- 27.08.2013, 18:21:26
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DER STANDARD - Kommentar: "Showdown" von Birgit Baumann
Wulff vor Gericht. (Ausgabe vom 28.8.2013)
Utl.: Wulff vor Gericht. (Ausgabe vom 28.8.2013) =
Wien (OTS) - Es nimmt kein Ende. Der ehemalige deutsche
Bundespräsident Christian Wulff muss sich ab 1. November vor Gericht
verantworten. Es geht um den Verdacht der Vorteilsannahme in Höhe von
ein paar Hundert Euro in seiner Zeit als niedersächsischer
Ministerpräsident.
Ein Wahnsinn, rufen viele und fragen, ob die Justiz nichts Besseres
zu tun hat. Tatsächlich hat es seit 2012, als Wulff zurücktrat und
wie ein geprügelter Hund das Schloss Bellevue verließ, Ermittlungen
in 21 Fällen gegeben. 20 Vorwürfe der Bestechlichkeit lösten sich in
Luft auf, einer blieb übrig, und um den geht es nun vor Gericht.
Von einer übereifrigen Staatsanwaltschaft, die ein prominentes
Exempel statuieren wollte, war bald die Rede - erst recht, als Wulff
nach dem Amt auch noch die Ehefrau verlor und nur noch wie ein
Schatten seiner selbst durch seine Heimatstadt Hannover schlich.
Doch die juristische Aufarbeitung dieser Tragödie dauert eben ihre
Zeit. Verständlicherweise wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht
den Vorwurf gefallen lassen, sie drücke ausgerechnet bei einem hohen
Politiker ein Auge zu. Und das Gesetz gilt eben für jeden.
Jetzt wird es, weil weder die Staatsanwaltschaft noch Wulff selbst
lockerlassen wollten, zum Showdown vor Gericht kommen. Das ist ein
einmaliger Fall in der Geschichte der Bundesrepublik. Aber sie wird
daraus lernen und irgendwann auch Wulff seinen Frieden finden lassen.
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