- 17.06.2013, 11:31:19
- /
- OTS0121 OTW0121
Wittgenstein-Preis 2013 an die Physikerin Ulrike Diebold
Neun Spitzen-NachwuchsforscherInnen in das prestigeträchtige START-Programm aufgenommen.

Utl.: Neun Spitzen-NachwuchsforscherInnen in das prestigeträchtige
START-Programm aufgenommen. =
Wien (OTS) - Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz
Töchterle, Jan Ziolkowski, Vorsitzender der Internationalen Jury für
das START-Programm und den Wittgenstein-Preis sowie FWF-Präsident
Christoph Kratky gaben heute im Rahmen einer gemeinsamen
Pressekonferenz die diesjährige Wittgenstein-Preisträgerin sowie die
neun dieses Jahr in das START-Programm aufgenommenen
NachwuchswissenschafterInnen bekannt. Insgesamt werden in den
kommenden fünf bzw. sechs Jahren den zehn ForscherInnen rund 12 Mio.
EUR für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stehen.
"Die Wittgenstein- und START-Preise stehen für Exzellenz und
verleihen der Spitzen-forschung im besten Sinn des Wortes ein
Gesicht. Ich freue mich über das vielfältige Spektrum, das auch heuer
durch die Preisträgerinnen und Preisträger abgedeckt wird",
gratulierte Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz
Töchterle. "Für die Nachwuchswissenschafterinnen und
Nachwuchswissenschafter bedeutet der START-Preis ein Sprungbrett, das
sie hoffentlich bestmöglich im Sinne ihrer eigenen Entfaltung als
auch der Stärkung ihrer Disziplin und des Standortes nutzen", so der
Minister.
"Neben dem Wittgenstein-Preis reflektiert insbesondere das
START-Programm die überaus positive Entwicklung österreichischer
Forschungsinstitutionen in den letzten Jahren. Noch nie zuvor gab es
ein so großes Feld hervorragender, junger WissenschafterInnen, das
sich um die Aufnahme in das START-Programm beworben hat. Wer auf so
eine Bewerbungslage blickt, dem muss um den Forschungsnachwuchs in
Österreich nicht bange sein", erklärte Christoph Kratky, Präsident
des Wissenschaftsfonds.
Bereits zum 18. Mal wurden heuer die START- und
Wittgenstein-Auszeichnungen vergeben. Der Kreis der im Rahmen dieser
Programme prämierten WissenschafterInnen wurde um zehn Personen
erweitert. Der Wittgenstein-Preis 2013 geht an Ulrike Diebold,
Professorin für Oberflächenphysik an der Technischen Universität
Wien.
Ulrike Diebold, geboren 1961 in Kapfenberg, promovierte im Jahr
1990 an der Technischen Universität Wien und ging danach für drei
Jahre an die Rutgers University, New Jersey, USA. Im Jahr 1993 wurde
sie an die Tulane University berufen, wo sie im Jahr 2001 zum Full
Professor ernannt wurde. Sie blieb an der Tulane University bis 2009,
unterbrochen von Forschungsaufenthalten, die sie unter anderem an die
Pacific Northwest National Laboratories, an das Fritz-Haber-Institut
der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, aber auch an die Princeton
University sowie an die Rutgers University führten. Der Kontakt zur
Technischen Universität Wien riss in all diesen Jahren allerdings nie
ab. Im Jahr 2010 wurde Ulrike Diebold an den Lehrstuhl für
Oberflächenphysik der Technischen Universität Wien berufen, wo sie
seither - neben einer Forschungsprofessur an der Tulane University -
forscht und lehrt.
Ulrike Diebold arbeitet im Schnittbereich von Physik und Chemie
und hat sich weltweit einen Namen als führende Expertin für
Oberflächen von Metalloxiden gemacht. Ihre Spezialität ist die
Anwendung von Rastertunnelmikroskopie (scanning tunneling microscopy,
STM) und Techniken der Oberflächenspektroskopie, um
Oberflächenstrukturen und molekulare Prozesse von Metalloxiden - bis
auf die Ebene einzelner Atome - zu beobachten, zu beschreiben und zu
verstehen. Ihr wissenschaftlicher Erfolg setzt sich im Wesentlichen
aus drei Komponenten zusammen: die von ihr ausgewählten Systeme, ihre
Fähigkeit, exakte und bahnbrechende Experimente durchzuführen, sowie
die Gabe, ihre wissenschaftlichen Teams zu Topleistungen zu führen.
Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit stehen oxidierte
Materialien bzw. Werkstoffe.
Das ist einerseits eine logische Entscheidung, oxidieren doch letzten
Endes alle Metalle und Halbleiter in der Umwelt - also studiert man
deren Oxidverbindungen, wenn man an ihren Oberflächen interessiert
ist. Andererseits haben diese Materialien eine faszinierende
Bandbreite an physikalisch-chemischen Eigenschaften. Unter den
Metalloxiden finden sich die besten Isolierstoffe genauso wie
Supraleiter, einige eignen sich als besonders aktive Katalysatoren,
andere sind als besonders korrosionsbeständige Materialien bekannt.
Diese Vielseitigkeit, verbunden mit der Möglichkeit, ihre
Eigenschaften zu beeinflussen, machen Metalloxide für eine Fülle
technischer Einsatzbereiche hochinteressant. In so gut wie allen
gegenwärtig verfügbaren und zukünftig vorstellbaren Anwendungen
dieser Materialien - Katalysatoren, Gassensoren, Batterien,
Brennstoffzellen, neuartige elektronische Bauteile - spielen
Oberflächen und Schnittstellen eine zentrale Rolle. Folglich ist
Forschung, die sich grundsätzlichen Fragen nach
Oberflächeneigenschaften und Prozessen an Oberflächen widmet, nicht
nur für die wissenschaftlichen Disziplinen per se von Interessen,
sondern hat auch große Auswirkungen auf Themen des Umweltschutzes,
der Energiegewinnung und -speicherung sowie auf weite Bereiche
anderer technischer Anwendungen.
Ulrike Diebold hat sich bereits als junges Faculty-Mitglied an der
Tulane University in New Orleans in den 1990er-Jahren mit
grundsätzlichen Fragen der Oberflächenphysik bei Metalloxiden
beschäftigt. Damals galten Metalloxide zwar als interessantes
Forschungsgebiet, wurden allerdings als zu komplex sowie als zu
"messy" angesehen, um an ihnen sinnvolle Oberflächenforschung
betreiben zu können. Ulrike Diebold hat als Erste gezeigt, dass man
mittels Rastertunnelmikroskopie Materialdefekte auf einzelatomarer
Ebene sichtbar machen kann und dass man chemische Reaktionen, die
durch diese Fehler ausgelöst werden, Molekül für Molekül beobachten
kann. Sie hat sich mit den weltweit besten theoretischen Gruppen
zusammengetan, um ihre experimentell erzielten Ergebnisse zu
modellieren, um daran anknüpfend ein besseres Verständnis zu
entwickeln, wie chemische Reaktionen auf Oberflächen ablaufen. Sowohl
ihre hoch-zitierten Review-Artikel, als auch ihre Originalarbeiten
haben das gesamte Feld der Oberflächenphysik maßgeblich
(mit-)gestaltet.
Zukünftig will sich Ulrike Diebold und ihr Team darauf
konzentieren, mittels neuer Methoden die Schnittstelle zwischen
festen und flüssigen Phasen zu erforschen. Mithilfe des
Wittgenstein-Preises wird sie ihre Anstrengungen intensivieren
können, unter Verwendung eines elektrochemischen
Rastertunnelmikroskops in neue Erkenntnisräume der Oberflächenphysik
vorzudringen.
Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchstdotierter und
prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der seit 1996 durch den FWF
vergeben wird. Wittgenstein-PreisträgerInnen stehen für
wissenschaftliche Forschungsarbeiten bis zu 1,5 Mio. EUR für die
Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der Wittgenstein-Preis ist ein
"Dry prize", das heißt, die Gelder stehen ausschließlich für die
intendierte Forschung zur Verfügung.
Der Entscheidungsvorschlag - basierend auf Fachgutachten
ausländischer ExpertInnen - wurde von der Internationalen
START-/Wittgenstein-Jury zusammengestellt. Die Jury setzt sich aus
renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammen, um eine
bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die
Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Jan
Ziolkowski, Professor für Latein des Mittelalters und Direktor der
Dumbarton Oaks Research Library and Collection der Harvard
University.
Ulrike Diebold ist nach Ruth Wodak (1996), Marjori Matzke (1997,
gemeinsam mit Antonius Matzke) sowie Renée Schroeder (2003) die
vierte Frau, die den Wittgenstein-Preis erhält.
Neben dem Wittgenstein-Preis wurden neun
Spitzen-NachwuchsforscherInnen aus 96 Bewerbungen in das
START-Programm aufgenommen. Die START-Auszeichnung ist die
höchstdotierte und anerkannteste FWF-Förderung für
NachwuchsforscherInnen, die aufgrund ihrer bisher geleisteten
wissenschaftlichen Arbeit die Chance erhalten sollen, in den nächsten
sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert, ihre
Forschungsarbeiten zu planen, eine eigene Arbeitsgruppe auf- bzw.
auszubauen und diese eigenverantwortlich zu leiten. Nach drei Jahren
haben sie sich einer Zwischenevaluierung zu stellen. Die
START-Projekte sind mit jeweils bis zu 1,2 Mio. EUR dotiert.
Die im Jahr 2013 neu in das START-Programm aufgenommenen
WissenschafterInnen - in alphabetischer Reihenfolge - sind:
Stefan L. AMERES
"Molekulare Charakterisierung des Lebenszyklus von mikroRNAs",
ÖAW; Institut für Molekulare
Biotechnologie - IMBA
mailto:[email protected]
Ovidiu PAUN
"Evolution durch wiederholende Allopoly-ploidisierung", Universität
Wien, Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung
mailto:[email protected]
Notburga GIERLINGER
"Oberflächen und Grenzflächen in Pflanzen: Lignin, Suberin und
Cutin",
Universität für Bodenkultur, Department für Materialwissenschaften
und Prozesstechnik
mailto:[email protected]
Thomas POCK
"Bilevel Lernen in der Computer Vision",
Technische Universität Graz,
Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen
mailto:[email protected]
Clemens HEITZINGER
"Partielle Differenzialgleichungen für die Nanotechnologie",
Universität Wien,
Fakultät für Mathematik
mailto:[email protected]
Paolo SARTORI
"Der Blick des Archivs. Dokumentieren und Regieren im islamischen
Mittelasien",
ÖAW, Institut für Iranistik
mailto:[email protected]
Georgios KATSAROS
"Loch Spin-Qubits und Majorana-Fermionen in Germanium",
Universität Linz, Institut für Halbleiter und Festkörperphysik
mailto:[email protected]
David A. KEAYS
"Zelluläre Grundlagen von Magnetorezeption",
Institut für Molekulare Pathologie - IMP
mailto:[email protected]
Stefan WOLTRAN
"Dekomposition und Dynamische Programmierung für komplexe
Berechnungsprobleme",
Technische Universität Wien, Institut für Informationssysteme
mailto:[email protected]
Sowohl das START-Programm als auch der Wittgenstein-Preis sind für
alle wissenschaftlichen Disziplinen offen. Beide Programme werden
seit 1996 durchgeführt.
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4262/
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FWF






