Strahlentherapie: Ärztekammer warnt vor Unterversorgung

Standards schon jetzt nicht erreicht - 600 Patienten allein in Wien nicht versorgt

Wien (OTS) - Der Obmann der Bundesfachgruppe Strahlentherapie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Robert Hawliczek, warnt vor einem groben Versorgungsproblem bei der Strahlentherapie als einer zentralen Säule der Krebsbehandlung. Sollte beispielsweise die Ambulanz im AKH ihre Leistungen um bis zu 30 Prozent zurückfahren, würde das bedeuten, dass jährlich rund 600 Patientinnen und Patienten mehr auf schon jetzt endlosen Wartelisten landen. Aber auch in den anderen Bundesländern sei die Lage alles andere als rosig:
Österreichweit fehlten mindestens 18 Geräte, um Krebskranke nach westeuropäischem Standard versorgen zu können. "Das Angebot noch weiter auszudünnen, wäre grob fahrlässig und den Betroffenen gegenüber verantwortungslos", so Hawliczek am Samstag in einer Aussendung.
Die geplante - vorübergehende - Schließung der strahlentherapeutischen Ambulanz am Wiener AKH ist für Hawliczek "ein Paradebeispiel dafür, wie die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen die Versorgung verschlechtern. Die Maßnahme steht symptomatisch für Rationierungen und Leistungseinschränkungen, die uns im Zuge der Gesundheitsreform ereilen werden." Dennoch scheue die Politik nicht davor zurück, im Hinblick auf die Versorgungsqualität hemmungslos "Schönfärberei" zu betreiben. Tatsächlich entsprächen schon jetzt weder Kapazität noch Qualität westlichen Standards, dazu komme auch noch die Personalausdünnung an Universitäten. Vor allem im Wiener Raum sei das Versorgungsproblem massiv; die vorübergehende Schließung der AKH-Ambulanz und die im Anschluss geplante Leistungsreduktion um bis zu 30 Prozent würden die Situation weiter verschärfen. Hawliczek:
"Die Ambulanz müsste dann bis zu 600 Patientinnen und Patienten pro Jahr abweisen." Längere Wartezeiten seien unzumutbar, weil sie Krebspatienten unmittelbar gefährden. Es sei skurril, wenn die Erfolge der Frühdiagnose durch Therapieverzögerung wieder verspielt würden.
Die einzige Lösung des Dilemmas sieht der Experte in einer Aufstockung der Ressourcen. "Anders wird es nicht gehen. Der Bedarf steigt massiv. Wir brauchen dringend Fachkräfte und Linearbeschleuniger, also Geräte, um die Kranken zu behandeln. Andernfalls werden wir es nicht schaffen, quantitativ und qualitativ einen westeuropäischen Standard zu erreichen und den Krebspatienten das zu geben, was ihnen zusteht", betonte Hawliczek abschließend. (slv)

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