• 11.06.2013, 10:09:32
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Biomasse-Verband: Papierindustrie trauert Monopolstellung hinterher

Verknappung wird als Problem stilisiert - es geht aber nur um Kostensenkung

Utl.: Verknappung wird als Problem stilisiert - es geht aber nur um
Kostensenkung =

Wien (OTS) - "Die österreichische Papierindustrie ist in einem Markt
groß geworden, in dem quasi ein Abnehmermonopol herrschte, das es in
dieser Form nicht mehr gibt. Überzogen kommunizierte
Wettbewerbsnachteile und herbeigeredete Holzversorgungslücken heizen
die Preisspirale bei den Energieholz-Sortimenten zusätzlich an. Dies
ist weder im Interesse der Papier- noch der Biomasse-Branche. Ein
Lösungsansatz liegt nicht in einem 'Entweder-oder' sondern im
'Sowohl-als-auch'", erklärt Horst Jauschnegg, Vorsitzender des
Österreichischen Biomasse-Verbandes (ÖBMV).

Holz vergammelt in den Wäldern

Die österreichische Papierindustrie ist am globalen Markt ein
Musterbeispiel mit Vorbildfunktion. Die Unternehmen spielen
technologisch gesehen in der Top-Liga. Die Produktionsmenge ist 2012
im Jahresvergleich um 2 % gestiegen, der Umsatz stagnierte zwar,
jedoch werden von vielen Analysten auch heuer dreistellige
Millionengewinne der Großkonzerne erwartet. Auch die
Investitionssumme von 270 Millionen Euro im Vorjahr ist ein klares
Bekenntnis der Branche für einen guten Produktionsstandort in
Österreich. Aufgrund stärkerer Nachfrage nach sämtlichen
Holzsortimenten sind zwar für alle Marktteilnehmer die Rohstoffkosten
in den vergangenen Jahren gestiegen, jedoch hat jeder Kunde die
benötigten Ressourcen bekommen. "Die Papierindustrie hat vor nicht
allzu langer Zeit sogenannte 'Zulieferscheine' verteilt und damit die
Anlieferung kontingentiert. Das haben viele Lieferanten bis heute
nicht vergessen. Sie haben teilweise für lange Zeit keine
Zufuhrscheine erhalten und mussten mitansehen, wie ihr Holz im Wald
vergammelte", sagt Jauschnegg. "Es schlummern noch Holzreserven im
Wald, die wir nachhaltig nutzen können."

Bekenntnis zur kaskadischen Holznutzung

Der Rohstoffkosten-Anteil am Umsatz liegt in der Papierindustrie
bei nur rund 10 %. Sie kauft ihren Rohstoff nur zu rund 50 % direkt
aus dem Wald, der Rest stammt aus Sägewerken. "Die Importe sind 2012
um 15 % gesunken und die hat es schon immer gegeben, je nach
Preislage mehr oder weniger", informiert Jauschnegg. Negativ über
drohende steigende Rundholz-Einfuhren aus Tschechien sowie der
Slowakei (in Ober- und Niederösterreich), Slowenien und Kroatien (in
Kärnten) zu sprechen, ist in Zeiten von Binnenmärkten in der
Europäischen Union nicht mehr zeitgemäß und unseriös. Ferner ist dem
ÖBMV ein zunehmender Import minderwertiger Rohstoffe und der Export
hochwertiger Papiere lieber als umgekehrt. Neu an der heutigen
Marktsituation ist, dass sowohl die gesamte Holz verarbeitende
Industrie (auch Papier) europaweit durch neue Standorte genauso
gewachsen ist wie auch die energetische Nutzung von minderwertigem
Holz. Der ÖBMV bekennt sich zur kaskadischen Holznutzung, jedoch
nicht zu einem monopolisierten Abnehmermarkt.

Alle Papierwege führen in den Ofen

"Die gesamte in den Markt gebrachte Holzmenge endet schlussendlich
im Ofen - auch Papier", erinnert Jauschnegg. Ein Beispiel: "Werden
1.000 Festmeter Faserholz zur stofflichen Nutzung in die Papierfabrik
gebracht, finden wir davon in kürzester Zeit 70 bis 80 % in unserer
Energiebilanz. Dazu zählen die mitgelieferte, aber stofflich nicht
verwendete Rinde, die als Lauge anfallende Hemicellulose samt Lignin
und das Papier selbst, obwohl es die Recyclingschiene durchlaufen
hat."

Auch Papierindustrie erhält Förderungen

"Wenn die Papierindustrie eine 'überzogene Biomasse-Förderpolitik'
kritisiert, muss sie auch fairerweise ergänzen, dass sie zu den
größten Ökostromproduzenten Österreichs gehört und hinter den
Kulissen für die Förderung ihrer Anlagen kämpft", schildert
Jauschnegg. Gleichzeitig ist die Industrie von den Kosten der
Ökostromförderung befreit, genießt aber die Vorteile der
Energiewende, die sich in billigerem Börsestrom manifestieren. Wie
die Zahlen der E-Control belegen, sank der Strommarktpreis für die
Industrie im II. Quartal 2013 auf vier Cent pro Kilowattstunde. Ein
weiterer Punkt ist, dass der größte Biomasse-Einsatzbereich der
Wärmemarkt ist, wo es keine Ökostromförderung gibt. Einmalige
Investitionsförderungen sind aus volkswirtschaftlicher und
ökologischer Sicht sinnvoll - für die Papier- aber auch für die
Biomasse-Branche. Dies belegen die neuesten Zahlen des
Infrastrukturministeriums. Ministerin Doris Bures wies kürzlich auf
die Bedeutung der Bioenergie hin, die 12.700 heimische Beschäftigte
samt einem Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Euro aufweist. Insgesamt sind in
der Erneuerbaren-Branche 28.000 Menschen beschäftigt. Die
Papierindustrie nutzt zu 50 % fossile Energieträger für den
Produktionsprozess und wird hier künftig mit stetig steigenden Kosten
konfrontiert sein. Gleichzeitig wird seit Jahrzehnten oftmals die
Abwärme der Industrie ungenutzt in die Atmosphäre entlassen. Erst
kürzlich wurde mit der erfolgreichen Abwärmenutzung begonnen, wie z.
B. bei Zellstoff Pöls. Diese Entwicklung begrüßt der ÖBMV
ausdrücklich. Der Verband ist auch überzeugt, dass eine Energiewende
in Richtung erneuerbare Energie auch der richtige Weg für die
Papierindustrie wäre - die verzweifelte Anpreisung von Schiefergas
kann nur als letzter argumentativer Rettungsanker für billigere
Rohstoffpreise gewertet werden.

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