- 11.06.2013, 12:37:37
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Papierindustrie wünscht wieder Holzeinkaufsmonopol auf Kosten der Waldbesitzer
Rosenstatter: Fairer Holzpreis führt zu höherer Nutzung
Utl.: Rosenstatter: Fairer Holzpreis führt zu höherer Nutzung =
Wien (OTS) - "Die von der Papier- und Plattenindustrie begonnene
Negativkampagne gegen die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren,
heimischen Rohstoffen hat nur einen Hintergrund: Sie will den
wertvollen Rohstoff Holz wieder wie früher um einen
'Entsorgungsbeitrag' den Waldbesitzern abluchsen", stellt Rudolf
Rosenstatter, Obmann des Waldverbandes Österreich, zur heutigen
Pressekonferenz der Papierindustrie fest.
"Die für unsere Familienforstbetriebe erfreuliche Situation, dass
endlich auch aus dem Holzverkauf an die Papierindustrie ein Einkommen
erzielt werden kann, ist den Großindustriellen, die jedes Jahr neue
Bestgewinne einfahren, wohl ein Dorn im Auge. Bei dem Hick-Hack rund
um das Biomasseheizkraftwerk in Klagenfurt geht es wohl weniger um
die tatsächlich benötigte Holzmenge, als viel mehr um den gewünschten
Billigpreis. Aber gerade ein fairer Holzpreis führt zu einer
insgesamt höheren Holznutzung, weil kostenintensive Pflegemaßnahmen
auf ungünstigen Waldstandorten rentabel werden", so Rosenstatter.
Faktenlage eindeutig
"Die Waldbesitzer sind froh, dass in Österreich mit der Papier-
und Plattenindustrie eine so starke Holzveredelung existiert. Diese
befindet sich im internationalen Wettstreit um Marktanteile und kann
sich dabei bestens behaupten. Auch deshalb, weil trotz des für die
Gesellschaft notwendigen Umstieges auf eine nachhaltige
Energieproduktion immer ausreichend Holz für die Papier- und
Plattenerzeugung zur Verfügung stand. Zugestanden wird der Industrie,
dass es durch den Wegfall der Monopolstellung nun einer besseren
Marktpflege bedarf", meint Martin Höbarth, Geschäftsführer des
Waldverbandes.
Die Papier- und Plattenindustrie war immer schon auf Einfuhren
angewiesen. Laut dem Jahresbericht dieser Branche betrug die
Importquote im Jahr 1990 rund 36%, jetzt liegt man bei 38%. Die
Exportquote bei Papier und Pappe ist in diesem Zeitraum von 75 auf
87% gestiegen. Beide Aspekte sind ein großer Nutzen für die
österreichische Volkswirtschaft, weil die Wertschöpfung im Inland
erfolgt und durch die Exporte der veredelten Waren Devisen ins Land
fließen. "Die Auslastung lag 1990 bei der Produktion von Papier und
Pappe bei 87%, im Jahr 2012 erreichte diese beachtliche 91%, was wohl
kein Indiz für einen Holzmangel ist", verweist Höbarth auf die
Fakten. Die Beschäftigung sei in den zehn Jahren von 1990 bis 2000 um
23% gesunken, lange bevor ein Ökostromgesetz beschlossen
beziehungsweise zur Wirkung kommen konnte. Ein weiterer Rückgang der
Beschäftigung in dieser Sparte sei ebenso auf
Rationalisierungsmaßnahmen zurückzuführen und könne mit einer
Biomasseförderung in keinen Zusammenhang gebracht werden, so der
Geschäftsführer.
Waldverbände verdoppeln Industrieholzlieferungen
"Die Waldverbände nehmen ihre Aufgabe als verlässliche Partner der
Holz verarbeitenden Industrie ernst. Seit dem Jahr 2000 haben wir die
an die Papier- und Plattenindustrie vermarktete Holzmenge nahezu
verdoppelt. Mit mehr als 400.000 Festmeter (fm) im vergangenen Jahr
liegen wir deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Durch die
steigende Nachfrage nach Biomasse konnten zusätzliche Holzreserven
mobilisiert werden. Die Waldbesitzer können sich aber immer noch gut
daran erinnern, dass sie vor wenigen Jahren ihr Holz aufgrund der
Monopolstellung der Industrie unterpreisig verkaufen mussten.
Zufahrtssperren und Lieferkontingente, verbunden mit Qualitäts- und
damit Einkommensverlusten, waren an der Tagesordnung. Dass die
Forstwirtschaft über die umweltfreundliche Alternative 'Energie aus
Biomasse' durchaus froh ist, ist daher nur nachvollziehbar", gibt
Rosenstatter zu bedenken.
Sägenebenprodukte
Rund 46% des von der Papierindustrie verarbeiteten Holzes sind
Sägenebenprodukte, wie Kappholz, Hackgut oder Sägespäne. Durch den
konjunkturell bedingten, reduzierten Einschnitt der Sägeindustrie
verschärft sich klarerweise die Nachfrage nach Rundholz. Zudem werden
diese Koppelprodukte von den Sägewerken selbst zur Trocknung des
Schnittholzes eingesetzt. "Bisher wurden auch die Sägewerke von der
Papier- und Plattenindustrie in Bezug auf diese Nebenprodukte
'entsorgt'. Diese haben sich daher neu orientiert und setzen nun auf
eine wesentlich höhere Wertschöpfung durch die Erzeugung von Pellets.
Diese Fakten können nicht den Waldbesitzern oder dem Fördersystem für
Bioenergie angelastet werden", betont Rosenstatter.
(Schluss)
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