• 17.04.2013, 21:02:17
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TIROLER TAGESZEITUNG - Leitartikel von Manfred Mitterwachauer am 18. April 2013: Stadt, Land, Funkstille

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Räumlich trennen Land- und Rathaus in
Innsbruck nur wenige Meter. Politisch wie zwischenmenschlich hingegen
hat die Gemeinderatswahl 2012 einen Graben gezogen, den die
Landtagswahl zum Grand Canyon wachsen lässt.

M it Sicherheit werde ich mich nie in die städtischen Angelegenheiten
einmischen." Das versprach der designierte neue Landeshauptmann
Herwig van Staa vor versammelter Presse, nachdem er im Oktober 2002
zum letzten Mal als Bürgermeister eine Sitzung des Innsbrucker
Stadtsenats leitete. Elf Jahre später tut er es doch. Und man sieht
den Gründungsvater der ÖVP-Rebellen-Fraktion "Für Innsbruck" (FI) als
Spitzenkandidaten der Stadt-ÖVP - polternd gegen seine einstigen
Polit-Weggefährten - von Tür zu Tür um Stimmen laufen. Das ist nur
ein Beispiel für die Lage der Schwarzen in der Landeshauptstadt. Ein
anderes heißt Herlinde Keuschnigg. Die Gattin des VP-Bundesrats und
einflussreichen Bauernbundfunktionärs Georg Keuschnigg sitzt für die
FI-Fraktion im Innsbrucker Gemeinderat und wird ihr Wahlkreuz am 28.
April neben dem Namen von ÖVP-Landesparteichef Günther Platter
setzen. Ein Spagat, der seit der Gemeinde█ratswahl 2012 keiner mehr
ist. Eher ein Hochverrat.
Verlauf und Ausgang der Gemeinderatswahl - mit dem VP-Versuch,
Oppitz-Plörers Intimfeind Christoph Platzgummer auf den
Bürgermeistersessel zu hieven, dem Wahlsieg der Schwarzen, dem
FI-Konter in Gestalt der gewonnenen Bürgermeis█terstichwahl und am
Ende mit der Verbannung der Stadt-ÖVP auf die Oppositionsbank - haben
das Verhältnis zwischen Land- und Rathaus nachhaltig gestört. Die
Innsbrucker Ampelkoalition ist für die ÖVP ein rotes Tuch. Auch, weil
Oppitz-Plörer ihren Triumph über das "System ÖVP" auf kommunaler
Ebene nun mit der Gründung der Anti-Platter-Bewegung "Vorwärts" auf
Landesebene zu duplizieren versucht.
Egal, ob Haus der Musik oder das neue Polizei-Sicherheitszentrum -
jener Streit, dessen Wurzel im rein Politischen liegt, hat längst auf
die Knospen des projektbezogenen Alltags übergegriffen. Und hindert
diese, aufzublühen. Weder Oppitz-Plörer noch Platter wollen sich das
Schwarze unter ihren Fingernägeln gönnen. Zwischenmenschlich kommen
die beiden ohnedies nicht mehr überein. Es ist Feuer am Dach zwischen
Land- und Rathaus - beide Seiten haben zu viel gezündelt. Doch wer
soll nun Feuerwehr spielen und löschen? Viel davon wird vom Ausgang
der Landtagswahl abhängen. Ob jener Graben seit der Gemeinderatswahl,
den der Landtagswahlkampf zum Grand Canyon mutieren ließ, wieder
zugeschüttet werden kann oder nicht. Zu wünschen wär█s. Denn auf
Dauer bringt die anhaltende Funkstille zwischen Stadt und Land keinen
von beiden so richtig vorwärts.

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