• 10.05.2013, 20:56:27
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 11. Mai 2013 von Peter Nindler "Am Ende werden die Messer gewetzt"

Innsbruck (OTS) - Utl.: In der Krise gewähren Tirols Freiheitliche
immer Einblicke in ihr Innerstes. Gefestigte Parteistrukturen und
starke Persönlichkeiten fehlen in der FPÖ. Auch der seit 2004
amtierende Parteichef Gerald Hauser muss das jetzt erkennen.

Dass nach den Verlusten von drei Prozent bei der Landtagswahl eine
Obmanndiskussion bei den Tiroler Freiheitlichen ausbricht, kommt
nicht überraschend. Zum einen passen Niederlagen nicht ins blaue
Weltbild, andererseits führt Gerald Hauser die Partei bereits seit
neun Jahren. Damit ist er aktuell der längstdienende Tiroler
Parteichef. Da kommt es zu Abnützungserscheinungen und Entfremdungen.
Und eine Partei zu führen, deren Basis inhomogen und Personaldecke
mehr als dünn ist, gleicht einer tagtäglichen Gratwanderung.
Überlagert wird diese Herausforderung noch damit, dass der Partei-
und Klubchef die FPÖ von Osttirol aus führt, weil Hauser 2010 zum
Bürgermeister seiner Heimatgemeinde gewählt wurde.
Politische Erfolge würden den kaum zu bewältigenden Spagat
übertünchen, doch die blieben zuletzt aus. Vielmehr rumort es seit
2010. Oft überhastete Parteiausschlüsse deckten die eigentliche
Leistung des Sachpolitikers Hauser mit seinem Trennstrich zum rechten
Rand zu. Allerdings wurde die Absage an Rechts durch die
menschenverachtende Marokkaner-Kampagne beim Innsbrucker
Gemeinderatswahlkampf 2012 deutlich relativiert. Weil auch der
Rückenwind vom Bund fehlt, präsentiert sich die Tiroler FPÖ als
Unruheherd. Alle, die mit Hauser eine Rechnung offen haben - von den
Rechten bis zu den persönlich Enttäuschten -, wollen sie jetzt
begleichen. Aus diesem Dilemma kommt der Parteichef nicht mehr
heraus. Weil auch Bundesparteiobmann HC Strache auf Distanz zu Hauser
geht.
In der Krise ist die FPÖ stets unberechenbar. Mangels fehlender bzw.
gefes█tigter Strukturen und starker Persönlichkeiten weiß man nie,
wer in einem Konflikt letztlich die Oberhand behält. Plötzlich
auftauchende Glücksritter können wenig später schon wie die
Sternschnuppen verglühen. Mit der Reformkommission verschafft sich
Hauser vorerst Luft, doch der Sauerstoff wird nicht ewig vorhanden
sein. Es sind Lippenbekenntnisse, dass der Parteivorstand hinter ihm
steht und keiner ihn vorerst beerben will. Nicht mehr. Noch hat es
Hauser in der Hand, seine Nachfolge zu regeln. Seine Zeit an der
Parteispitze ist jedoch abgelaufen. Das spürt er, und das wissen auch
die Funktionäre. Bisher erfolgte noch jeder Wechsel an der Tiroler
Parteispitze mit vielen blauen Schrammen. Ob der längstdienende
Parteichef mit dieser Tradition brechen kann, ist ungewiss. Denn das
freiheitliche Messerwetzen hat bereits eingesetzt.

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