- 22.04.2013, 19:03:48
- /
- OTS0201 OTW0201
DER STANDARD-KOMMENTAR "Ein Wahlkampfgeschenk " vony Birgit Baumann
Ausgabe vom 23.4.2013
Utl.: Ausgabe vom 23.4.2013 =
Wien (OTS) - Es war klar, dass die deutsche Opposition den Gurkenpass
des Uli Hoeneß ganz einfach parieren würde. Nicht allein das
Eingeständnis des Bayern-Managers, er habe Steuern hinterzogen, ist
ein echtes Wahlkampfgeschenk für Rot-Grün, sondern die Begründung,
warum er sich jetzt doch selbst angezeigt hat.
Er hätte eigentlich auf jenes Steuerabkommen zwischen Bern und Berlin
gehofft, das die Opposition im Dezember scheitern ließ, erklärte
Hoeneß. Dann nämlich hätte er heimlich seinen Obolus leisten können
und wäre - dank der garantierten Anonymität - nie am Pranger
gestanden.
Da können CDU, CSU und FDP jetzt noch so oft betonen, dass Hoeneß ja
nur ein - wenngleich fürchterlich enttäuschender - Einzelfall sei und
man doch mit dem Abkommen an viel mehr Steuersünder herangekommen
wäre.
Mag sein, aber die hätten sich alle bequem freikaufen und ins
geldgefüllte Fäustchen lachen können. Hoeneß hingegen ist der
perfekte Buhmann: ein vorgeblicher Saubermann, der Wasser predigt,
Wein trinkt und erklärt, wie günstig die schwarz-gelbe Politik dabei
für ihn ist.
Die Causa führt exemplarisch vor Augen, dass das deutsche
Steuerabkommen mit der Schweiz zu Recht gescheitert ist. Ehrliche
Steuerzahler fühlen sich einfach nur verschaukelt. Das Abkommen muss
neu verhandelt werden. Bis dahin werden Steuer-CDs und der Fall
Hoeneß den Druck zur Selbstanzeige auf Steuersünder genug erhöhen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PST






