• 26.08.2013, 10:50:43
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ZEITLOS ELEGANT: WIEN 1900 im MAK

MAK eröffnet Schausammlung zu Design / Kunstgewerbe 1890-1938 und präsentiert Ikonen des Kunsthandwerks in sinnlicher Nähe

Josef Hoffmann, Teeservice, Wien, 1903, Ausführung:
Wiener Werkstätte (Konrad Koch)

Utl.: MAK eröffnet Schausammlung zu Design / Kunstgewerbe 1890-1938
und präsentiert Ikonen des Kunsthandwerks in sinnlicher Nähe =

Wien (OTS) - Auf eine sinnliche Zeitreise in die ästhetische Eleganz
des epochalen Kunsthandwerks der Wiener Moderne lädt die permanente
MAK-Schausammlung "Wien 1900. Design / Kunstgewerbe 1890-1938", die
am 17. September 2013 eröffnet. In einer atmosphärisch dezenten
Gestaltung bereitet der Wiener Designer Michael Embacher etwa 500
Exponaten, die vom Kunsthistoriker und Kurator Christian Witt-Dörring
repräsentativ für das Wiener Kunstgewerbe der Zeit zwischen 1890 und
1938 ausgewählt wurden, eine adäquate Bühne. Die unverwechselbare
Qualität der MAK-Sammlung zur Wiener Moderne wird in diesem neuen
Herzstück des Museums in gebotener inhaltlicher Fülle für die
BesucherInnen unmittelbar erfahrbar.

Die MAK-Schausammlung "Wien 1900", die Objekte aus fünf Jahrzehnten
erstmals umfassend kultur- und kunsthistorisch aufarbeitet und die,
von Adolf Loos und Josef Hoffmann völlig konträr diskutierte, Rolle
von Kunstgewerbe und Design aufzeigt, widmet dieser prägenden
Kulturepoche als einer der wesentlichsten Inspirationsquellen für
zeitgenössisches Design deutlich mehr Raum als bisher. Als Auftakt zu
dieser Neugestaltung, die das MAK als internationales
Kompetenzzentrum für die Wiener Moderne profilieren soll, wurde von
November 2012 bis Juni 2013 in drei Räumen das inhaltliche Konzept
der MAK-Schausammlung "Wien 1900" präsentiert, das erstmals die
enorme Dichte der Bestände des MAK in diesem Bereich vor Augen
führte.

"Diese erste Präsentation hat uns überzeugt, dass die
Schausammlung "Wien 1900" eine vergleichbare Tiefe aufweisen muss, um
den Anspruch des MAK eines Kompetenzzentrums für die Wiener Moderne
erlebbar zu machen. Wir haben uns daher entschieden, einen
'angewandten' Künstler zur Gestaltung der Dauerpräsentation "Wien
1900" einzuladen. Wir haben in Michael Embacher, der bereits die
erste Stufe begleitete, den idealen Gestalter gefunden, um in enger
Zusammenarbeit mit Kurator Christian Witt-Dörring das Wiener
Kunstgewerbe 1890-1938 in einer dichten Erzählung in drei Räumen neu
zu vermitteln. Für Embacher stehen die gezeigten Objekte im
Mittelpunkt, die es in ihrer herausragenden Qualität, Eleganz und
Reichhaltigkeit erfahrbar zu machen gilt", erklärt MAK-Direktor
Christoph Thun-Hohenstein.

Analog zum kuratorischen Konzept legt die räumliche Gestaltung
ihren Fokus auf die Einzigartigkeit der Sammlungsobjekte. Das
Ausstellungsdisplay positioniert die Objekte auf zurückhaltenden,
großzügigen Plattformen, deren gestalterische Präsenz mehr auf Dezenz
als auf Inszenierung setzt. Ausstellungsdesigner Michael Embacher:
"Ziel war, das Kunsthandwerk in einer sinnlichen
Ausstellungsarchitektur zu präsentieren, die sich mit einer
selbstverständlichen Formen- und Materialsprache in die
Räumlichkeiten des Museums einfügt. Hochwertige Materialien in
aufwendiger handwerklicher Verarbeitung und eine dezente Behandlung
der räumlichen Oberflächen bieten den Objekten eine zurückhaltende
Hülle, die als atmosphärischer Hintergrund wahrgenommen wird."

Durch inhaltliche Gruppierungen zahlreicher Sammlungsobjekte zu
kohärenten Themenmodulen wird eine großzügige Form der
"Zurschaustellung" geschaffen. Die neuen Präsentationsinseln greifen
auf klassische Formen der Ausstellungsgestaltung zurück und
unterstreichen die Weitläufigkeit der musealen Räumlichkeiten. Die
unverwechselbare Eleganz der Sammlung wird in die historischen Säle
des Museums eingebettet, wobei die Ausstellungsarchitektur als
holistisches Bindeglied in Erscheinung tritt.

In einer höchst anspruchsvollen kuratorischen Herangehensweise
gelingt es Christian Witt-Dörring, die kulturelle Signifikanz der
Ausstellungsobjekte und die zukunftsträchtige Bedeutung des Wiener
Kunstgewerbes um 1900 herauszustreichen. Er konzentriert sich dabei,
in enger Zusammenarbeit mit den KustodInnen des Hauses, auf drei
wesentliche Bereiche der Wiener Moderne. Chronologisch an erster
Stelle steht die Überwindung des Historismus auf der Suche nach einem
modernen österreichischen Stil in den Jahren 1890-1900. Beginnend mit
Otto Wagners Propagierung eines modernen Nutzstils, kommen die vom
westlichen Ausland und von Japan inspirierten Secessionisten mit
ihrer Forderung nach dem Gesamtkunstwerk zu Wort. Dieser
Themenbereich schließt mit der anti-secessionistischen Gegenbewegung
von Adolf Loos und seinem Ruf nach dem "modernen Menschen".

Als zweiten wesentlichen Schwerpunkt geht Witt-Dörring der
Entwicklung eines eigenen österreichischen Stils nach: Von
KünstlerInnen der Wiener Kunstgewerbeschule und der Wiener Werkstätte
auf Basis des von den Secessionisten initiierten,
formal-stilistischen Konzepts der Moderne angestrebt, ist dieser in
Wahrheit ein Wiener Stil. Die ausgestellten Objekte dokumentieren die
markante stilistische Zäsur, die ab 1897 durch die Bemühungen der
Secession um einen eigenen österreichischen Stil herbeigeführt wurde.
Basierend auf Koloman Mosers japanisch beeinflusster Flächenkunst,
dem klassizistischen Erbe des Biedermeier und der heimischen
Volkskunst, wurde dieser neue Stil erstmals 1900, in der 8.
Ausstellung der Secession, dem Publikum vorgestellt. Das hier
ausgestellte Spektrum reicht von den frühen, provokant
geometrisch-abstrakten Formen der Wiener Werkstätte über die 1906/07
einsetzende, von klassizistischen Elementen und einer raffinierten
vegetabilen Ornamentkultur beherrschte Formensprache bis hin zu den
Rokoko-affinen, atektonischen Kreationen Dagobert Peches.

Der dritte Schwerpunkt ist der Entwicklung vom Wiener Stil zum
Internationalen Stil gewidmet. Datiert vom Ersten Weltkrieg bis zur
Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich, zeigen die
Ausstellungsstücke auf, wohin die Suche nach einem modernen Stil in
Wien führt. Auch hier werden im Sinne einer tief gehenden
Kontextualisierung Wiener Produkten, unter anderem von Josef Frank
und Oskar Strnad, internationale Objekte der De-Stijl-Bewegung und
des Bauhauses gegenübergestellt.

Die neuen Schausammlungsräume "Wien 1900. Design / Kunstgewerbe
1890-1938" bilden einen unentbehrlichen Eckpfeiler für das neue,
breitere Verständnis der Entwicklung einer zentraleuropäischen
Moderne, im Austausch zwischen Wien, den Metropolen Europas, den USA
und den Kronländern der k. u k. Monarchie: Die kreative
wechselseitige Beeinflussung zwischen Wien, Böhmen und Mähren, die
schon im Historismus begonnen hatte, war auch in der Wiener Moderne
des Secessionismus und Jugendstils fruchtbringend: Begabte
AbsolventInnen der Wiener Lehrinstitutionen - u. a. Josef Hoffmann,
Leopold Bauer, Joseph Maria Olbrich, Jan Kotera - aus Böhmen, Mähren
und Schlesien wurden nach ihrer Ausbildung zu ArchitektInnen und
EntwerferInnen für die Kunstindustrie, die nicht nur in Wien, sondern
auch in ihrer Heimat eine bedeutsame Rolle bei der Verbreitung des
modernen Gestaltens spielten. Auf dieser Basis konnte die "Wiener
Moderne" zum Begriff werden.

Das MAK trägt diesen neuen Ansatz auch nach außen: Mit
Unterstützung der EU entwickelt es in den kommenden Jahren unter dem
Titel "Spuren" eine zentraleuropäische Kulturroute zwischen Wien und
Brünn. Diese führt entlang der maßgeblichsten Bauten der Moderne und
beinhaltet Orte mit Bedeutung für das Wiener Geistesleben um 1900.
Das MAK nutzt dabei seine seit 2006 bestehende Kooperation mit der
Mährischen Galerie im Josef Hoffmann Museum, um den Großraum Böhmen
und Mähren-Niederösterreich-Wien als einflussreichen Impulsgeber der
Moderne wieder bewusst zu machen.

Die in Los Angeles lebende Künstlerin Pae White, mit der Gespräche
über eine künstlerische Intervention geführt wurden, hat in den
Prozess der Neugestaltung "Wien 1900" wichtige Impulse eingebracht.
In der von ihr im Rahmen der ersten Stufe "Wien 1900" kuratierten und
gestalteten Ausstellung "Darüber Hinaus" behandelte sie Werke, die
nicht eindeutig kategorisierbar sind und in der MAK-Sammlung wenig
beleuchtet werden. White wird im Oktober 2013 eine neue Serie von
Gegenwartskunstausstellungen eröffnen, in denen - in unmittelbarer
räumlicher Nähe zur permanenten Schausammlung - das Thema "Wien 1900"
in aktuellen Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen reflektiert
wird. Ihre Ausstellung "ORLLEGRO" (MAK-Schausammlung Gegenwartskunst,
9.10.2103-12.10.2014) wird vielfältige Dialoge mit Kunstgewerbe und
Design um 1900 ermöglichen.

Anlässlich der Neuaufstellung "Wien 1900" erscheint die
Publikation MAK/GUIDE WIEN 1900. Design / Kunstgewerbe 1890-1938
herausgegeben von Christoph Thun-Hohenstein, mit Beiträgen von
Rainald Franz, Sebastian Hackenschmidt, Barbara Karl, Peter Klinger,
Kathrin Pokorny-Nagel, Elisabeth Schmuttermeier, Christoph
Thun-Hohenstein, Johannes Wieninger und Christian Witt-Dörring,
deutsch/englisch, ca. 200 Seiten mit rund 100 Farbabbildungen, MAK
Wien / Prestel Verlag, München 2013. Erhältlich im MAK Design Shop um
Euro 9,90.

Presseunterlagen und Pressebilder stehen unter MAK.at/presse zum
Download bereit.

PRESSEDATEN:

Pressekonferenz: Montag, 16. September 2013, 10:30 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 17. September 2013, 19:00 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Schausammlung "WIEN 1900", MAK, Stubenring 5,
1010 Wien
Ausstellungsdauer: permanent
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr.
Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
Kurator: Christian Witt-Dörring
Gestaltung: EMBACHER/CO
MAK-Eintritt: Euro 7,90 / ermäßigt Euro 5,50 / Familienkarte Euro 11
/ Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

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