- 26.04.2013, 19:00:31
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DER STANDARD - Kommentar: "Rote Doppelmoral" von Saskia Jungnikl
(Ausgabe vom 27.4.2013)
Utl.: (Ausgabe vom 27.4.2013) =
Wien (OTS) - Bei Martin Graf war Schluss mit lustig. Der Dritte
Nationalratspräsident könne nicht mehr auf die Stimmen der SPÖ bauen,
hieß es im Frühjahr vonseiten der Sozialdemokraten. Sie würden ihn
weder erneut zum Nationalratspräsidenten noch zum Volksanwalt machen.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) betonte, wie wenig es
ihr gefalle, dass Graf Mitglied einer Burschenschaft sei, und ließ
diverse Abwahlmöglichkeiten prüfen.
Das Verhalten der Roten offenbart eine interessante Doppelmoral.
Vergangenen Donnerstag wurde Peter Fichtenbauer (FPÖ) mit den Stimmen
der SPÖ zum Volksanwalt gewählt. Fichtenbauer ist schlagender
Burschenschafter, genau wie Graf. Er ist Mitglied des "Vereins zur
Pflege des Grabes von Walter Nowotny", einem NSDAP-Mitglied und Major
der deutschen Luftwaffe. Während die Roten also über Graf und dessen
rechte Ansichten jammern, geben sie dem nächsten Burschenschafter
ihre Stimme.
Losgelöst von der ideologischen Debatte, steht es einer Kanzlerpartei
nicht gut zu Gesicht, so herumzueiern. Gegen Burschenschafter zu
trommeln, jene aber gleichzeitig in hohe politische Ämter zu heben,
ist scheinheilig. Wählt die Nationalratspräsidentin danach, wie weit
rechts sie jemanden gefühlsmäßig sieht? Die Roten werten ihre Wahl
von Graf mittlerweile als Fehler, daraus hätte sich auch lernen
lassen. Dass sie nun erneut ähnlich wählen, schadet ihrer
Glaubwürdigkeit.
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