TIROLER TAGESZEITUNG - Leitartikel von Manfred Mitterwachauer am 18. April 2013: Stadt, Land, Funkstille

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Räumlich trennen Land- und Rathaus in Innsbruck nur wenige Meter. Politisch wie zwischenmenschlich hingegen hat die Gemeinderatswahl 2012 einen Graben gezogen, den die Landtagswahl zum Grand Canyon wachsen lässt.

M it Sicherheit werde ich mich nie in die städtischen Angelegenheiten einmischen." Das versprach der designierte neue Landeshauptmann Herwig van Staa vor versammelter Presse, nachdem er im Oktober 2002 zum letzten Mal als Bürgermeister eine Sitzung des Innsbrucker Stadtsenats leitete. Elf Jahre später tut er es doch. Und man sieht den Gründungsvater der ÖVP-Rebellen-Fraktion "Für Innsbruck" (FI) als Spitzenkandidaten der Stadt-ÖVP - polternd gegen seine einstigen Polit-Weggefährten - von Tür zu Tür um Stimmen laufen. Das ist nur ein Beispiel für die Lage der Schwarzen in der Landeshauptstadt. Ein anderes heißt Herlinde Keuschnigg. Die Gattin des VP-Bundesrats und einflussreichen Bauernbundfunktionärs Georg Keuschnigg sitzt für die FI-Fraktion im Innsbrucker Gemeinderat und wird ihr Wahlkreuz am 28. April neben dem Namen von ÖVP-Landesparteichef Günther Platter setzen. Ein Spagat, der seit der Gemeinde ratswahl 2012 keiner mehr ist. Eher ein Hochverrat.
Verlauf und Ausgang der Gemeinderatswahl - mit dem VP-Versuch, Oppitz-Plörers Intimfeind Christoph Platzgummer auf den Bürgermeistersessel zu hieven, dem Wahlsieg der Schwarzen, dem FI-Konter in Gestalt der gewonnenen Bürgermeis terstichwahl und am Ende mit der Verbannung der Stadt-ÖVP auf die Oppositionsbank - haben das Verhältnis zwischen Land- und Rathaus nachhaltig gestört. Die Innsbrucker Ampelkoalition ist für die ÖVP ein rotes Tuch. Auch, weil Oppitz-Plörer ihren Triumph über das "System ÖVP" auf kommunaler Ebene nun mit der Gründung der Anti-Platter-Bewegung "Vorwärts" auf Landesebene zu duplizieren versucht.
Egal, ob Haus der Musik oder das neue Polizei-Sicherheitszentrum -jener Streit, dessen Wurzel im rein Politischen liegt, hat längst auf die Knospen des projektbezogenen Alltags übergegriffen. Und hindert diese, aufzublühen. Weder Oppitz-Plörer noch Platter wollen sich das Schwarze unter ihren Fingernägeln gönnen. Zwischenmenschlich kommen die beiden ohnedies nicht mehr überein. Es ist Feuer am Dach zwischen Land- und Rathaus - beide Seiten haben zu viel gezündelt. Doch wer soll nun Feuerwehr spielen und löschen? Viel davon wird vom Ausgang der Landtagswahl abhängen. Ob jener Graben seit der Gemeinderatswahl, den der Landtagswahlkampf zum Grand Canyon mutieren ließ, wieder zugeschüttet werden kann oder nicht. Zu wünschen wär s. Denn auf Dauer bringt die anhaltende Funkstille zwischen Stadt und Land keinen von beiden so richtig vorwärts.

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