- 07.06.2013, 21:13:14
- /
- OTS0223 OTW0223
TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 8. Juni 2013 von Peter Nindler "Schwarz-Grün und Grün-Schwarz"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Für die Grünen wird die Nationalratswahl zur
Testwahl. Während die VP mit Wissenschaftsminister Töchterle Signale
über die Parteigrenzen hinaus senden möchte, müssen die Grünen
beweisen, dass sie sowohl regieren als auch opponieren können.
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Diesmal kommt der Tiroler Volkspartei
die Nationalratswahl am 29. September irgendwie gelegen. Mit
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat sie einen anerkannten
Spitzenkandidaten, der kein Parteisoldat ist, aber gleichermaßen die
ÖVP im Schlepptau mitnimmt. Damit passt der Minister mit grüner
Vergangenheit ausgezeichnet ins Schema von ÖVP-Chef und
Landeshauptmann Günther Platter. Denn im Gegensatz zu dem üblichen
Gerangel von Bünden und Bezirken um strahlende Listenplätze und
Mandate verkörpert der ehemalige Rektor der Landesuniversität das
Überbündische; das stets beschworen, aber bei Listenreihungen vor
Wahlen immer vergessen wird.
Mit Töchterle könnte der Tiroler ÖVP auch der erhoffte Brückenschlag
ins Bildungsbürgertum und in den städtischen Bereich gelingen.
Gleichsam versteckt der Stubaier keinesfalls seine grünen Wurzeln,
wenn er Nachhaltigkeit und Naturbewusstsein einmahnt. Letztlich tut
der grün-schwarze Töchterle der ÖVP gut, die andererseits von der
schwarz-grünen Premiere in der Landesregierung profitieren möchte.
Und in der Bundespartei meldet Platter mit dem Wissenschaftsminister
erneut den Anspruch auf einen Tiroler in der Bundesregierung an.
Dass sich Schwarz und Grün im Tiroler Wahlkampf für Wien wohl nicht
wehtun wollen, könnte vor allem für die ÖVP von Vorteil sein: Zu
ähnlich sind sich Töchterl█e und der grüne Spitzenkandidat Georg
Will█i, zu frisch ist die schwarz-grüne Koalition im Land. Eine
Ehekrise in den politischen Flitterwochen will niemand riskieren.
Während die ÖVP diese politischen Rahmenbedingungen für die
Nationalratswahl nützen will, stehen die Grünen vor einer großen
Herausforderung.
Zwar sind die Grünen bundesweit in aller Munde, doch in Tirol nicht
mehr Oppositionspartei. So sehr sich SPÖ und FPÖ derzeit mit sich
selbst beschäftigen, im Nationalratswahlkampf werden sie sich auf
Schwarz und händereibend auf ihren grünen Juniorpartner einschießen.
Die von der ÖVP aus der Regierung geschassten Sozialdemokraten können
endlich einmal und müssen als Neo-Oppositionelle keine Rücksicht mehr
nehmen, die es für die FPÖ ohnehin nie gab.
Der Spagat für die Grünen ist nicht einfach. Willi muss beweisen,
dass er urgrün denkt und Töchterle bereits schwarz. Und dass die
Grünen mitregieren, aber nicht immer mitnicken. Damit wird die
Nationalratswahl vor allem für die Grünen zur Testwahl in Tirol.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






