TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Franks Scherbenhaufen", von Mario Zenhäusern, Ausgabe vom 12. Mai 2013

Mittlerweile dürfte nicht einmal Stronach selbst wissen, wer denn jetzt noch zu seiner Partei gehört - und wer nicht.

Innsbruck (OTS) - Zwei Wochen nach der Wahl ist das Team Stronach zertrümmert. Und das Ansehen des Parteichefs nachhaltig beschädigt.

Frank Stronach könnte einem fast leidtun. Da geht ein alter Mann, der in seinem Leben viel erreicht hat, her und setzt seine Reputation und viel Geld ein, um plötzlich in der Politik mitzumischen. Aus durchaus hehren Motiven heraus übrigens, weil in der heimischen Bundespolitik tatsächlich vieles im Argen liegt. Zumindest bis hierher ist nachvollziehbar, dass Stronach eingreifen und einen Wechsel herbeiführen wollte.
Nicht mehr verständlich ist, wie er seine Idee umsetzte. Dass er mit viel Geld winkte, sich einen Parlamentsklub zusammenkaufte und Anhänger um sich scharte. Dass er tatsächlich glaubte und noch immer glaubt, er könne seine so genannte Partei wie ein Unternehmen führen:
Frank schafft an, und alle tun, was er will. Dass er davon überzeugt ist, mit den drei Worthülsen Wahrheit, Transparenz und Fairness das ersetzen zu können, was andere ein Programm oder zumindest Inhalte nennen. Und dass er allen Ernstes glaubt, sein Name allein sei Garant für Erfolg.
In Tirol ist die Strategie des Teams Stronach völlig in die Hose gegangen. Mittlerweile dürfte nicht einmal er noch genau wissen, wer denn jetzt zu seiner Partei gehört, wer zwischenzeitlich bereits ausgeschlossen oder wieder aufgenommen wurde. Angesichts des langsam in die Gänge kommenden Nationalratswahlkampfs stehen Politikbeobachter vor der Wahl, ob sie sich ob des erbärmlichen Zustands dieser Truppe amüsieren oder angeödet abwenden sollen. Wie sich die Neo-Partei in jenen Bundesländern hält, in denen sie den Einzug in den Landtag schaffte, wird sich weisen. In Tirol jedenfalls steht Frank Stronach vor einem Scherbenhaufen, für den er selber verantwortlich ist, den er selber mitverursacht hat. Leidtun muss er uns deshalb nicht. Er hat es ja selbst so gewollt.

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