- 06.06.2013, 08:48:56
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Hochwasser: WWF fordert Rückbauoffensive von Bundesregierung
Bundeshochwasserschutzprogramm soll Flüsse aus Zwangskorsett befreien
Utl.: Bundeshochwasserschutzprogramm soll Flüsse aus Zwangskorsett
befreien =
Wien (OTS) - Alle Maßnahmen für den Hochwasserschutz haben bisher
nicht ausgereicht, weil das Problem nicht umfassend bekämpft wird.
Das ist die Erkenntnis, die auch der Bundesregierung angesichts des
aktuellen Hochwassers einleuchten muss, so der WWF. Technischer
Hochwasserschutz reicht nicht aus, da wir aufgrund des Klimawandels,
der Flussverbauung und der Versiegelung der Böden mit neuerlichen
Hochwasserkatastrophen in den nächsten Jahren rechnen müssen. Der WWF
hat in einer Studie berechnet, dass den Flüssen in Österreich 84.000
Hektar an flussnahen Flächen zurückgegeben werden müssen.
"Flutkatastrophen wie die aktuelle sind auch zum Teil hausgemacht.
Für jeden Euro, der in den technischen Hochwasserschutz fließt,
braucht es einen Euro, der für den Rückbau der Flusskorsette
verwendet wird", so WWF-Flussexperte Christoph Walder. Der WWF
fordert daher ein neues Bundeshochwasserschutzprogramm.
Von 100.000 Flusskilometern in Österreich wurden seit 1950 30.000
Kilometer begradigt und verbaut. Insgesamt leiden die Flüsse unter
56.000 Querbauten und 5.000 Wasserkraftwerken, die ihre ökologische
Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. In den letzten 60 Jahren gingen
4.000 Quadratkilometer Überschwemmungsflächen verloren. Das
entspricht der gesamten Fläche des Burgenlandes. Allein seit dem
letzten "Jahrhunderthochwasser" 2002 wurden weitere 400
Quadratkilometer Boden versiegelt - eine Fläche so groß wie Wien. "In
dieser Zeit entstanden etwa vier Milliarden Euro an
Katastrophenschäden. Wenn wir dieses Geld in ökologischen
Hochwasserschutz investiert hätten, wären die Schäden heute
wesentlich geringer", so Walder. Der WWF tritt für Schadensvorbeugung
ein statt nachträglicher Reparaturen.
Die WWF-Studie "Jeder Hektar zählt" zeigt, dass in Österreich 86.000
Hektar Flächen an den Flüssen zurückgebaut werden müssen. Dazu zählen
die Aufweitung der Flussbetten, die Neuschaffung von Auwäldern und
Retentionsräumen sowie die Anbindung von Seitengewässern. Vor allem
müssen an den risikoreichen Flussabschnitten, wo die
Hochwasserschäden am größten sind, weiträumigere
Überschwemmungsflächen gebildet werden. "Wir müssen uns an die
veränderten Verhältnisse durch den Klimawandel anpassen und endlich
Maßnahmen setzen, sonst haben wir in wenigen Jahren die nächste
Hochwasserkatastrophe zu erwarten", richtet Walder einen dringenden
Appell an die Bundesminister Nikolaus Berlakovich und Doris Bures.
"Rückbauprojekte sind auch für die Wirtschaft lukrative Bauvorhaben",
so Walder.
Der WWF hat eine Karte der österreichischen Flusslandschaft erstellt,
in denen keine neuen Verbauungen mehr stattfinden dürfen. Solche
No-Go-Zonen betreffen vor allem die wertvollen Flussjuwelen, die
neben dem Hochwasser- und Trinkwasserschutz auch zur Erhaltung der
Artenvielfalt beitragen und für die Naherholung und den Tourismus
wichtig sind. Besonders an Inn und Lech, aber auch an der Oberen
Traun und der March müssen diese Tabuzonen eingehalten werden.
"Intakte Flüsse schützen nicht nur vor Hochwasser sondern sichern
auch unser Trink- und Grundwasser und erhöhen die Artenvielfalt", so
Walder abschließend.
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