Leicht unterdurchschnittliche Weinernte mit 2,4 Mio. hl in Österreich erwartet

Pleil: Gute Qualität trotz schwierigem Witterungsverlauf

Wien (OTS) - Die heimische Weinernte wird heuer mit prognostizierten 2,4 Mio. hl das vierte Mal in Folge unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. "Wir erwarten für 2013 eine leicht unterdurchschnittliche Ernte mit sehr guten Qualitäten", teilte Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, heute in einem Pressegespräch mit. Trotz eines verzögerten Frühjahrs rechnet Pleil mit "wunderschöner Zuckerreife und solider Säure" bei Weißweinen und dunklen, kernigen Rotweinen. "Mengenmäßig schaut es beim Grünen Veltliner knapp aus", berichtete Pleil. Hier haben erhebliche Verrieselungsschäden (Befruchtungsprobleme) in manchen Gebieten die Ernte deutlich reduziert, weshalb der Präsident "leichte Preissteigerungen" für die Weinsorte erwartet. Im burgenländischen Seewinkel ist die Lese der Frühsorten, die vor allem für Sturm verwendet werden, bereits im Gange. Der Beginn der Hauptlese wird im Burgenland für Mitte September und in Niederösterreich und in der Steiermark für Anfang Oktober erwartet.

Der heurige Witterungsverlauf mit ungünstigen Bedingungen während der Blüte und langanhaltender Trockenheit bei sehr hohen Temperaturen bleibt auch bei der Weinernte nicht ohne Auswirkungen. Dennoch konnte trotz relativ späten Austriebs und schlechten Blühbedingungen der Vegetationsrückstand fast aufgeholt werden. Förderlich waren hierbei die gute Versorgung der Böden mit Winterfeuchte und teilweise die hohen Temperaturen während des Sommers. Andererseits haben vor allem Junganlagen und Weingärten mit sehr seichten durchlässigen Böden durch die langanhaltende Hitze und Trockenheit während des Sommers mittlerweile auch sehr stark gelitten. Der Wechsel von enormer Hitze zu nasskalter Witterung während der Blüte hat besonders in Gebieten entlang der Donau, wie Wachau, Kremstal und Kamptal, und in Teilen des westlichen Weinviertels beachtliche Befruchtungsprobleme (Verrieselung) verursacht. Hingegen waren die Niederschläge der letzten Tage für eine rasche Reifeentwicklung sehr wichtig.

Außerdem verursachte Hagel bis Ende August Schäden an Weinkulturen von rund EUR 5 Mio. Hingegen gab es im Vergleich zum historischen Frostjahr 2012 im heurigen Jahr keinen nennenswerten Frostschaden. (Anmerkung: Die tatsächlichen Hagelschäden im heimischen Agrarsektor sind höher als die Versicherungssumme, außerdem sind nicht alle Bauern hagelversichert.)

Neue GAP-Spielregeln für Weinbereich

"Die anfänglich von der EU angestrebte Liberalisierung der Weinpflanzrechte wurde abgewandt. Wir haben uns in den Verhandlungen auf EU-Ebene stark gemacht, dass das Ordnungssystem in der Weinwirtschaft aufrechterhalten bleibt und klare Spielregeln gelten", resümierte Pleil zu den künftigen Pflanzrechten. Konkret wird das derzeit bestehende Pflanzrechtsregime der EU in ein sogenanntes Autorisierungssystem umgewandelt. Dieses Modell wird ab 2016 umgesetzt und jedenfalls bis 2030 in Geltung bleiben.

Im Detail können Weinbaubetriebe, die zukünftig einen Weingarten roden, diesen innerhalb von drei Jahren wieder auspflanzen. Weinbaubetriebe, die eine neue zusätzliche Weinbaufläche anlegen wollen, brauchen dazu eine Autorisierung. Der Mitgliedstaat kann pro Jahr Autorisierungen bis maximal 1% der Weinbaufläche des Mitgliedslandes aussprechen - in Österreich entspricht das 450 ha jährlich. Diese bewilligten Auspflanzungen sind dann ebenfalls innerhalb von drei Jahren durchzuführen. Dem Mitgliedstaat werden Spielräume eingeräumt, auf welche Art und Weise diese Genehmigungen ausgesprochen werden können (zum Beispiel Bevorzugung von Hangflächen, Jungübernehmer, etc.). Die in den Mitgliedstaaten bestehenden ungenützten Pflanzrechte können ab 2016 innerhalb von fünf Jahren ebenfalls noch ausgepflanzt werden. "Die österreichische Weinwirtschaft kann mit dem neuen System sehr gut leben", erklärte Pleil.

Direktzahlungen für Wein möglich

In der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden auch Dauerkulturen, somit auch Weinbauflächen, in das Direktzahlungssystem der Landwirtschaft aufgenommen. "In Österreich werden die Mittel jährlich rund EUR 250,- je ha betragen", schätzte Pleil. Das Programm für die Integrierte Produktion Wein falle in der künftigen GAP aus und werde vom europaweiten Pflanzenschutz-Gesetz ersetzt, das laut Pleil keine wesentlichen Änderungen der bisher durchgeführten Auflagen und Umweltmaßnahmen mit sich bringt. Im zukünftigen ÖPUL gilt es für den Weinbau, die Bereiche Begrünung und Erosionsschutz in Weingärten zu regeln. Zusammenfassend hätten die Winzer keine gravierenden Veränderungen durch die Agrarreform zu erwarten, teilte Pleil mit.

Auch bei den Greening-Maßnahmen, die 30% der Direktzahlungsprämie auslösen, wäre nach einer schwierigen Diskussion - auf welche Art und Weise Dauerkulturen, wie der Wein, diese Auflagen erfüllen könnten -klargestellt worden, dass Dauerkulturen vom Nachweis ökologischer Vorrangflächen befreit sind. Derartige Flächen müssen nun nur für landwirtschaftliche Areale (ab 15 ha landwirtschaftliche Nutzfläche) ausgewiesen werden. Biobetriebe sind vom Nachweis ökologischer Vorrangflächen befreit.

Nationales Stützungsprogramm eingereicht

Im Bereich der nationalen Stützungsprogramme habe es im Rahmen der GAP-Reform-Verhandlungen laut Pleil keine gravierenden Divergenzen zwischen den Verhandlungsparteien gegeben. Österreich habe daher sein nationales Stützungsprogramm bereits vor einiger Zeit bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung vorgelegt. Wie bereits in der abgelaufenen Periode, liegt das Schwergewicht der Maßnahmen im eingereichten Förderungsprogramm auf der Umstellung von Weingärten, auf qualitativen Investitionen in die Weinverarbeitung und auf der Absatzförderung auf Drittlandsmärkten. In der Umstellung der Weingärten wird das Augenmerk zunehmend auf eine geringere Pflanzweite und niedrigere Erziehungsmethode mit Drahtsystemen für eine höhere Laubwand gelegt. Der früheste Termin, ab welchem die Winzer Anträge zu den Stützungsprogrammen einbringen können, ist der 16.10.2013.

Marketingbeitrag neu geregelt

Im Rahmen des neuen Einhebungssystems für Weinmarketingbeiträge wird anstelle des bisherigen Flächenbeitrages von EUR 55,- je ha bewirtschafteter Weingartenfläche und des Literbeitrags für die Handelsbetriebe generell ein Literbeitrag eingehoben. Zukünftig hat jeder Betrieb jeweils für seinen geernteten Wein und für seinen in Flaschen in Verkehr gebrachten Wein einen Marketingbeitrag zu leisten. Den Basisbeitrag bezahlt jeder Winzer, der pro Jahr mehr als 3.000 Liter erntet, auf Grundlage seiner Erntemeldung zum 30.11. Den Flaschenbeitrag zahlt jeder Betrieb für den in Verkehr gesetzten Flaschenwein auf Grundlage der Bestandsmeldung zum 31.07. Dazu zählt auch der in Verkehr gesetzte Perlwein und Schaumwein sowie auch die im Fass exportierte Menge Wein.

Ertragsregelung flexibel

Neben der Neuregelung der Weinmarketingbeiträge wurde im Weingesetz auch eine Flexibilisierung der Hektarhöchstertragsregelung beschlossen. Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft kann zukünftig mit Verordnung auf Antrag des Nationalen Weinkomitees die Hektarhöchstmenge für die Ernte eines Jahres um bis zu 20% senken oder erhöhen, falls dies die klimatischen oder weinwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für dieses Jahr erfordern.

In der nächsten Zeit wird sich der Österreichische Weinbauverband mit der Lagenabgrenzung - das bedeutet die Festlegung genauer Mappenpläne, aus denen ersichtlich ist, wo eine Riede beginnt und endet - beschäftigen. Außerdem wird ein Projekt zur Nachhaltigkeit im österreichischen Weinbau durchgeführt und schließlich soll die heimische Önologie-Ausbildung dem internationalen System angepasst werden, wie Pleil abschließend mitteilte.
(Schluss)

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