Papierindustrie wünscht wieder Holzeinkaufsmonopol auf Kosten der Waldbesitzer

Rosenstatter: Fairer Holzpreis führt zu höherer Nutzung

Wien (OTS) - "Die von der Papier- und Plattenindustrie begonnene Negativkampagne gegen die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren, heimischen Rohstoffen hat nur einen Hintergrund: Sie will den wertvollen Rohstoff Holz wieder wie früher um einen 'Entsorgungsbeitrag' den Waldbesitzern abluchsen", stellt Rudolf Rosenstatter, Obmann des Waldverbandes Österreich, zur heutigen Pressekonferenz der Papierindustrie fest.

"Die für unsere Familienforstbetriebe erfreuliche Situation, dass endlich auch aus dem Holzverkauf an die Papierindustrie ein Einkommen erzielt werden kann, ist den Großindustriellen, die jedes Jahr neue Bestgewinne einfahren, wohl ein Dorn im Auge. Bei dem Hick-Hack rund um das Biomasseheizkraftwerk in Klagenfurt geht es wohl weniger um die tatsächlich benötigte Holzmenge, als viel mehr um den gewünschten Billigpreis. Aber gerade ein fairer Holzpreis führt zu einer insgesamt höheren Holznutzung, weil kostenintensive Pflegemaßnahmen auf ungünstigen Waldstandorten rentabel werden", so Rosenstatter.

Faktenlage eindeutig

"Die Waldbesitzer sind froh, dass in Österreich mit der Papier-und Plattenindustrie eine so starke Holzveredelung existiert. Diese befindet sich im internationalen Wettstreit um Marktanteile und kann sich dabei bestens behaupten. Auch deshalb, weil trotz des für die Gesellschaft notwendigen Umstieges auf eine nachhaltige Energieproduktion immer ausreichend Holz für die Papier- und Plattenerzeugung zur Verfügung stand. Zugestanden wird der Industrie, dass es durch den Wegfall der Monopolstellung nun einer besseren Marktpflege bedarf", meint Martin Höbarth, Geschäftsführer des Waldverbandes.

Die Papier- und Plattenindustrie war immer schon auf Einfuhren angewiesen. Laut dem Jahresbericht dieser Branche betrug die Importquote im Jahr 1990 rund 36%, jetzt liegt man bei 38%. Die Exportquote bei Papier und Pappe ist in diesem Zeitraum von 75 auf 87% gestiegen. Beide Aspekte sind ein großer Nutzen für die österreichische Volkswirtschaft, weil die Wertschöpfung im Inland erfolgt und durch die Exporte der veredelten Waren Devisen ins Land fließen. "Die Auslastung lag 1990 bei der Produktion von Papier und Pappe bei 87%, im Jahr 2012 erreichte diese beachtliche 91%, was wohl kein Indiz für einen Holzmangel ist", verweist Höbarth auf die Fakten. Die Beschäftigung sei in den zehn Jahren von 1990 bis 2000 um 23% gesunken, lange bevor ein Ökostromgesetz beschlossen beziehungsweise zur Wirkung kommen konnte. Ein weiterer Rückgang der Beschäftigung in dieser Sparte sei ebenso auf Rationalisierungsmaßnahmen zurückzuführen und könne mit einer Biomasseförderung in keinen Zusammenhang gebracht werden, so der Geschäftsführer.

Waldverbände verdoppeln Industrieholzlieferungen

"Die Waldverbände nehmen ihre Aufgabe als verlässliche Partner der Holz verarbeitenden Industrie ernst. Seit dem Jahr 2000 haben wir die an die Papier- und Plattenindustrie vermarktete Holzmenge nahezu verdoppelt. Mit mehr als 400.000 Festmeter (fm) im vergangenen Jahr liegen wir deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Durch die steigende Nachfrage nach Biomasse konnten zusätzliche Holzreserven mobilisiert werden. Die Waldbesitzer können sich aber immer noch gut daran erinnern, dass sie vor wenigen Jahren ihr Holz aufgrund der Monopolstellung der Industrie unterpreisig verkaufen mussten. Zufahrtssperren und Lieferkontingente, verbunden mit Qualitäts- und damit Einkommensverlusten, waren an der Tagesordnung. Dass die Forstwirtschaft über die umweltfreundliche Alternative 'Energie aus Biomasse' durchaus froh ist, ist daher nur nachvollziehbar", gibt Rosenstatter zu bedenken.

Sägenebenprodukte

Rund 46% des von der Papierindustrie verarbeiteten Holzes sind Sägenebenprodukte, wie Kappholz, Hackgut oder Sägespäne. Durch den konjunkturell bedingten, reduzierten Einschnitt der Sägeindustrie verschärft sich klarerweise die Nachfrage nach Rundholz. Zudem werden diese Koppelprodukte von den Sägewerken selbst zur Trocknung des Schnittholzes eingesetzt. "Bisher wurden auch die Sägewerke von der Papier- und Plattenindustrie in Bezug auf diese Nebenprodukte 'entsorgt'. Diese haben sich daher neu orientiert und setzen nun auf eine wesentlich höhere Wertschöpfung durch die Erzeugung von Pellets. Diese Fakten können nicht den Waldbesitzern oder dem Fördersystem für Bioenergie angelastet werden", betont Rosenstatter.
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