- 17.04.2013, 18:57:39
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Der blaue Sieger-Nimbus ist weg" von Michael Völker
Ein Duell Strache gegen Faymann: Wer soll das noch glauben? - Ausgabe vom 18.4.2013
Utl.: Ein Duell Strache gegen Faymann: Wer soll das noch glauben? -
Ausgabe vom 18.4.2013 =
Wien (OTS) - Heinz-Christian Strache fliegt die FPÖ um die Ohren. Es
kracht an allen Ecken und Enden. Funktionäre benehmen sich daneben
oder folgen nicht. Und, noch viel schlimmer: Auch die Wähler folgen
nicht.
In Oberösterreich - nicht nur dort, aber dort ganz besonders - fallen
Funktionäre immer wieder durch ihr Naheverhältnis zum
Nationalsozialismus auf. Die halbherzig bekämpften oder auch
tolerierten Umtriebe braun-blauer Recken schaden nachhaltig dem Image
einer Partei, die gerne auch einmal ernst genommen werden würde.
Kärnten war ein Debakel. Niederösterreich lief auch nicht gut. Im
Burgenland zerfleischen sich die Gesinnungsfreunde untereinander. In
Salzburg stellt sich Landesobmann Karl Schnell mit Umvolkungsängsten
ins Abseits. In Tirol sind keine großen Zugewinne zu erwarten. Die
Aussichten auf Bundesebene: schlecht.
Die Freiheitlichen haben unter Strache das Sieger-Image verloren.
Vorbei sind die Zeiten, als die FPÖ das Monopol auf den Protest
hatte. Strache ist nicht länger der Schmied. Er ist ein Schmiedl
unter anderen Dampfplauderern. Sein schlimmster Feind ist Frank
Stronach. Der 81-Jährige wirkt agiler, er ist interessant und neu.
Dass in der Stronach-Partei die vielgepriesenen Werte sehr offensiv
ausgelegt und offenbar auch als finanzielle Leistung - ein Wert an
sich - verstanden werden, mit der man Politiker kaufen könne, scheint
nur eine kleine, qualifizierte Öffentlichkeit zu stören.
Stronach gilt als Siegertyp. Er hat bisher nur Siege zu verbuchen.
Aus dem Stand auf Ergebnisse um die zehn Prozent zu kommen ist ein
Kunststück, von dem andere Kleinparteien, die ihr Glück in der
politischen Arena suchen, nur träumen können. Dass Stronach punktet
und Strache mittlerweile ein Loser-Image anhaftet, ist das größte
Problem der FPÖ. Gerade in jenem Wählersegment, in dem beide auf Jagd
gehen, ist das Image wichtiger als jeder Inhalt: Die Leute aus den
Bevölkerungsschichten, die sozial wie intellektuell nicht zu den
Aufsteigern gehören, legen in ihrer politischen Sehnsucht noch mehr
Wert darauf, bei den Siegern dabei zu sein. Da hat Stronach derzeit
mehr zu bieten als Strache.
Auch themenmäßig ist es eng für die Blauen geworden. Gegen die EU zu
sein reicht längst nicht mehr aus. Da ist Stronach auch dagegen, und
immerhin versteht der etwas von Wirtschaft, angeblich. Selbst die
einstige Europapartei ÖVP droht denen in Brüssel mit einem Veto, wenn
es ums Budget und die Bauern geht. Und Maria Fekter gewinnt
tatsächlich an Sympathie: Die Finanzministerin sammelt mit ihrer
Haltung - "Rutscht mir doch den Buckel runter" - in der Scheindebatte
um das Bankgeheimnis bei den EU-Skeptikern Bonuspunkte.
Bleiben der FPÖ eigentlich nur noch die Ausländer als Thema. Zieht
auch nicht mehr so, und die anderen Parteien sind gut beraten, nicht
in diese Auseinandersetzung einzusteigen. Der SPÖ täte die FPÖ als
Feindbild im Wahlkampf zwar gut, vor allem wenn es um die
Mobilisierung der eigenen Sympathisanten geht, aber da ist Strache
derzeit zu schwach, um ihn als gefährlichen Widerpart von Kanzler
Werner Faymann hinzustellen. Dem Duell Strache versus Faymann fehlt
es an Glaubwürdigkeit. Da machen sich beide lächerlich. Das
Ausbleiben dieser Zuspitzung bietet den anderen Parteien mehr
Oberfläche für ihre Themen, davon könnten Grüne und ÖVP profitieren.
Und natürlich Stronach - für viele der bessere Strache.
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