DER STANDARD-KOMMENTAR "Ein Wahlkampfgeschenk " vony Birgit Baumann

Ausgabe vom 23.4.2013

Wien (OTS) - Es war klar, dass die deutsche Opposition den Gurkenpass des Uli Hoeneß ganz einfach parieren würde. Nicht allein das Eingeständnis des Bayern-Managers, er habe Steuern hinterzogen, ist ein echtes Wahlkampfgeschenk für Rot-Grün, sondern die Begründung, warum er sich jetzt doch selbst angezeigt hat.
Er hätte eigentlich auf jenes Steuerabkommen zwischen Bern und Berlin gehofft, das die Opposition im Dezember scheitern ließ, erklärte Hoeneß. Dann nämlich hätte er heimlich seinen Obolus leisten können und wäre - dank der garantierten Anonymität - nie am Pranger gestanden.
Da können CDU, CSU und FDP jetzt noch so oft betonen, dass Hoeneß ja nur ein - wenngleich fürchterlich enttäuschender - Einzelfall sei und man doch mit dem Abkommen an viel mehr Steuersünder herangekommen wäre.
Mag sein, aber die hätten sich alle bequem freikaufen und ins geldgefüllte Fäustchen lachen können. Hoeneß hingegen ist der perfekte Buhmann: ein vorgeblicher Saubermann, der Wasser predigt, Wein trinkt und erklärt, wie günstig die schwarz-gelbe Politik dabei für ihn ist.
Die Causa führt exemplarisch vor Augen, dass das deutsche Steuerabkommen mit der Schweiz zu Recht gescheitert ist. Ehrliche Steuerzahler fühlen sich einfach nur verschaukelt. Das Abkommen muss neu verhandelt werden. Bis dahin werden Steuer-CDs und der Fall Hoeneß den Druck zur Selbstanzeige auf Steuersünder genug erhöhen.

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