- 09.08.2013, 08:51:53
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Bildungspflicht bringt nichts: AK fordert frühe und individuelle Förderung in Kindergarten und Schule
Linz (OTS) - Allein in Oberösterreich fallen jährlich rund 3500 junge
Menschen ohne Schul- oder Lehrabschluss aus dem Ausbildungssystem.
Jahr für Jahr scheidet ein Fünftel eines Altersjahrgangs mit maximal
Pflichtschulabschluss aus dem Bildungssystem aus. Das ist aber
keineswegs nur ein Problem von Kindern mit Migrationshintergrund,
sondern vielmehr ein Indiz für die groben Mängel im Schulsystem. Die
Forderung nach einer "Bildungspflicht bis 18" greift daher viel zu
kurz.
"In einer reichen Volkswirtschaft wie der unseren darf kein
Jugendlicher ohne Schul- oder Lehrabschluss bleiben. Dafür müssen wir
alles tun. Aber eine Bildungspflicht bis 18, das ist mehr vom Selben,
nur länger - eine rein kosmetische Maßnahme, die gar nichts bringt,
sondern eher die Probleme verschärft", kritisiert AK-Präsident Dr.
Johann Kalliauer. Vielmehr geht es darum, ein qualitätsvolles
Bildungsfundament für alle zu schaffen. Und damit muss rechtzeitig
begonnen werden, nämlich bereits vor der Schule. Daher fordert die AK
Oberösterreich massive Investitionen in frühe Bildung.
Soziale Herkunftseffekte müssen möglichst gut ausgeglichen werden
- durch umfassende individuelle kindgerechte Förderung für alle im
Kindergarten. Es geht dabei nicht nur um sprachliche Förderung,
sondern auch um ein soziales Miteinander, um spielerisches Lernen.
Dafür sind mehr personelle Ressourcen, akademisch ausgebildete
Frühpädagogen/-innen und speziell ausgebildete Fachkräfte für die
Sprachförderung nötig. Wichtig ist die Schaffung von bundesweit
einheitlichen verbindlichen Qualitätsstandards.
Neben der frühen Bildung muss auch die individuelle Förderung in
der Schule ausgebaut werden, damit unsere Schule wie in vielen
anderen Ländern mehr Spitzenleistungen und weniger Risikogruppen mit
Mängeln in den Kernkompetenzen schafft. Anstatt der unnötigen frühen
Selektion im Alter von zehn Jahren, also der Trennung in Hauptschule,
Neue Mittelschule und Gymnasium, wäre eine gemeinsame Schule mit
individueller Förderung viel sinnvoller - und zwar sowohl für die
besseren als auch für die schwächeren Schüler/-innen. Eine
individuell maßgeschneiderte Schule braucht aber auch mehr Zeit.
Phasen des Unterrichts, des Lernens und der Erholung und Freizeit
sollten über den ganzen Tag verteilt sein.
"Frühe Förderung im Kindergarten und gezielte individuelle
Förderung werden Bildungsungleichheit abbauen und auch dem
Leistungsniveau aller Schülerinnen und Schüler gut tun. Entscheidend
ist es, in die Qualität der Bildungsangebote zu investieren. Die
bisherigen Mängel aber zu ignorieren und nur eine Bildungspflicht bis
18 einzuführen, bringt gar nichts", ist Präsident Kalliauer
überzeugt.
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