Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 23. April 2013. Von ALOIS VAHRNER. "Hoeneß-Eigentor erhöht Druck weiter".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Selbstanzeige von Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß löst in Deutschland ein gewaltiges Nachbeben rund um Steuerflucht aus - auch mit Folgen für Österreichs ohnehin schon sturmreif geschossenes Bankgeheimnis.

Spektakulärer könnte der Zeitpunkt für das Bekanntwerden der Steueraffäre des Bayern-Bosses um Gelder in der Schweiz gar nicht sein: Erst kürzlich war Offshore-Leaks über weltweit verstecktes Schwarzgeld aufgedeckt worden. Seither stehen weltweit Steueroasen im Visier, auch das Bankgeheimnis von Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Zudem steigt heute in München der Semifinal-Superschlager der Champions League zwischen Bayern und dem FC Barcelona mit weltweit Hunderten Millionen TV-Zuschauern - noch weit mehr als sonst werden die Kameras dabei auf Hoeneß gerichtet sein.
Hoeneß galt bisher als ebenso wortgewaltiger wie grandioser Vereinsmanager. Er hat aus dem FC Bayern (23-mal deutscher Meister, 15 Pokalsiege, dazu vier der sechs Europacup-Triumphe in Meistercup bzw. Champions League) den sportlich derzeit vielleicht, bei der Finanzkraft aber ganz sicher stärksten Fußballclub der Welt geformt. Mit mehr als 350 Mio. Euro Jahresumsatz nach Real Madrid, Barcelona und Manchester United auf Platz vier, aber ohne deren gewaltige Schuldenberge in dreistelliger Millionenhöhe.
Gleichzeitig galt Hoeneß aber auch als moralische Instanz, als Manager mit Herz und Herzblut und als ehrliche Haut. Mit seiner Selbstanzeige hat sich ausgerechnet dieser Uli Hoeneß jetzt selbst vom über Jahrzehnte erbauten Sockel gestoßen. Ob er angesichts des gewaltigen öffentlichen Drucks Bayern-Präsident bleiben kann, ist fraglich. Ob er durch die Selbstanzeige plus Nachzahlung einer drohenden Gefängnisstrafe entgehen kann, ist Frage der Behörden und der Justiz.
Mit Hoeneß hat die gerade in Deutschland stets kochende Debatte um Steuerflucht ihr bisher prominentestes Gesicht bekommen. Der frühere Deutsche-Post-General Klaus Zumwinkel, der Gelder in Liechtenstein geparkt hatte, wirkt gegen den Medien-Star Hoeneß fast wie eine graue Maus. Laut Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft haben die Bundesbürger bis zu 400 Mrd. Euro am Fiskus vorbei schwarz im Ausland gebunkert, davon allein 150 Mrd. Euro in der Schweiz, nicht wenige Milliarden wohl auch in Österreich.
Mit der Affäre Hoeneß und der Riesendebatte in Deutschland wird der internationale Druck auf das Bankgeheimnis (zumindest jenes von Ausländern) in der Schweiz bis Österreich noch größer. Die Sonderregelung wird diesmal nicht zu halten sein. Umso mehr gilt es, global auch weit größere Steueroasen endlich entschieden ins Visier zu nehmen.

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