• 21.08.2013, 10:36:36
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"Vom Lehrling zum Master" - Berufsakademie soll berufliche Aus- und Weiterbildung auf Hochschulebene ermöglichen

WKÖ-Generalsekretärin Hochhauser: "Wenn den Lehrlingen alle Wege des Bildungssystems offen stehen, profitieren auch unsere Betriebe"

Utl.: WKÖ-Generalsekretärin Hochhauser: "Wenn den Lehrlingen alle
Wege des Bildungssystems offen stehen, profitieren auch unsere
Betriebe" =

Alpbach (OTS/PWK580) - In einer Welt des globalen Wettbewerbs und
schnellen technologischen Fortschritts ist es unerlässlich,
Arbeitskräfte bestmöglich auszubilden. Einige europäische Länder
haben höhere berufsbildende Systeme entwickelt, die Fachkräften eine
"hochschulische Ausbildung", die auf höhere berufliche Positionen
vorbereitet, ermöglichen. In Österreich wird das große Potential
dieser Systeme, die das traditionelle Hochschulwesen ergänzen, noch
nicht ausgenützt. Im Rahmen der Alpbacher Perspektiven 2013 wurde im
Arbeitskreis "Höhere Berufsbildung in Europa: Wie kommen wir voran?"
diskutiert, ob bestehende Modelle nach Österreich übertragen werden
könnten, um unser Bildungssystem flexibler zu machen.

"Dank der bedarfsnahen und praxisorientierten dualen Ausbildung
verfügen Österreichs Unternehmen über hervorragend ausgebildete
Fachkräfte. Die heimischen Betriebe sind Ausbildungsweltmeister und
unser Land hat nicht zuletzt aufgrund dieses positiven
Standortfaktors die Wirtschaftskrise besser überstanden als andere
Länder", betonte WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser.
Wegen der demografischen Entwicklung und des Trends zu höherer
Bildung sei aber zu befürchten, dass sich die Zahl der Lehrlinge in
Zukunft signifikant verringert und Österreichs Wirtschaft ein
Fachkräftemangel droht. "Die Zahl der Lehranfänger droht in den
nächsten Jahren von derzeit fast 40.000 auf 24.000 abzusinken. Der
Wirtschaftsstandort ist dadurch ernsthaft in Gefahr. Daher muss die
Berufsbildung in Österreich weiterhin attraktiv bleiben und gestärkt
werden. Es bedarf auch einer Weiterentwicklung im hochschulischen
Bildungssektor, wie es das Konzept 'Berufsakademie' der
Wirtschaftskammer vorsieht", so Hochhauser.
Ziel der Berufsakademie ist, beruflich Qualifizierten und
LehrabsolventInnen die Durchlässigkeit zu Weiterbildung auf
Hochschulebene zu ermöglichen. Das Studium soll vier Semester dauern
und berufsbegleitend angeboten werden. Durch die Kooperation einer
Fachhochschule der Wirtschaft mit den WIFIs soll für Lehrabsolventen
flächendeckend die Chance geschaffen werden, direkt vor Ort ohne
lange Anfahrtswege studieren zu können. Befragungen und Studien haben
ergeben, dass ein Potential von jährlich 5.000 bis 6.000 Studierenden
besteht. "Das Studium an der Berufsakademie soll privat finanziert
werden und den Staat nicht belasten", skizzierte die
WKÖ-Generalsekretärin die Vorteile: "Bereits 2014 soll der erste
Lehrgang der Berufsakademie starten, langfristig verfolgen wir
weiterhin die Forderung eines weiterführenden Bachelor- und
Masterstudiums."

"Österreich hat traditionell ein wenig durchlässiges
Bildungssystem, in dem die abgebende und nicht die aufnehmende
Institution entscheidet, welcher Bildungsweg dem Studierenden offen
steht", betonte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Hier sei
eine Bewusstseinsänderung nötig, ein Kulturwandel sei bereits im
Gange, aber noch nicht weit gediehen. Weiters sprach sich auch
Töchterle dafür aus, das Image der Lehre "werthaltiger" zu machen.
"Allerdings schafft ein Fünftel der Lehrlinge den Lehrabschluss
nicht, weil die Grundkompetenzen fehlen. Um dieses Fünftel müssen wir
uns bemühen, damit sie die nötigen Fähigkeiten im Schreiben, Lesen
und Rechnen erreichen", zeigte sich der Wissenschaftsminister
besorgt, aber auch zuversichtlich, "dass die Lehrerbildung Neu hier
einiges bewirken wird."
Gegenüber dem Modell der Berufsakademie, wie von Hochhauser
vorgeschlagen, zeigte sich Töchterle aufgeschlossen. Die
Arbeitsgruppe im Ministerium, in der sowohl Hochschulvertreter als
auch Sozialpartner vertreten sind, sei allerdings noch zu keinem
positiven Ergebnis gekommen. Für ihn sei das Thema jedenfalls noch
nicht abgehakt, bekräftigte der Wissenschaftsminister und versprach,
sich in weiteren Sitzungen der Arbeitsgruppe persönlich einzubringen.

"Im österreichischen System gibt es tolle Ausbildungsmodule, wir
stehen nicht schlecht da, könnten aber die Allerbesten sein. Die
Voraussetzungen dafür hätten wir", betonte SPAR AG-Vorstand Friedrich
Poppmeier: "Auch für die Lehrabsolventen bei SPAR gilt:
Professionelle Ausbildung ist ein wirtschaftlicher Schlüsselfaktor.
Unsere Lehrlinge müssen sich weiterbilden und ein Kundenverständnis
entwickeln, um im Unternehmen aufsteigen zu können." Der Bedarf für
eine Einrichtung wie die Berufsakademie und ein Masterstudium
Handelsmanagement sei, so Poppmeier, jedenfalls da. Im Sinne einer
optimalen Work/Life-Balance sei es auch wünschenswert, wenn sich gut
ausgebildete Mitarbeiter weiter entwickeln und die Fähigkeiten
erwerben, um im Laufe ihres Arbeitslebens verschiedene Aufgaben im
Unternehmen zu übernehmen.

Landmaschinentechniker Helmut Scheidl, Goldmedaillen-Gewinner bei
der Berufs-Europameisterschaft 2012 und im Alter von 24 bereits mit
dem Meisterbrief ausgestattet, zeigte sich begeistert von der Idee,
dass Lehrabsolventen, die einen Beruf "von der Pike auf gelernt
haben", jederzeit auch akademische Wege offen stehen, um sich
beruflich weiter zu entwickeln. (TB)

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