- 23.04.2013, 09:40:36
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Greenpeace: Präsident Fischer muss für Temelín klare Worte finden
Kostenexplosion und Sicherheitsrisiken bei AKW Temelín dürfen nicht länger ignoriert werden
Utl.: Kostenexplosion und Sicherheitsrisiken bei AKW Temelín dürfen
nicht länger ignoriert werden =
Wien (OTS) - Der heute beginnende Antrittsbesuch des tschechischen
Präsidenten Milos Zeman bei Bundespräsident Heinz Fischer wird im
Zeichen der zukünftigen Zusammenarbeit der beiden Länder stehen.
Greenpeace appelliert an den österreichischen Bundespräsidenten, die
Gelegenheit zu nutzen, um über die Atompolitik des Nachbarlandes zu
diskutieren. Nachdem der tschechische Außenminister Karel
Schwarzenberg bereits die ökonomische Sinnhaftigkeit des Ausbaus des
AKW in Frage gestellt hat, muss Präsident Zeman die Kostenwahrheit
über Atomstrom aus Temelín auf den Tisch legen und die Risiken, die
vom AKW ausgehen, anerkennen, fordert Greenpeace.
"Berechnungen zufolge wird der Neubau der Reaktoren Temelín 3 und 4
rund 12 Milliarden Euro kosten. Beispiele in ganz Europa zeigen, dass
die ursprünglichen Kostenberechnungen für den Neubau von
Atomreaktoren bei weitem nicht eingehalten werden", so Julia
Kerschbaumsteiner, Atomsprecherin bei Greenpeace zur Kostenexplosion
beim Bau von Atomkraftwerken. Die Baukosten für den französischen
Reaktor Flamanville belaufen sich beispielsweise bereits auf 8,5
Milliarden Euro und haben sich seit Baubeginn verdreifacht. "Um
dennoch Partner für die Konstruktion zweier Reaktoren zu gewinnen,
setzt die tschechische Regierung auf Abnahmegarantien für den in
Temelín erzeugten Strom, eine klar EU-wettbewerbswidrige
Subventionierung", so die Atomsprecherin.
Greenpeace fordert, dass die Kostenwahrheit für die geplante
Aufrüstung des AKW Temelín auf den Tisch gelegt wird. "Werden die
exorbitanten Errichtungskosten für Temelín 3 und 4 in den Strompreis
eingerechnet, so belaufen sich die Produktionskosten für eine MWh
Atomstrom auf weit über 60 Euro, während sich der Erlös auf der
Strombörse derzeit bei rund 42 Euro einpendelt. Wer die Differenz zu
zahlen hat, liegt klar auf der Hand. Hier wird die tschechische
Bevölkerung zur Kasse gebeten", kritisiert Kerschbaumsteiner.
Auf der Agenda für das Treffen der Präsidenten stehen zudem Gespräche
über die mangelhaften Unfallvorkehrungen beim AKW Temelín. Wie aus
einer jüngst veröffentlichten Greenpeace-Studie hervorgeht, birgt
Temelín erhebliche Sicherheitsrisiken, nicht nur für die
tschechische, sondern auch für die Bevölkerung in Deutschland und
Österreich. "Zeman darf nicht weiter ignorieren, was Wissenschaftler
deutlich aufzeigen: Temelín ist nicht sicher. Das AKW befindet sich
in einem seismischen Gebiet und ist gegen mögliche Erdbeben nicht
ausreichend gewappnet. Zusätzlich gibt es keinen angemessenen Schutz
vor Überflutungen und auch fehlen Filtersysteme, deren Installation
eine der wichtigsten Lektionen aus Fukushima sind", warnt die
Greenpeace-Sprecherin.
Greenpeace appelliert an Bundespräsidenten Fischer, bei den
Gesprächen zu Temelín klare Worte zu finden. "Österreich ist ein
Vorreiter im Kampf gegen Atomkraft und hat damit auch die
Verantwortung, sich auf EU-Ebene vehement gegen Atomenergie
einzusetzen. Mit dem Gesetz, das den Stopp von Atomimporten vorsieht,
wird Österreich der teuren und hochriskanten Atomenergie auch aus
Tschechien eine klare Absage erteilen. Fischer muss in seinen
Gesprächen verdeutlichen, was auch Ökonomen und Physiker von Temelín
halten: nämlich nichts", schließt Kerschbaumsteiner.
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