Gesunde Kassen - kranke Seelen

Krankenkassen freuen sich über positive Bilanzen - Psychisch Kranke sollen davon profitieren!

Wien (OTS) - Wenn eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt, sind die Krankenkassen nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) verpflichtet, die psychotherapeutische Behandlung im Rahmen eines Gesamtvertrages zu finanzieren. Dieser Verpflichtung kommen die Krankenkassen jedoch seit 1992, auch bei dringendem Behandlungsbedarf, NICHT nach. Stattdessen wurde kassenfinanzierte Psychotherapie rationiert und daneben die so genannte "Zuschusstherapie" eingeführt.

Alle Sozialversicherten bezahlen seit 1992 eigens für Psychotherapie erhöhte, ausgewiesene Sozialversicherungsbeiträge! Von 65.000 Psychotherapie-PatientInnen in ganz Österreich erhalten aber nur 35.000 einen kassenfinanzierten Psychotherapieplatz, 30.000 PatientInnen müssen sich mit dem von den Kassen seit 1992 nicht erhöhten Zuschuss von 21,80 und Selbstbehalten in der Höhe zwischen 60 und 80 Euro zufrieden geben. Das ist eine Ungleichbehandlung der Versichertengemeinschaft wie sie ansonsten in Österreich ohne Beispiel ist. Wegen dieser Hürden erreicht Österreich bei einem Bedarf von mindestens 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung einen Versorgungsgrad von gerade einmal 0,8 Prozent.

Dazu noch einige erhellende Zahlen: Laut Sozialversicherung nehmen 900.000 ÖstereicherInnen das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch. 840.000 nehmen Psychopharmaka, aber nur 65.000 Personen befinden sich in Psychotherapie.

Die Unterversorgung der psychisch Kranken in Österreich hat dramatische Auswirkungen, über die man mittlerweile nicht so leicht hinwegsehen kann:

  • Immer häufigere und längere Krankenstände aufgrund von psychischen Erkrankungen
  • Massive Erhöhung der Frühpension aufgrund von psychischen Erkrankungen
  • Ungebremster Anstieg der Verschreibung von Psychopharmaka - sogar bei Kindern Laut WHO ist mit einem starken Anstieg von psychischen Belastungen zu rechnen. Österreichs Krankenkassen sind nicht darauf vorbereitet;

das zeigt schon der derzeitige schlechte Versorgungsgrad.

Der ÖBVP fordert daher seriöse Verhandlungsgespräche zum Gesamtvertrag und zur durchgängig kassenfinanzierten Psychotherapie. Den Psychotherapiebedarf psychisch leidender Versicherungsnehmer zu ignorieren widerspricht nicht nur dem Österreichischen solidarisch aufgebauten Versicherungssystem, sondern führt auch zu gewaltigen volkswirtschaftlichen Problemen.

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Tel.: 0676/600 46 76, eva.mueckstein@aon.at

Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP
Tel.: 01/512 70 90.23, oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
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