- 26.04.2013, 13:41:22
- /
- OTS0219 OTW0219
Stromnetze in Österreich: Situationsbericht und Ausblick in die Zukunft
Hintergrundgespräch von Oesterreichs Energie zeigt dringenden Handlungsbedarf
Utl.: Hintergrundgespräch von Oesterreichs Energie zeigt dringenden
Handlungsbedarf =
Wien (OTS) - Dringenden Handlungsbedarf zur Verstärkung, Verdichtung
und für die Einführung smarter Technologien in den österreichischen
Stromnetzen sehen Spitzenrepräsentanten der heimischen
Stromnetzbetreiber. Nicht nur klassische Netzverstärkungen sondern
auch der Einsatz neuer intelligenter Technologien sind erforderlich,
um die hohen Leistungen und die stark variierenden Spannungspegel zu
beherrschen und den sicheren Netzbetrieb mit der im europäischen
Vergleich exzellenten Versorgungssicherheit und -qualität auch
weiterhin gewährleisten zu können, erklärten Gerhard Christiner,
Vorstandsdirektor von Austrian Power Grid AG, Franz Strempfl,
Geschäftsführer der Stromnetz Steiermark GmbH und Reinhard Brehmer,
Sprecher Netze von Oesterreichs Energie und Geschäftsführer WIEN
ENERGIE Stromnetz GmbH.
Die Energiewende ist ein Zukunftsprojekt von europäischer Bedeutung,
welches in der Stromversorgung einen Systemumbau im großen Stil
erfordert. "Das Wichtigste ist, dass dabei die Gesamtperspektive
nicht verloren geht", so Christiner. "Durch den starken Ausbau der
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien überall in Europa kommt es
zu einer Strukturänderung des Stromsystems mit einem regionalen und
zeitlichen Auseinanderfallen von Stromeinspeisung und Stromnachfrage.
Die Erzeugungsschwerpunkte der Erneuerbaren verlagern sich weg von
den Verbrauchszentren und müssen folglich mit neuen und
leistungsfähigen Netzen in das Stromversorgungssystem von morgen
eingebunden werden." Die aktuellen Erfahrungen der APG zeigen, dass
kritische Netzsituationen und der notwendige Einsatz von Notmaßnahmen
zur Stabilisierung des Stromnetzes zunehmen. Christiner weiter: "2009
waren 1.800 Netzeingriffe nötig. Bis 2011 stieg diese Zahl bereits
auf 2.500. Die Herausforderung für alle Beteiligten lautet, eine
verbesserte Synchronisierung und Abstimmung aller dafür
erforderlichen Maßnahmen zu erreichen." Mit dem Netzentwicklungsplan
präsentiert die APG die für den Umbau des österreichischen
Stromversorgungssystems erforderlichen Netzausbauprojekte als
Grundlage für das Gelingen der Energiewende. 2,5 Milliarden Euro
investiert der heimische Übertragungsnetzbetreiber bis 2022 in den
Umbau und die Ertüchtigung seines Netzes.
Enorme Herausforderung für Verteilnetze
Auch die Verteilernetzbetreiber stehen vor dem Hintergrund des
boomenden Ausbaus der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie
europaweit vor großen Herausforderungen, erklärte Strempfl: "In den
österreichischen Verteilnetzen steigen die Neuanschlüsse von
Photovoltaikanlagen, Windparks und Kleinwasserkraftanlagen nach wie
vor ungebremst an. Allein aus der im Ökostromgesetz festgeschriebenen
Erhöhung der Photovoltaik-Leistung in Höhe von 1200 MW bis 2020 ist
ein Finanzierungsbedarf von mehr als Euro 300 Mio. abzuleiten."
Der bereits durch den österreichischen Gesetzgeber verordnete
Roll-out von Smart Metering stellt eine weitere Herausforderung dar,
so Strempfl. Bis 2019 sind 95 Prozent aller Zählpunkte mit
intelligenten Messgeräten auszustatten. Dies erfordere jedoch nicht
nur den Austausch der Messeinrichtungen beim Kunden, sondern auch die
Errichtung einer vollkommen neuen Infrastruktur zur sicheren
Übertragung der Messwerte zu den Head-End-Systemen der Netzbetreiber
um in weiterer Folge entsprechende Verbrauchsinformationen zeitnah
für alle Kunden sowie die berechtigten Marktteilnehmer bereitstellen
zu können. Österreichweit geht man dabei von einem
Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro aus.
Smarte Netztechnologien gewinnen rasch an Bedeutung
Eine wichtige Rolle für die sichere Integration der steigenden
Stromproduktion aus erneuerbaren Energien werden in den kommenden
Jahren smarte Systeme übernehmen. Internationale Erfahrungen weisen
schon heute den Weg in die smarte Zukunft, erklärte Brehmer. Der
Sprecher Netze betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der
Informationssicherheit und Netzsicherheit: Smarte Systeme und Smart
Grids im Rahmen der Stromversorgung benötigen eine klare Abgrenzung
gegenüber den Telekomnetzen um die Sicherheit zu gewährleisten."
Brehmer: "Nicht nur in Bezug auf den Datenschutz, sondern auch auf
hinsichtlich der technischen Sicherheit einzelner Anlagen muss den
Netzbetreibern die Möglichkeit eingeräumt werden, eigene,
geschlossene, betriebliche Kommunikationsnetze aus sicherheits- und
versorgungsrelevanten Gründen mit höchstmöglicher technischer
Verfügbarkeit betreiben zu können, um unter anderem auch den
besonderen Anforderungen an eine kritische Infrastruktur entsprechen
zu können." Hierzu benötigten die Netzbetreiber die Zuweisung von
geeigneten Frequenzen zur rein betrieblichen Nutzung. Smart Grids, so
Brehmer, bedeuteten aber nicht nur Investitionen in zusätzliche
Informationstechnologie, sondern auch in klassische Netzkomponenten:
"Smart allein wird nicht genügen, auch die steigenden Lastflüsse
müssen bewältigt werden." In Zukunft gelte es vor allem auch
sinnvolle Synergien zu finden.
Netze der Zukunft benötigen sichere Finanzierungsbasis
Der Aufbau der Netze der Zukunft benötigt Planungssicherheit und ein
stabiles regulatorisches Umfeld, so die Experten. Brehmer: "Nur so
werden Eigentümer und Investoren bereit sein, die erheblichen
finanziellen Mittel bereit zu stellen." Plötzliche Änderungen im
Regulierungssystem oder willkürliche, sprunghafte Anpassungen der
Kostenbasen haben unweigerlich negative Auswirkungen auf das
Investitionsverhalten der Netzbetreiber, ergänzte Strempfl: "Das hat
nicht nur negative Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und
-zuverlässigkeit, sondern behindert auch die nationalen Anstrengungen
hin zu mehr erneuerbarer Energie im Stromnetz."
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVE






