- 25.07.2013, 19:42:05
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 26. Juli 2013; Leitartikel von Wolfgang Sablatnig: "Lehrers Liebkind macht Probleme"
Innsbruck (OTS) - Utl: Beim Bildungssystem besteht dringender
Handlungsbedarf. Das zeigen nicht nur schlechte Ergebnisse, sondern
auch unverständliche wie die neue Studie über den schwachen
Zusammenhang zwischen Schulnoten und Leistung.
Die Erfahrung ist so alt wie das Schulsystem. Wer dem Lehrer oder
der Lehrerin besser zu Gesicht steht, darf mit besseren Noten
rechnen. Dank einer Sonderauswertung der OECD zum PISA-Test 2009
lässt sich dieser "Liebkind"-Effekt nun auch wissenschaftlich
festmachen: Mädchen werden - zumindest in Deutsch - im Durchschnitt
besser benotet als Burschen. Schüler aus "sozioökonomisch
begünstigten" Familien - mit mehr Einkommen, "besserem" Beruf und
"besserem" Wohnort - werden ebenfalls besser benotet.
Gerade die Schulnoten spielen im österreichischen Schulsystem
aber eine entscheidende Rolle. Solange das differenzierte Schulsystem
besteht, entscheiden die Noten über die Schullaufbahn.
Erst bei der Matura sollen künftig einheitliche Standards gelten,
die eine Note aus einem Tiroler Gymnasium mit der einer Wiener AHS
vergleichbar machen. Warum auch nicht? An der Uni treffen die
Studierenden aus dem Zillertal und aus Hietzing ja auch aufeinander.
In den unteren Schulstufen bewertet und benotet aber jeder
Pädagoge für sich. Auch die Tests der Bildungsstandards, auf die
Unterrichtsministerin Claudia Schmied so viel Herzblut verwendet hat,
sind ausdrücklich nicht dafür gedacht, die Lehrerinnen und Lehrer bei
der Notenvergabe zu unterstützen.
Die nächste Regierung wird gefordert sein, auch in dieser Frage eine
intelligente Antwort zu finden, die das schulische Fortkommen eines
Kindes zwar von der Einschätzung der Pädagogen abhängig macht, die
Jahre mit ihm gearbeitet haben und es kennen, die aber auch objektive
und vergleichbare Elemente beinhaltet.
Möglich werden intelligente Lösungen aber nur, wenn es eine neue
Regierung schafft, Schulfragen endlich ohne ideologische Fixierungen
zu verhandeln. Das Ziel müssen optimale Bedingungen für alle Kinder
und Jugendliche sein, egal wie die Schule dann heißt, egal wessen
(partei-)politisches Liebkind die Lehrer sind.
Die Koalition hat in den vergangenen fünf Jahren Fortschritte in
der Bildungspolitik erzielt, von der Neuen Mittelschule bis zur
Lehrerausbildung. Was fehlt, sind aber grundlegende Entscheidungen,
die nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit wieder in Frage
gestellt werden.
Nur so kann das Bildungssystem positiv weiterentwickelt werden -
nicht als Selbstzweck, sondern im Interesse der Kinder- und
Jugendlichen und des gesamten Landes.
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