• 05.08.2013, 11:25:15
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  • OTS0061 OTW0061

Faktoren einer erfolgreichen Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen

Wien (OTS) - Die KMU Forschung Austria hat im Auftrag der
Europäischen Kommission die Bedingungen der Umsetzung von öffentlich
geförderten Forschungsprojekten in kommerziell erfolgreiche Produkte
und Dienstleistungen analysiert.

Das Ziel der im Mai 2013 abgeschlossenen Studie war es, zu
analysieren, wie und unter welchen Bedingungen eine erfolgreiche
Vermarktung von Forschungsprojekten im Bereich der Nanotechnologie,
neuen Materialien und neuen Produktionsprozesse gelingen kann. Zu
diesem Zweck hat das internationale ForscherInnenteam unter der
Leitung der KMU Forschung Austria mehr als 40 mit Mitteln der
Europäischen Forschungsrahmenprogramme geförderte Projekte im Detail
untersucht.

In dem nun veröffentlichten Endbericht verdeutlichen die
ForscherInnen, dass die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen
in der Realität noch weitaus komplexer ist als angenommen. Mehr als
50 miteinander verknüpfte Faktoren haben demnach Einfluss darauf, ob
aus einem Forschungsprojekt ein am Markt erfolgreiches Produkt bzw.
eine Dienstleistung wird oder nicht. Die zentrale Erkenntnis ist,
dass die direkte und unmittelbare Entwicklung kommerziell
erfolgreicher Produkte und Dienstleistungen aus Forschungsprojekten
eher eine Ausnahme bildet und in den allermeisten Fällen ein sehr
hoher zusätzlicher Aufwand auf Seiten der Unternehmen hierfür
notwendig ist.

Dieser Aufwand umfasst vor allem die wissenschaftlich-technische
Weiterentwicklung der Forschungsergebnisse hin zu marktfähigen
Produkten oder Dienstleistungen. Die entsprechende time-to-market
verlängert sich dabei oftmals deutlich über die ursprüngliche
Projektlaufzeit hinaus und die intelligente Integration von
Ergebnissen anderer Forschungs- und Innovationsprojekte ist
unabdingbar. Dies wiederum bedeutet häufig eine Verzögerung des
vorgesehenen return-on-investments, was vor allem für kleine und
mittelgroße Unternehmen ein potenzielles Handicap und hohes
finanzielles Risiko darstellt und einer erfolgreich abgeschlossenen
Kommerzialisierung im Wege stehen kann.

Darüber hinaus konnten die Analysen zeigen, dass in vielen Fällen
die Notwendigkeit begleitender Organisationsentwicklung oftmals
unterschätzt wird. Innovationen, zumal solche radikaler Natur, sind
teilweise nicht im Rahmen der bestehenden Organisationsstruktur
erfolgreich zu verwerten, da sie in bestimmten Fällen außerhalb der
technologischen Kernkompetenz der beteiligten Unternehmen liegen,
wobei sie nichtsdestotrotz kommerziell relevant sind. Jene
Unternehmen, die darauf mit organisatorischen bzw. strategischen
Anpassungen reagieren (z.B. durch die Schaffung neuer
Organisationseinheiten innerhalb oder sogar außerhalb bestehender
Strukturen, etwa durch Ausgründung) sind deutlich erfolgreicher als
jene, die dies nicht tun.

Ein weiteres Merkmal der erfolgreichen Kommerzialisierung von
Forschungsergebnissen ist die umfassende Einbindung potenzieller
Interessenten (d.h. Kunden), die bereit sind, in einer frühen Phase
der Technologieentwicklung zu investieren bzw. sich die Nutzung eines
noch zu entwickelnden Endproduktes zu sichern. Dies gelingt in aller
Regel durch die Zusammenarbeit mit solchen Kunden bereits in der
eigentlichen Forschungsphase und die Ausrichtung der
Forschungsarbeiten an deren Bedarf und Interessen. Allerdings laufen
Unternehmen durch diese frühzeitige Einbindung auch Gefahr,
alternative oder zusätzliche Anwendungs- und
Kommerzialisierungsmöglichkeiten auszuschließen bzw. zu versäumen.
Das Rezept für eine erfolgreiche Kommerzialisierung enthält daher
immer ein strategisches, intelligentes Nebeneinander von
Kundenorientierung einerseits und Offenheit für die technologischen
und Vermarktungsmöglichkeiten andererseits.

Nahezu unabhängig von anderen Faktoren entscheidet jedoch
letztlich immer die tatsächliche Nachfrage über den kommerziellen
Erfolg eines Forschungsprojekts. Forschungstreibende Unternehmen sind
dieser allerdings nicht vollkommen ausgeliefert! So sind Unternehmen
immer dann besonders erfolgreich bei der Kommerzialisierung ihrer
Forschungsergebnisse, wenn sie hinsichtlich potenzieller Märkte
flexibel bleiben, über alternative Vermarktungsstrategien verfügen
(z.B. die Vermarktung von Komponenten anstelle Systemen) und wenn sie
in der Lage sind, ihre Forschungs- und Innovationsaktivitäten mit den
mittel- bis langfristigen Investitionszyklen ihrer Kunden
abzugleichen. Erfolgreich am Markt sind also nicht immer die
schnellsten, sondern diejenigen mit dem besten Timing!

Der Endbericht steht unter folgendem Link zum Download bereit:
http://www.ots.at/redirect/industrialtechnologies

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