Greenpeace zu Bienengipfel: Keine Bienenschutzambition erkennbar

Unterstützung des EU-Vorschlags allein ist viel zu wenig, um das Bienensterben aufzuhalten

Wien (OTS) - Nach dem heutigen Alibi-"Bienengipfel" hat Minister Niki Berlakovich verkündet, jetzt doch den Vorschlag der Europäischen Kommission, drei bienentödliche Pestizide teilweise für zwei Jahre zu verbieten, zu unterstützen. Darüber hinaus soll mehr in die Forschung und Bienenschutzmaßnahmen investiert werden.

"Das Ergebnis des heuten 'Bienengipfels' ist der Gipfel an unambitioniertem Handeln. Die Ankündigungen sind bloß ein erster, sehr kleiner Schritt und alles andere als eine Kehrtwende in der Politik von Bundesminister Berlakovich. Vielmehr ist es ein Eingestehen einer Niederlage, denn das EU-weite Teilverbot wird trotz der intensiven Blockade-Bemühungen Österreichs ohnehin kommen", so Dagmar Urban, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace: "Die ÖVP muss ihre angebliche Kehrtwende jetzt in sinnvolle Taten umsetzen. Der EU-Vorschlag erlaubt explizit strengere nationale Verbote, wie es sie teilweise in Deutschland schon gibt. Österreich muss vollständige nationale Verbote der drei Neonicotinoide beschließen, entsprechende Anträge liegen schon im Parlament."

Insgesamt hat Greenpeace sieben Pestizide identifiziert, für die die Wissenschaft inakzeptable Risiken für Bienen identifiziert hat. Dies sind einerseits die drei Neonicotinoide, für nun EU-weite Teilverbote kommen sollen, darüber hinaus Fipronil, Cypermethrin, Deltamethrin, Chlorpyrifos. Greenpeace fordert von Minister Berlakovich, sich als nächsten Schritt für vollständige Verbote dieser sieben Pestizide auf EU-Ebene einzusetzen, und sie bis zum Inkrafttreten europaweiter Verbote in Österreich zu verbieten. "Wenn der 'Bienengipfel' mehr als ein PR-Gag war und das neue Motto der ÖVP wirklich 'im Zweifel für die Bienen' lautet, müssen weitgehende Verbote aller bienentödlichen Pestizide folgen", fordert Urban.

"Es ist ein erster Schritt, dass Österreich offenbar in Zukunft nicht mehr zu den entschlossensten Bienenkiller-Ländern auf EU-Ebene gehören will. Österreich muss aber Vorreiter im Bienenschutz werden. Dafür braucht es endlich entschlossene Schritte weg vom chemieintensiven Landwirtschaftsmodell hin zu ökologischen und biologischen Praktiken. Greenpeace fordert gemeinsam mit über 20.000 Menschen, die die Petition auf bienenschutz.at unterzeichnet haben, daher nicht nur Verbote der Bienenkiller-Pestizide, sondern auch einen klaren Schwerpunkt auf die Förderung biologischer Landwirtschaft im neuen Agrarumweltprogramm 2014-2010, mit dem Ziel einer Verdopplung der Bio-Anbauflächen in Österreich von 20 auf 40 Prozent. Weiters muss die Fruchtfolge - das Kernelement einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft - im neuen Agrarumweltprogramm eine essentielle Fördervoraussetzung werden. Wir müssen unsere Verantwortung wahrnehmen und für unsere Kinder und Enkelkinder ein Landwirtschaftsmodell schaffen, das nicht gegen, sondern mit der Umwelt arbeitet", so Urban abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Dagmar Urban, Greenpeace Landwirtschaftsexpertin, Tel.: +43 (0)664 612 67 21
Christine Gebeneter, Greenpeace Pressesprecherin, Tel.: +43 (0)664 857 45 98

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