• 11.06.2013, 11:02:56
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Immer noch Kinderarbeit in der Schokoladeproduktion

NGOs und Gewerkschaften fordern effiziente Maßnahmen gegen Kinderarbeit auf Kakaoplantagen.

Utl.: NGOs und Gewerkschaften fordern effiziente Maßnahmen gegen
Kinderarbeit auf Kakaoplantagen. =

Wien (OTS/ÖGB) - Anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12.
Juni rufen die entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation
Südwind und die Produktionsgewerkschaft PRO-GE mit Aktionen in Wien,
Linz, Graz sowie Innsbruck und einer europaweiten Petition dazu auf,
aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit vorzugehen. Laut UNICEF sind
immer noch weltweit 158 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren
gezwungen zu arbeiten. Viele von ihnen sind dabei
gesundheitsschädlichen Bedingungen - in Textilfabriken, in
Steinbrüchen oder auf Plantagen - ausgesetzt.

In diesem Jahr stellen Südwind und PRO-GE den Welttag gegen
Kinderarbeit in Österreich unter das Motto "Kein bitterer
Nachgeschmack von Kinderarbeit in unserer Schokolade!" Immer noch
gehen Kinder auf Kakao-Plantagen Erwachsenen-Arbeit nach. Dabei sind
sie erheblichen Gesundheitsrisiken durch unsachgemäße Arbeit mit
Pflanzenschutzmitteln und gefährlichen Erntewerkzeugen ausgesetzt.
Wie eine Erhebung durch die US-amerikanische Tulane Universität
ergab, arbeiten 820.000 Kinder in der Elfenbeinküste und ca. 1
Million Kinder in Ghana auf Kakaoplantagen - jeweils 260.000 in der
Elfenbeinküste und 270.000 in Ghana unter Bedingungen, die laut
internationalen Bestimmungen von ILO und UN (ILO-Richtlinien 182 und
138, UN-Kinderrechtskonvention Artikel 32/1) strengstens verboten
sind.

Die Frage vieler KonsumentInnen, ob in ihrer Lieblingsschokolade
Kinderarbeit steckt, kann nicht eindeutig verneint werden. Auf den
wenigsten Schokoladeprodukten finden sich Angaben über die
Produktionsbedingungen. "Aufgrund der Intransparenz entlang der
Wertschöpfungskette können wir nicht ausschließen, dass
Schokolade-produzierende Unternehmen die Ausbeutung von Kindern
bewusst in Kauf nehmen, um zu preisgünstigen Bedingungen Kakao für
die Weiterverarbeitung zuzukaufen", kritisiert Bernhard Zeilinger,
Leiter der neuen Südwind-Kampagne "Make Chocolate Fair!" heute bei
einem Pressegespräch in Wien.

Dabei haben die weltgrößten Schokoladeproduzenten bereits 2001 auf
massiven Druck der Zivilgesellschaft das Harkin-Engel-Protokoll
unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Maßnahmen gegen
Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu setzen. Hintergrund war die
Veröffentlichung einer Studie der UNICEF und des U.S. State
Departments, welche unzählige Fälle von versklavten Kindern aus Mali,
Burkina Faso und Togo auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste und
Ghana öffentlich machte. "Trotz der Unterzeichnung des Abkommens
wurden seitdem kaum Anstrengungen unternommen, der Kinderarbeit
vorzubeugen" berichtet Zeilinger. Die erste Frist im Jahre 2005 wurde
nicht eingehalten und auf 2008 verschoben, um dann erneut um drei
weitere Jahre verlängert zu werden. "Es ist bitter, dass die Fristen
zur Erfüllung der Forderungen bis dato schlichtweg ignoriert werden
und eine konkrete Umsetzung immer noch nicht in Sicht ist", stellt
Zeilinger klar.

"Viele Jahrzehnte war es für Industriestaaten und multinationale
Konzerne ganz einfach, Menschen aus dem Süden auszubeuten. Die
Strukturen in den Erzeugerländern haben auch dazu beigetragen, dass
sich wenig politisch verändert. "Wir stehen nun vor einer völlig
neuen Situation - die Perspektivlosigkeit bei den Kakaobauern und
deren Kindern hat dazu geführt, dass diese keine Zukunft mehr im
Kakaoanbau sehen", erklärt Gerhard Riess von der Gewerkschaft PRO-GE.
Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit und Abwanderung in die Städte
führen dazu, dass immer weniger Kakao angebaut wird und der steigende
Bedarf an Kakaobohnen kaum noch gedeckt werden kann. "Erst jetzt
reagieren die Konzerne! Zur Sicherung des Rohstoffes müssen sie rasch
handeln und neben einer fairen Bezahlung, die Kakaobauern und
Kakaobäuerinnen aktiv unterstützen, nachhaltigen Anbau zu betreiben,
soziale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und ausbeuterische
Kinderarbeit ein für alle Mal zu beenden."

Nichtregierungsorganisationen aus 16 EU-Ländern, in Österreich
Südwind, PRO-GE, Weltumspannend Arbeiten, Dreikönigsaktion, Fairtrade
und Greenpeace fordern jetzt in einer Petition von den
Schokoladeunternehmen, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltigen
Kakaoanbau umzusetzen. Dazu gehören: faire Preise für Kakaobauern und
Kakaobäuerinnen, damit deren Kinder nicht mitarbeiten müssen; die
Zahlung existenzsichernder Löhne für PlantagenarbeiterInnen; die
bedingungslose Einhaltung des Verbots von ausbeuterischer
Kinderarbeit; die Unterstützung für eine ökologisch-nachhaltige und
diversifizierte Landwirtschaft und eine unabhängige Kontrolle der
Zulieferkette. "Es ist höchste Zeit, der Ausbeutung von Kindern ein
Ende zu setzen. Es gilt, die Verantwortung bei den Unternehmen
einzufordern, beim Zukauf ihres Kakao nachweislich sicherzustellen,
dass beim Anbau des Kakaos die Erwachsenen genug verdienen und keine
Kinder ausgebeutet werden" schließt Zeilinger.

Elektronische Pressemappe inkl. Link zu druckfähigem Fotomaterial:
www.suedwind-agentur.at/presseaussendungen
Kampagnen-Website: www.makechocolatefair.org

Die Kampagne "Make Chocolate Fair!" setzt sich für fairen Handel in
der Schokoladeproduktion ein. Gemeinsam mit drei Organisationen in
Deutschland, Tschechien und Estland koordiniert Südwind die
europaweite Kampagne in 16 EU-Ländern und wird dabei von zahlreichen
gewerkschaftlichen, kirchlichen und entwicklungspolitischen
Organisationen unterstützt.

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