"DER STANDARD"-Kommentar: "Der blaue Sieger-Nimbus ist weg" von Michael Völker

Ein Duell Strache gegen Faymann: Wer soll das noch glauben? - Ausgabe vom 18.4.2013

Wien (OTS) - Heinz-Christian Strache fliegt die FPÖ um die Ohren. Es kracht an allen Ecken und Enden. Funktionäre benehmen sich daneben oder folgen nicht. Und, noch viel schlimmer: Auch die Wähler folgen nicht.
In Oberösterreich - nicht nur dort, aber dort ganz besonders - fallen Funktionäre immer wieder durch ihr Naheverhältnis zum Nationalsozialismus auf. Die halbherzig bekämpften oder auch tolerierten Umtriebe braun-blauer Recken schaden nachhaltig dem Image einer Partei, die gerne auch einmal ernst genommen werden würde. Kärnten war ein Debakel. Niederösterreich lief auch nicht gut. Im Burgenland zerfleischen sich die Gesinnungsfreunde untereinander. In Salzburg stellt sich Landesobmann Karl Schnell mit Umvolkungsängsten ins Abseits. In Tirol sind keine großen Zugewinne zu erwarten. Die Aussichten auf Bundesebene: schlecht.
Die Freiheitlichen haben unter Strache das Sieger-Image verloren. Vorbei sind die Zeiten, als die FPÖ das Monopol auf den Protest hatte. Strache ist nicht länger der Schmied. Er ist ein Schmiedl unter anderen Dampfplauderern. Sein schlimmster Feind ist Frank Stronach. Der 81-Jährige wirkt agiler, er ist interessant und neu. Dass in der Stronach-Partei die vielgepriesenen Werte sehr offensiv ausgelegt und offenbar auch als finanzielle Leistung - ein Wert an sich - verstanden werden, mit der man Politiker kaufen könne, scheint nur eine kleine, qualifizierte Öffentlichkeit zu stören.
Stronach gilt als Siegertyp. Er hat bisher nur Siege zu verbuchen. Aus dem Stand auf Ergebnisse um die zehn Prozent zu kommen ist ein Kunststück, von dem andere Kleinparteien, die ihr Glück in der politischen Arena suchen, nur träumen können. Dass Stronach punktet und Strache mittlerweile ein Loser-Image anhaftet, ist das größte Problem der FPÖ. Gerade in jenem Wählersegment, in dem beide auf Jagd gehen, ist das Image wichtiger als jeder Inhalt: Die Leute aus den Bevölkerungsschichten, die sozial wie intellektuell nicht zu den Aufsteigern gehören, legen in ihrer politischen Sehnsucht noch mehr Wert darauf, bei den Siegern dabei zu sein. Da hat Stronach derzeit mehr zu bieten als Strache.
Auch themenmäßig ist es eng für die Blauen geworden. Gegen die EU zu sein reicht längst nicht mehr aus. Da ist Stronach auch dagegen, und immerhin versteht der etwas von Wirtschaft, angeblich. Selbst die einstige Europapartei ÖVP droht denen in Brüssel mit einem Veto, wenn es ums Budget und die Bauern geht. Und Maria Fekter gewinnt tatsächlich an Sympathie: Die Finanzministerin sammelt mit ihrer Haltung - "Rutscht mir doch den Buckel runter" - in der Scheindebatte um das Bankgeheimnis bei den EU-Skeptikern Bonuspunkte.
Bleiben der FPÖ eigentlich nur noch die Ausländer als Thema. Zieht auch nicht mehr so, und die anderen Parteien sind gut beraten, nicht in diese Auseinandersetzung einzusteigen. Der SPÖ täte die FPÖ als Feindbild im Wahlkampf zwar gut, vor allem wenn es um die Mobilisierung der eigenen Sympathisanten geht, aber da ist Strache derzeit zu schwach, um ihn als gefährlichen Widerpart von Kanzler Werner Faymann hinzustellen. Dem Duell Strache versus Faymann fehlt es an Glaubwürdigkeit. Da machen sich beide lächerlich. Das Ausbleiben dieser Zuspitzung bietet den anderen Parteien mehr Oberfläche für ihre Themen, davon könnten Grüne und ÖVP profitieren. Und natürlich Stronach - für viele der bessere Strache.

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