vor dem offiziellen Schulbeginn stattfinden sollte", meint Musiol. "Damit wäre ein Schritt zur tatsächlichen Trennung von Kirche und Staat getan."

Margit Lemerhofer, die das Wiener GRG 15 "Auf der Schmelz" 22 Jahre geleitet hat, ortet "keinen nachvollziehbaren Grund, in öffentlichen Schulen Bildung und Religiosität künstlich zu vermengen". Lemerhofer hob hervor, dass während ihrer Amtszeit die Eröffnungsgottesdienste (wie an den meisten Wiener Gymnasien) stets vor Schulbeginn/Unterrichtsbeginn abgehalten wurden. Lemerhofer: " so konnte sowohl das Recht der einen auf freie Religionsausübung als auch das Recht der anderen, frei von Religion zu leben, bestens gewährleistet werden". DI Neslihan Turan-Berger, Stadtplanerin, Integrationsexpertin und Elternvereins-Vorstandsmitglied, hat ebenfalls kein Verständnis für einen Schulgottesdienst während der regulären Schulzeiten: "Die österreichische Verfassung gewährt jedem das Recht, sein Leben frei nach seiner Weltanschauung zu gestalten und an religiösen Übungen teilzunehmen. Es besteht daher kein Grund, Gottesdienste während der Schulzeit abzuhalten. Die Schulpflicht gibt es, um Kinder in den Genuss von Bildung zu bringen und nicht um diese, dank eines oft nicht zu unterschätzenden sozialen Drucks, in den Gottesdienst zu zerren. Ein neutralerer Umgang der öffentlichen Schule mit Traditionen und Weltanschauungen ist angesagt. In der Privatsphäre bestehen ohnehin genügend Möglichkeiten, unterschiedliche Traditionen auszuleben".

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