CMC Masters Club-Standpunktdiskussion: "Fit und proper im Aufsichtsrat?"

UBIT-Obmann Harl lud zur sechsten CMC Masters Club-Standpunktdiskussion mit Hans Jörg Schelling und Per Wendschlag ins Hotel Sacher

Wien (OTS/PWK226) - WKÖ-Vizepräsident und ÖVAG-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Jörg Schelling und der langjährige IKEA Österreich-Chef Per Wendschlag diskutierten beim sechsten CMC Masters Club im Hotel Sacher, welche Kompetenzen ein Aufsichtsrat braucht und was der Fit und proper-Test wirklich bewirken kann. Gastgeber Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und IT (UBIT), betonte in seinen Eingangsworten, dass zukünftig noch mehr Pflichten und Kontrollinstanzen auf Aufsichtsräte zukommen werden. So gibt es ab Mitte 2013 neben dem Fit und proper-Test die Bilanzpolizei, die für die Kontrolle der börsennotierten Firmen zuständig sein wird. Aber, so Gastgeber Harl, es sei fraglich, ob mehr Regulierung auch zwingend bessere Qualität im Aufsichtsrat bedeute.

Der Schwede Per Wendschlag, bereits seit 30 Jahren bei IKEA, erlebte als Country Manager in Russland, dass eine landesspezifische Aufsichtsratsbesetzung und ein positives Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat viel wichtiger als formale Regeln sind. Probleme müssten proaktiv angesprochen werden, um bei multinationalen Konzernen die Kernidee des Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren. IKEA beispielsweise legt als nicht börsennotiertes Unternehmen einen 10-Jahresplan vor, der eine Konzernrichtung verfolgt. Größte Herausforderung und Aufgabe für den Aufsichtsrat sei das passende Timing, die richtige Einschätzung des Marktes, eine effiziente Ressourcenplanung und die Evaluierung der Entwicklungsmöglichkeiten. Für Wendschlag sollte der Aufsichtsrat daher nach dem "4-Eyes-Principle" auch bei der Besetzung von Schlüsselpositionen eingebunden werden und als Mentor für andere Manager im Konzern agieren. Solide Fachkompetenz, unternehmerischer Erfolg, Führungskompetenz, hohe persönliche Integrität und Unbestechlichkeit sieht Wendschlag als notwendige Eigenschaften für einen erfolgreichen Aufsichtsrat.

Auch für Hans Jörg Schelling sichern nicht zusätzliche Regelungen, sondern eine konstruktive Konfliktkultur und die unabhängige, externe Sicht auf das Unternehmen den Erfolg des Aufsichtsrates. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der ÖVAG geht es darum, Mut zur Wahrheit zu beweisen und die Aufgaben des Aufsichtsrates, nämlich "Aufsicht" und insbesondere die "Ratfunktion", sehr ernst zu nehmen. Das Wissen um die Rechte und Pflichten der Aufsichtsräte sei leider häufig mangelhaft, da es je nach Gesellschaftsform variiere. Kernaufgabe des Aufsichtsrates sei es aber, so Schelling, vorbereitend zu agieren, um Probleme rechtzeitig zu lösen und definierte Ziele einhalten zu können. Unangenehme Fragen seien Grundprinzip des Miteinanders im Aufsichtsrat und der regelmäßige informelle Austausch mit dem Vorstand eine wichtige Grundlage dafür. Jeder Aufsichtsrat müsse, so Schelling, zwei Kompetenzen vereinen: die regulatorische Sicht und -noch viel entscheidender - die unternehmerische Sicht auf den Betrieb.

Der Aufsichtsrat ist Sparringpartner des Vorstandes, so der einhellige Tenor des sechsten CMC Masters Clubs, und als solcher muss er unabhängig, neugierig und hinterfragend agieren. Zur Überprüfung der Fachkompetenz bietet die Zertifizierung zum Certified Supervisory Expert (CSE) insbesondere für neu bestellte Aufsichtsorgane einen verlässlichen Qualitätsstandard.

Der CMC Masters Club, das Netzwerk der Certified Management Consultants, dem rund 600 namhafte österreichische Unternehmensberater und Wirtschaftsexperten angehören, greift im Rahmen der quartalsweise stattfindenden Veranstaltungen aktuelle Wirtschaftsthemen auf und formuliert im Expertenkreis einen Standpunkt sowie Lösungsansätze dazu. Veranstalter ist der WKÖ-Fachverband Unternehmensberatung und IT (UBIT), der im Rahmen seiner Ausbildungsakademie "incite" das CMC-Zertifikat exklusiv in Österreich anbietet.

Mit mehr als 58.000 Mitgliedern gehört der Fachverband Unternehmensberatung und IT (UBIT) zu den größten und dynamischsten Fachverbänden der Wirtschaftskammer Österreich. Er nimmt die Interessen der Unternehmerinnen und Unternehmer aus den Bereichen Unternehmensberatung, Informationstechnologie und Buchhaltung wahr. Ziel ist es, berufsrelevante Rahmenbedingungen zu optimieren und dem Markt die Leistungen der Berufsgruppen zu kommunizieren. Mitglieder können umfangreiche Beratungs- und Serviceleistungen in Anspruch nehmen. Weitere Informationen gibt es auf http://www.ubit.at und http://www.beratertag.at.

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