• 22.04.2013, 20:52:00
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 23. April 2013. Von ALOIS VAHRNER. "Hoeneß-Eigentor erhöht Druck weiter".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Selbstanzeige von
Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß löst in Deutschland ein
gewaltiges Nachbeben rund um Steuerflucht aus - auch mit Folgen für
Österreichs ohnehin schon sturmreif geschossenes Bankgeheimnis.

Spektakulärer könnte der Zeitpunkt für das Bekanntwerden der
Steueraffäre des Bayern-Bosses um Gelder in der Schweiz gar nicht
sein: Erst kürzlich war Offshore-Leaks über weltweit verstecktes
Schwarzgeld aufgedeckt worden. Seither stehen weltweit Steueroasen im
Visier, auch das Bankgeheimnis von Luxemburg, Österreich, der Schweiz
und Liechtenstein. Zudem steigt heute in München der
Semifinal-Superschlager der Champions League zwischen Bayern und dem
FC Barcelona mit weltweit Hunderten Millionen TV-Zuschauern - noch
weit mehr als sonst werden die Kameras dabei auf Hoeneß gerichtet
sein.
Hoeneß galt bisher als ebenso wortgewaltiger wie grandioser
Vereinsmanager. Er hat aus dem FC Bayern (23-mal deutscher Meister,
15 Pokalsiege, dazu vier der sechs Europacup-Triumphe in Meistercup
bzw. Champions League) den sportlich derzeit vielleicht, bei der
Finanzkraft aber ganz sicher stärksten Fußballclub der Welt geformt.
Mit mehr als 350 Mio. Euro Jahresumsatz nach Real Madrid, Barcelona
und Manchester United auf Platz vier, aber ohne deren gewaltige
Schuldenberge in dreistelliger Millionenhöhe.
Gleichzeitig galt Hoeneß aber auch als moralische Instanz, als
Manager mit Herz und Herzblut und als ehrliche Haut. Mit seiner
Selbstanzeige hat sich ausgerechnet dieser Uli Hoeneß jetzt selbst
vom über Jahrzehnte erbauten Sockel gestoßen. Ob er angesichts des
gewaltigen öffentlichen Drucks Bayern-Präsident bleiben kann, ist
fraglich. Ob er durch die Selbstanzeige plus Nachzahlung einer
drohenden Gefängnisstrafe entgehen kann, ist Frage der Behörden und
der Justiz.
Mit Hoeneß hat die gerade in Deutschland stets kochende Debatte um
Steuerflucht ihr bisher prominentestes Gesicht bekommen. Der frühere
Deutsche-Post-General Klaus Zumwinkel, der Gelder in Liechtenstein
geparkt hatte, wirkt gegen den Medien-Star Hoeneß fast wie eine graue
Maus. Laut Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft haben die
Bundesbürger bis zu 400 Mrd. Euro am Fiskus vorbei schwarz im Ausland
gebunkert, davon allein 150 Mrd. Euro in der Schweiz, nicht wenige
Milliarden wohl auch in Österreich.
Mit der Affäre Hoeneß und der Riesendebatte in Deutschland wird der
internationale Druck auf das Bankgeheimnis (zumindest jenes von
Ausländern) in der Schweiz bis Österreich noch größer. Die
Sonderregelung wird diesmal nicht zu halten sein. Umso mehr gilt es,
global auch weit größere Steueroasen endlich entschieden ins Visier
zu nehmen.

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