- 24.07.2013, 20:57:22
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 25. Juli 2013; Leitartikel von Alois Vahrner: "Völlig energieloser Wettbewerb"
Innsbruck (OTS) - Utl: Was bei der Telekommunikation den Kunden
einen regelrechten Preisverfall bescherte, blieb im Energiebereich
bis heute aus: Trotz liberalisierter Märkte gibt es bei Treibstoff,
Strom oder Gas viel zu wenig Wettbewerb.
Zwei Liberalisierungen zweier zuvor monopolisierter Märkte mit
einer Zwischenbilanz wie Tag und Nacht: In der Telekommunikation,
früher Monopol der damals noch vereinten Post und Telekom, sind die
Preise nach der Marktöffnung tief nach unten gerasselt. Gerade im
Mobilfunk hat Österreich, obwohl wegen der Gebirgslandschaft alles
andere als billig zu erschließen, ein hervorragendes Netz und vor
allem Preise, die im europäischen Vergleich am untersten Ende liegen.
Dass die Gewinne der Unternehmen ebenfalls im unteren Drittel
anzusiedeln sind, freut die Eigentümer weniger. Es spricht aber für
den massiven Wettbewerb in der Branche.
Der fehlt hingegen im Energiebereich weitgehend. Der Strommarkt
wurde im Oktober 2001 freigegeben, der Gasmarkt ein Jahr später. Fast
zwölf Jahre später hat sich nicht allzu viel geändert: Noch immer
sind je nach Anbieter 85 bis 95 Prozent der Kunden an Bord der
früheren Monopolisten. Wechselten früher 60.000 Österreicher ihren
Lieferanten, so waren es im Vorjahr nur noch 40.000. Und das, obwohl
der Energie-Regulator E-Control seit Jahren den Wechsel zu günstigen
Strom- oder Gasanbietern bewirbt, weil dort 200 Euro und mehr an
jährlicher Ersparnis zu holen seien.
Woran liegt es, dass hierzulande maximal 1 Prozent der Kunden
wechseln, während es in anderen europäischen Ländern teils zehnmal so
viele sind? Das kann nur mit tatsächlich vorhandener oder zumindest
der Sorge vor zu viel Bürokratie zu tun haben - oder mit der Angst um
die Sicherheit der Versorgung. Und auch damit, dass sich die Strom-
und Gasanbieter gegenseitig kein Auge aushacken. Die Tiwag etwa, die
laut E-Control den neben Vorarlberg günstigsten Strompreis bietet,
buhlt nicht gerade offensiv in anderen Bundesländern um Kunden.
Konkurrenz aus dem Ausland brauchen Österreichs Anbieter nicht zu
fürchten: In Deutschland ist der Strompreis vor allem auch wegen der
sündteuren Ökozuschläge derzeit schon um satte 25 Prozent teurer.
Ziemlich ratlos ist die Politik auch, wie sie den Wettbewerb auf
dem Spritmarkt anheizen soll. Da hat man sich schon mit allerlei
letztlich untauglichen Methoden wie den "gläsernen Taschen" oder
"Gentlemen█s Agreements" versucht. Wirtschaftsminister Reinhold
Mitterlehner hat die politische Daumenschrauben mit eingefrorenen
Treibstoffpreisen an Reisewochenenden und dem Stopp für das frühere
tägliche mehrmalige Preis-Zickzack angezogen. Für echten Wettbewerb
wurde das Zaubermittel aber auch hier noch nicht gefunden.
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