Neunte Verleihung des Klaus-Liebscher-Preises

Höchste OeNB-Auszeichnung geht an ökonomischen Nachwuchs für Arbeiten zur europäischen Integration

Wien (OTS) - Im Rahmen der 41. Volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) überreichte OeNB-Präsident Dkfm. Dr. Claus J. Raidl den heute zum neunten Mal vergebenen Klaus-Liebscher-Preis.

Aus vielen hochwertigen Einreichungen wurden dieses Jahr zwei Studien von hoher wissenschaftlicher Qualität und wirtschaftspolitischer Aktualität ausgewählt: "International Debt Deleveraging" von Luca Fornaro, London School of Economics, und "Efficient Fiscal Spending by Supranational Unions" von Jenny Simons, Stockholm Institute of Transition Economics, und Justin Valasek, Wissenschaftszentrum Berlin.

Luca Fornaro beschäftigt sich in seiner Arbeit "International Debt Deleveraging" mit der makroökonomischen Analyse einer Situation, in der verschiedene Länder in einer Währungsunion versuchen gleichzeitig Schulden abzubauen. Der Rückgang der aggregierten Nachfrage und des Zinsniveaus als Konsequenz dieses simultanen Schuldenabbaus kann in der Währungsunion nicht durch Wechselkursanpassungen kompensiert werden. Fornaro analysiert in seiner Arbeit, wie sich in einer solchen Situation eine systemische Rezession in der gesamten Währungsunion ausbreiten kann. Er schlägt auch verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen vor, die in einer solchen Situation die makroökonomische Lage verbessern können.

Jenny Simon und Justin Valasek diskutieren in ihrer gemeinsamen Arbeit "Efficient Fiscal Spending by Supranational Unions", ob eine Gemeinschaft souveräner Staaten mit ausgeprägten Eigeninteressen prinzipiell in der Lage ist, auf effiziente Weise ein gemeinsames Budget zu erstellen und auf die Mitglieder der Gemeinschaft aufzuteilen. Die Autoren wenden Konzepte aus der Verhandlungstheorie an und zeigen, dass bei einem solchen Aufteilungsproblem die Verhandlungsmacht der einzelnen Staaten nicht von vorne herein feststeht, sondern sich vielmehr im Verhandlungsprozess selbst ergibt. Dadurch entsteht ein Zusammenhang zwischen Budgetbeiträgen und der Allokation dieser Beiträge in der Gemeinschaft. In diesem Rahmen diskutieren die Autoren die Voraussetzungen, unter denen Budgeterstellung und Allokation auf effiziente Weise möglich sind.

Der Klaus-Liebscher-Preis wurde 2005 anlässlich des 65. Geburtstages des damaligen OeNB-Gouverneurs Dr. Klaus Liebscher in Anerkennung seiner Leistungen für Österreichs Teilnahme an der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und für die europäische Integration eingerichtet und wird seitdem jährlich vergeben. Es werden maximal zwei Arbeiten mit jeweils EUR 10.000 ausgezeichnet, die von jungen Ökonominnen und Ökonomen aus EU-Mitglieds- oder EU-Kandidatenländern verfasst wurden und die sich in hervorragender wissenschaftlicher Weise mit Themen der europäischen Integration und der Wirtschafts-und Währungsunion auseinandersetzen. Der Klaus-Liebscher-Preis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die die Oesterreichische Nationalbank zu vergeben hat. Nähere Informationen dazu unter www.oenb.at.

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